Bitumen: Neue Urteile zu Bitumen-Pfuscherei (Archivversion) Felgenreich

Ein plötzlicher Schlag gegen das Vorderrad, der Lenker macht unkontrollierbare Bewegungen, die Ducati Monster ist kaum noch zu halten. Weil er auf der Autobahn schlecht stoppen und kontrollieren kann, eiert Dietmar Michel bis zur Arbeit, stellt fest, dass die Vorderfelge völlig ruiniert ist und fährt, weil er wissen will, wie es dazu kam, mit dem Auto an die Stelle, wo alles anfing, zurück. Dort, an der Auffahrt Mombach zur BAB 643, entdeckt er eine zehn Zentimeter hohe Fahrbahnerhebung. Jetzt wundert ihn gar nichts mehr, er klagt und will vom Land Rheinland Pfalz die Reparaturkosten zurück. Erneut reagieren die Behörden auf die nur zu bekannte Weise: Michel sei, natürlich, zu schnell gefahren, und obendrein habe die zuständige Autobahnmeisterei erst an Tag zuvor kontrolliert. Und dabei sei ihr nichts aufgefallen. Der Auffassung, dass sich über Nacht wundersamerweise eine solch riesige Blase gebildet habe könnte, mochte das Landgericht Koblenz nicht folgen. Anders als im Fall Scheffler – MOTORRAD berichtet regelmäßig –, wo dieses Gericht die Straßenwächter von aller Schuld freigesprochen hatte, kam es jetzt nicht umhin, mangelnde Sorgfalt zu konstatieren. Auch der Hinweis des Sachverständigen, Michel hätte bei der angegebenen Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h eigentlich stürzen müssen, überzeugte die Richter nicht. Dennoch reduzierten sie die Entschädigung um ein Fünftel, weil »das Schadensereignis für den Fahrer nicht unvermeidbar war«. Diese »Grund-Betriebsgefahr« des Motorrads sei »gegenüber der Verkehrsicherungspflichtverletzung mit 20 Prozent zu bewerten.« (AZ 5.O. 95/97) Sieht ganz danach aus, als müsse der Motorradfahrer für das Privileg, auf zwei Rädern unterwegas zu sein, eine Extraabgabe bezahlen.

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