Bitumen: Stürze auf Bitumenfilm auf der Schwäbischen Alb (Archivversion)

Die Pensionäre Kurt Köhler (links) und Jochen Zeller verunglückten auf einem Bitumenfilm der L 245 auf der Schwäbischen Alb.

Fahren Sie heute noch Motorrad?Köhler: Selbstverständlich. Denn es war eindeutig kein Fahrfehler. Wir sind, als wir auf den Abschleppwagen warteten, auf der Straße hin und her geschliddert wie einst als Kinder auf Eis. Es war genau so glatt.Zeller: Ich habe mal zusammengezählt, wie viele Kilometer ich schon auf dem Motorrad zurückgelegt habe. Es dürften wohl an die 600 000 sein. Außerdem muss ich mir, was diesen Sturz angeht, keinen Vorwurf machen. Dass die Straße in einem nicht verkehrssicheren Zustand war, hat sogar das Gericht festgestellt. Das beklagte Land und die Straßenbaufirma bezweifeln, ob Sie wirklich nur 30 km/h gefahren sind.Köhler: Die Straße war nass, wir haben auch sofort gespürt, dass mit dem Belag irgend etwas nicht stimmt und sind deshalb äußerst vorsichtig gefahren. Mit Tempo 30. Sie haben Ihren Prozess verloren und gehen in Berufung. Lohnt das Risiko?Zeller: Zunächst wollen wir natürlich Schadenersatz. Aber selbst, wenn ich nicht rechtschutzversichert wäre, hätte ich die Berufung riskiert. Das verlangt mein Rechtsempfinden. Wie kann es sein, dass ich als Motorradfahrer gefährdet bin, ohne etwas gegen diese Gefahr unternehmen zu können? Und wenn es dann zu einem Unfall kommt, wie bei uns, sind im Prinzip immer die Motorradfahrer schuld. Ich kann und will nicht akzeptieren, dass die Behörden sich so leicht aus der Verantwortung stehlen können.Köhler: Mich hat vor allen Dingen geärgert, dass die Polizei, ohne sich auch nur um die Fakten zu kümmern, sofort davon ausging, wir seien zu schnell unterwegs gewesen. Und dass sie sich dann so passiv verhielt. Das kann ich nicht verstehen, ich war früher selbst Beamter. Wir haben der Polizei gesagt: Sie müssen herkommen, Sie müssen absichern, die Straße ist dermaßen glatt. Doch wer nicht kam, war die Polizei.Wer trägt Ihrer Meinung nach die Verantwortung für den Pfusch auf deutschen Straßen?Zeller: Das ist die Politik, und das sind die Betonköpfe in der Verwaltung. Allerdings befürchte ich für den Fall, dass wir Recht bekommen, dass das schwächste Glied in der Kette – der Schreiner, den seine Vorgesetzten die Straße freigeben ließen – die meisten Prügel abbekommt.

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