Bitumenflickerei (Archivversion) Sudelfeld

Anwohner wollten die Sudelfeldstrecke für Motorradfahrer sperren lassen. Das klappte nicht. Alsdann wurde übel mit Bitumen hantiert – um die »Krawallmacher« fern zu halten?

Von MOTORRAD über die Bitumenschmierereien am Wendelstein informiert (siehe Heft 4/2003), düste der bayrische Landtagsabgeordnete Ludwig Wörner, SPD, mit seiner BMW K 1200 vor Ort. »Lebensgefährlich«, urteilte er, schrieb sofort einen Brief an den zuständigen Staatssekretär Hermann Regensburger. »Lösen Sie dieses Problem.« Bevor es schlimme Unfälle, den ersten Toten gibt.Eine Bitumenflickerei wie so viele andere? Nicht ganz. Denn am Sudelfeld, vermuten viele Motorradfahrer, wird mit dieser fragwürdigen Methode, Fahrbahnoberflächen zu sanieren, Politik gemacht. Indizien dafür gibt es jedenfalls genug. Im August 1998 hatte die »Anliegergemeinschaft Tatzelwurmstraße« versucht, die Sperrung der Sudelfeldstrecke für Motorradler zu erreichen. Erfolglos. Erst müssten alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Und dazu gehören auch Polizeikontrollen. Was dem trinkfesten Einheimischen, der es auch mal eilig hat, gar nicht ins Konzept passt. Konsequenz: »Politisch nicht durchsetzbar«, so der inoffizielle Kommentar bürgernaher Kommunalpolitiker. »Aber wir werden uns was einfallen lassen gegen die Krawallmacher.«Natürlich, sagen die Behörden, ist es reiner Zufall, dass bei der Totalsanierung der Straße ausgerechnet vor dem bei Motorradfahrern besonders beliebten Streckenabschnitt zwischen Café Kotz und Siemenskurve das Geld ausging. Sie wären auch dumm, sagten sie etwas anderes. Es ist schon dumm genug, dass sie behaupten, das Aufschneiden und Vergießen von Rissfugen mit Bitumen ginge voll in Ordnung. Laut Baurichtlinien eignet sich diese Reparaturmethode nämlich nur bei Einzelrissen, meint der Sachverständige Dr. Karl-Heinz Koch. »Treten, wie am Sudelfeld, Risse in größerem Umfang auf und verlaufen sie in Längs- und Querrichtung (siehe Fotos), dann sollte dieses Sanierungsverfahren nicht verwendet werden.« Zumal, wie von MOTORRAD befragte Biker aussagen, eigentlich überhaupt keine Veranlassung bestand, die Straße zu »sanieren«. »Was meinen Sie, warum diese Kurven von einigen Leuten öfter hintereinander befahren wurden? Doch auch deswegen, weil der Grip dort ausgezeichnet war.« Egal, ob durch diese Bitumenpfuscherei, diese unglaubliche Anhäufung von Zufällen Motorradfahrer abgeschreckt werden sollen oder nicht, unbestreitbar ist, dass sie durch diese Maßnahme gefährdet werden. Und zwar nicht nur die »Krawallmacher«, sondern jeder, der diese schöne Landschaft auf zwei Rädern genießen will.

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