Black and White (Archivversion)

Wendover ist ein Kaff im wüsten Nichts Nevadas. Zwischen Tankstellen, Fast Foods, seelenlosen Wohnhäusern und dem industrialisierten Unterhaltungsterror der ewig leuchtenden Kasino­hotels findet sich genau eine echte Kneipe in diesem Nest, die Black and White Bar. Wenn neben dem Salz von Bonneville ein Ort mit der Geschichte der Geschwindigkeits-Rekorde untrennbar verbunden ist, dann dieser. Unter den Speedfreaks gibt es kaum einen, der die Bar nicht kennt.
Wenige große Teams fahren einen Rekord, ohne anschließend ein Foto zu signieren, damit Carmen, die Barfrau, es aufhängt. »Sie kommen nach den Rennen«, sagt sie, »ich koche was, sie trinken Bier.« Gleich neben dem Eingang steht – das ganze Jahr über – ein Weihnachtsbaum, jeden Monat neu dekoriert. An einer Wand hängt in bunten Buchstaben: »Welcome Racers – Bonneville 2007«. Die Klimaanlage wummert und lässt kalte Luft auf den Tresen fallen, wo Shane als einer der letzten späten Gäste sitzt. »Mir sind die Rennfahrer lieber als die Leute, die wir hier sonst in der Stadt haben«, meint er, »Glücksspieler, die von Texas oder Kalifornien einfliegen.« Dann erzählt er, was er in den Rennwochen macht: »Mit Kumpels fahre ich zu den Salt Flats. Da schleppen wir eine Kiste Bier die Berge hoch. Mit Ferngläsern schauen wir, wie sie unten über die Strecke rasen, und wir tippen den Speed. Wer am nächsten dran ist, bekommt den Pott. Und den vertrinken wir im Black and White.“

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