BMW-Mitarbeiter: Ein Tag im Leben des Mark Grashold (Archivversion) Da steppt der (Berliner) Bär

Das BMW-Werk ist mit 2700 Mitarbeitern der fünftgrößte gewerbliche Arbeitgeber Berlins, Tendenz steigend.

Wachstum, Steigerungsraten, Absatzrekorde – und kein Ende in Sicht. Kaum sind die tollen Zahlen vom letzten Jahr verklungen - 90478 nagelneue Motorräder, allen voran die Boxer vom Schlage der R 1150 R oder GS –, da schneiden sich die BMWler ein noch größeres Stück aus dem Marktkuchen: sage und schreibe 19,3 Prozent Marktanteil bei den bundesdeutschen Neuzulassungen der Monate Januar und Februar 2002. Macht 3045 Maschinen und 40,4 Prozent plus im Vergleich zum Vorjahr. Auf den Spuren des Erfolgs der bayerischen Marke führt kein Weg am Werk in Berlin-Spandau vorbei. Dort, beim Anblick der denkmalgeschützten Hallen aus rotem Backstein, wird sogleich ein Element des Erfolgs sichtbar: die enge Verbindung von Tradition und Moderne, auf die so viele BMW-Fahrer schwören. Noch heute beherbergen die tadellos restaurierten Bauten Teile der Motorradproduktion, doch drinnen ist von verblichener Industrieromantik nun wirklich keine Spur mehr zu erkennen.In einer dieser Hallen ist die mechanische Fertigung untergebracht. Gerade sind Spezialisten eines schwäbischen Werkzeugmaschinenbauers dabei, zwölf hochmoderne Bearbeitungszentren für Motorenteile zu installieren. Die neuen Maschinen arbeiten flexibler: »Dank ihres Linearmotorantriebs lassen sie sich wesentlich leichter und in viel kürzerer Zeit auf die Bearbeitung neuer Bauteile einrichten«, erklärt der Leiter der mechanischen Fertigung Roland Lüthen. »Unsere Kernkompetenz umfasst die Bauteile Kurbelwelle, Pleuel, Zylinderkopf, Kurbelgehäuse und Nockenwelle«, fährt der Ingenieur fort. Die Rohlinge werden von Fremdfirmen zugeliefert, nur die Gehäusehälften stammen aus einem BMW-eigenen Gießereibetrieb in der Nähe von München.Für die Verbesserung der Fertigung dieser Motorbauteile scheut man auch erheblichen finanziellen Aufwand nicht. Hierfür und für ein neues 16 000 Quadratmeter großes Produktionsgebäude, dessen Richtfest im Februar gefeiert wurde, will BMW 117 Millionen Euro investieren. Auch die Erweiterung der Motorradmontage und eine neue Lackieranlage scheinen demnächst dringend notwendig zu sein, denn Motorradchef Marco v. Maltzan ist sich sicher: »100 000 Motorräder pro Jahr sind keine Utopie mehr.«Die mechanische Fertigung, die auch Rahmenteile umfasst, gehört zu den beiden internen Lieferanten des Motorradwerks. Der zweite ist die Motorenfertigung, in der 50 Mitarbeiter im Zweischichtbetrieb Boxermotoren zusammenbauen. Eine Stunde dauert es, bis ein Zweizylinder fertig ist, alle sechs Minuten verlässt solch ein Triebwerk derzeit das Band. Die Montage des Vierzylinder-Reihenmotors, hier arbeiten etwa 30 Mann, dauert erheblich länger: zwischen zwei und drei Stunden, während der Einzylinder der F 650 nach wie vor von Rotax kommt.Schließlich entstehen in der Beletage der Motorradmontage die kompletten Maschinen. 90 Mitarbeiter schaffen an der gesamten Boxer-Modellpalette, während auf einem weiteren Band die Modelle K 1200 RS und K 1200 RT sowie weitere Boxer entstehen, von lediglich 35 Mitarbeitern montiert. Im Parterre laufen die Einzylinder vom Band. Dank des Fördersystems mit einem Montagehaken, intern C-Haken genannt, das den Transport der aufzubauenden Motorräder besorgt, braucht sich kein Arbeiter mehr zu bücken. Das Gerät lässt sich nämlich nicht nur um 360 Grad drehen, sondern ist auch in der Höhe verstellbar, beim Anbau der Fußrasten kommt das besonders genehm. Wegen der saisonalen Schwankungen bei der Motorradnachfrage hat BMW in Berlin bereits seit Jahren ein raffiniertes Arbeitszeitmodell eingeführt. So produzieren in der ersten Jahreshälfte Lackiererei und mechanische Fertigung im Vierschichtbetrieb an sechs, im Herbst an fünf Tagen, jeweils ein Team nimmt eine Woche Freizeitausgleich. Die Motorradmontage schafft zweischichtig in der ersten Jahreshälfte ebenfalls an sechs, in der zweiten an vier Tagen. Der Lohn für die zu 97 Prozent aus Facharbeitern bestehenden Mannschaft liege, sagt BMW, deutlich über Tarif.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote