BMW R 1200 GS Rallye Die Schotter-Gang

GS, oder, ganz früher: G/S, steht für "Gelände und Straße". Dieses Versprechen erfüllen die hier gezeigten BMW-Modelle mit recht unterschiedlichen Schwerpunkten. Die BMW R 1200 GS Rallye kostet 1650 Euro mehr als die Basis-GS und bringt Extras für 1723 Euro mit. Ein guter Deal?

Foto: BMW
BMW R 1200 GS Rallye
BMW R 1200 GS Rallye

„Topseller“ sagt im Prinzip schon alles: Seit Jahren ist die BMW R 1200 GS das meistverkaufte Motorrad Deutschlands. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Sie ist in jeder Umgebung zuhause; Autobahn, Landstraße, Serpentinen oder Schotterpässe - häufig setzt der Fahrer das Limit, nicht das Fahrzeug. Angesichts solcher Voraussetzungen fällt es schwer, mit leichter Modellpflege das Kundeninteresse wach zu halten. BMW hat dazu das Sondermodell „Rallye” entwickelt.

Es lockt mit einem roten Rahmen, eigenständigem Dekor und umfangreicher Ausstattung, die normalerweise Aufpreis kostet: Bordcomputer (146 Euro), Kofferhalter (152 Euro), Heizgriffe (197 Euro), Handprotektoren (76 Euro) und das Enduro-ESA (687 Euro) sind immer mit von der Partie, ebenso ein verchromter Auspuff (101 Euro) und Drahtspeichenräder (364 Euro). Für das Antiblockiersystem verlangt BMW auch bei der Rallye-GS 1090 Euro Aufpreis - der so gut wie immer gezahlt wird. Warum überhaupt noch Geh-Essen ohne ABS gebaut werden? Möglicherweise weil die Bayern-Kuh auch südlich der Alpen sehr beliebt ist und dem-zufolge ordentlich Geld in die weiß-blauen Kassen spült. Allerdings ist ABS in Italien als Angsthasen-Technik verschrieen und wird deshalb wenig bis gar nicht gekauft. Sei’s drum: Auch wenn eine Triumph Tiger Explorer das bessere Reisemotorrad, eine Ducati Multistrada das fetzigere Landstraßengerät und eine KTM 990 Adventure offroadtauglicher ist, bleibt die GS, erst recht als Rallye-Variante, in der Summe aller Vorzüge über-legen. Ob man so ein Breitband-Motorrad will, darf zum Glück jeder selbst entscheiden.

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Foto: jkuenstle.de

Aufgefallen

Positiv

● Kerniger Boxermotor
● Große und praktische Koffer gegen Aufpreis
● Elektronische Fahrwerks-einstellung sehr praxisgerecht
● Langstreckentaugliche Ergonomie, auch für den Sozius
● Genügsamer Verbrauch

Negativ
● Hoher Preis
● Boxermotor ist und bleibt Geschmackssache
● Erstbereifung nicht optimal

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Foto: Hersteller
Motorrad-Neuheiten 2012: BMW R 1200 GS Rallye
Motorrad-Neuheiten 2012: BMW R 1200 GS Rallye

Abschluss-Zeugnis

In der Stadt
Unglaublich, wie wendig fünf Zentner Motorrad sein können. Der Boxermotor kommt mit den niedrigen Drehzahlen prima zurecht, die Kupplung verlangt angenehm geringe Bedienkräfte. Auch Rück- und Rundumsicht überzeugen; allein die Sitzhöhe kann kleineren Gesellen etwas den Spaß verderben.

Auf der Landstrasse
Einen kürzeren Radstand muss man unter großen Reiseenduros lange suchen. Er, der schmale Vorderreifen und die fantastische Balance mit tiefem Schwerpunkt ergeben ein äußerst handliches Fahrverhalten. Der Telelever vorn sorgt bei harten Bremsmanövern für die nötige Stabilität.

Auf der Autobahn
Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h - ansehnlich, aber keine Heldentat. Im Gegenzug ist dieses Tempo tatsächlich über längere Zeit auszuhalten. Der schmale Schild bietet ordentlichen Windschutz, am moderat breiten Rohrlenker lässt sich die GS auch unter Volllast noch hervorragend dirigieren, ohne zu flattern.

Motor
Souverän, antrittsstark, kernig im Sound und maßvoll im Verbrauch - wer daran herumzunörgeln gedenkt, braucht ein anderes Motorkonzept.

Fahrwerk
Prima austariert, gleichermaßen stabil und wendig. Das ESA ist das Tüpfelchem auf dem i. Nur die Erstbereifung wird bei hohem Tempo zappelig.

Bremsen
Der Telelever vorn macht den Nachlauf beim Bremsen länger statt kürzer. So bleibt die BMW auch bei härtesten Verzögerungen immer stabil.

Ausstattung
Mit Hauptständer, Bordcomputer und ESA ist die Rallye gut ausgestattet, die Aufpreisliste enthält zudem einigen Schick (LED-Blinker) und ABS.

Komfort
Ergonomisch grandios; die langen Federwege schlucken viel Unbill. Viel mehr Komfort ist auf einem Motorrad dieser Gattung schwer zu haben.

Einsteigertauglichkeit
Zwei Punkte dürften Einsteiger von der GS abhalten: Sitzhöhe und Preis. Wer das kompensieren kann, ist mit ihr auch als Neuling super bedient.

Die GS-Familie

Foto: Bilski

BMW G 650 GS

Der Einstieg in die Welt der BMW-Motorräder. Etwas offroadiger ist die Variante Sertão mit Drahtspeichen-rädern (vorn in 21 Zoll) und deutlich längeren Federwegen ausgerüstet.

Leistung 48 PS
Vmax 170 km/h
Zylinder 1
Gewicht vollget. 192 kg
Sitzhöhe 800 mm
Preis 6900 Euro

Foto: Bilski

BMW F 650 GS

Die F 650 GS, hier in der Variante „Sonnengelb”, stapelt tief. In ihr schlägt nämlich ein 798 cm³ großes Zweizylinder-Herz. Vorsicht beim Stöbern in Gebraucht-Börsen: Bis Baujahr 2007 war die F 650 GS ein Einzylinder-Motorrad ähnlich der jetzigen G 650 G.

Leistung 71 PS
Vmax 185 km/h
Zylinder 2, R
Gewicht vollget. 199 kg
Sitzhöhe 820 mm
Preis 8100 Euro

Foto: Hersteller

BMW F 800 GS

Die F 800 GS ist die goldene Mitte der BMW-Enduros: nicht zu schwer und dank 21-Zoll-Vorderrad ziemlich geländetauglich, dabei aber auch kräftig genug für zügige Autobahnetappe.

Leistung 85 PS
Vmax >200 km/h
Zylinder 2, R
Gewicht vollget. 207 kg
Sitzhöhe 880 mm
Preis 10 150 Euro

Foto: jkuenstle.de

BMW R 1200 GS

Der Dauerbrenner mit Weltreisetauglichkeitsversprechen. Die spartanisch ausgestattete Basis-Version kauft kaum jemand, ESA und ABS sind Pflicht-Zubehör. Wer ganz sicher nie abseits befestigter Straßen unterwegs sein wird, kann auch zur voll-verkleideten R 1200 RT greifen.

Leistung 110 PS
Vmax 215 km/h
Zylinder 2, B
Gewicht vollget. 229 kg
Sitzhöhe 870-890 mm
Preis 13 300 Euro

Foto: BMW

BMW R 1200 GS Adventure

Overkill oder Konsequenz? Je 20 mm mehr Federweg, 33-Liter-Tank, Sturzbügel und Protektoren, dazu 20 mm mehr Sitzhöhe und ein 27 kg höheres Gewicht adeln die Adventure zum ultimativen Offroad-Reisemotorrad.

Leistung 110 PS
Vmax 215 km/h
Zylinder X
Gewicht vollget. 256 kg
Sitzhöhe 890-910 mm
Preis 14 900 Euro

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