Bremsdosierung

Ein kurzer Bremsweg ist zweifellos ein entscheidendes Sicherheitskriterium. Daher wird eine gute Verzögerung mit maximal 30 Punkten honoriert. Jede Bremsmessung ist allerdings ein synthetischer, vom Tester genau kalkulierbarer Versuch. Das bedeutet, dass er sich auf die jeweilige Situation, also Motorrad, Reifengrip, Fahrbahnbeschaffenheit et cetera einstellen kann. In der Praxis passiert ein Bremsmanöver hingegen oft urplötzlich, dann fällt das exakte Bremsen entlang der Schlupfgrenze viel schwerer, hohe Verzögerungen um 10 m/s sind kaum zu schaffen. In solchen Situationen spielt die Dosierbarkeit eine ganz entscheidende Rolle, daher wird sie von MOTORRAD mit der gleichen Gewichtung wie die Verzögerung bewertet. Schlechte Bremsen lassen den Fahrer völlig im Unklaren, ob das Vorderrad noch haftet oder bereits zu blockieren beginnt. Gute Bremsen geben ein glasklares Feedback, dem Piloten gelingen selbst unter erschwerten Bedingungen ordentliche Verzögerungswerte. Die Bremswirkung sollte proportional zu den Betätigungskräften steigen, bei progressiver Wirkung fällt die Dosierung im Grenzbereich schwer. Weitere Mängel können nicht klar definierte oder gar wandernde Druckpunkte sein, auch die unterschiedliche Wirkung zwischen heißer und kalter Bremse ist nicht gerade hilfreich. Der Schwerpunkt der Beurteilung liegt naturgemäß auf der vorderen Bremse, die aufgrund der dynamischen Radlastverlagerung den weitaus größten Teil der Verzögerung übertragen kann. Rennbremsen dürfen gern extrem bissig zupacken, im Straßenverkehr sind solche Stopper mitunter zu viel des Guten, man denke nur an Schrecksituationen bei ,nasser Straße. Deshalb gibt es für die auf Rennpisten hervorragende Bremsanlage der Factory einen Abzug, mit 25 Punkten bekommt sie aber immer noch eine gute Bewertung.

Der Top-Test zur Aprilia RSV 1000 Factory aus MOTORRAD 20/2003 ist als Download zum Preis von zwei Euro verfügbar.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote