Bremsenwartung: Belag- und Flüssigkeitswechsel (Archivversion) Bremsbeläge wechseln

Die Arbeitsschritte bei einer modernen Vierkolben-Bremsanlage mit Festsattel

Wenn die als Verschleißmarkierung dienenden Nuten der Bremsbeläge beim Routinecheck nicht mehr zu erkennen sind, wird es höchste Zeit für den Austausch der Reibplatten. Hierzu werden zuerst die Haltestifte der Bremsbeläge gelockert (sofern sie, wie hier, verschraubt sind) und die Befestigungsschrauben des Bremssattels gelöst. Nun wird dieser von Hand leicht gegen die Bremsscheibe gepresst, damit die Kolben der Außenseite ein wenig zurück gedrückt werden; der Sattel lässt sich so leichter von der Scheibe abnehmen. Danach werden die Haltestifte vollständig herausgeschraubt und zusammen mit dem Federblech abgenommen. Die Beläge sind nun lose und können ebenfalls herausgezogen werden. Anschließend wird die Bremszange mit einer kleinen Messing- oder Kunststoffbürste gründlich von festgebackenem Bremsstaub und Schmutz befreit. Für die Bremskolben nimmt man besser einen weichen Lappen, um Riefen oder Kratzer im Kolben zu vermeiden. Niemals verdreckte Kolben in die Zangen zurückdrücken, der Schmutz könnte die Dichtungen beschädigen. Ergibt die Sichtkontrolle keine feuchten Stellen, die auf schadhafte Dichtungen hinweisen, können nun die Kolben in ihre Ausgangsstellung in den Sattel gestemmt werden, damit die neuen und dickeren Beläge Platz haben. Die verschlissenen Beläge werden erneut in die Zange eingesetzt und mit einem großen Schraubendreher auseinandergedrückt. So verteilt sich die Kraft gleichmäßig auf die vier Kolben, ohne Gefahr zu laufen, dass diese verkanten oder beschädigt werden. Wenn zwischenzeitlich Bremsflüssigkeit nachgefüllt wurde, um das durch den Verschleiß der Beläge bedingte Absinken des Flüssigkeitsstandes auszugleichen, muss unter Umständen vor diesem Schritt mit einer Saugflasche oder Einwegspritze erst etwas Bremsflüssigkeit aus dem Vorratsbehälter abgesaugt werden. Vor dem Einbau werden die neuen Beläge auf der Rückseite dünn mit Kupferpaste bestrichen, die jedoch keinesfalls auf die Vorderseite der Beläge gelangen darf. Nun schiebt man die Klötze mit den Belagseiten zueinander in den Sattel und fixiert sie mit einem Führungsstift. An diesem wird das Federblech eingehängt und zur Montage des zweiten Stiftes niedergedrückt. Zum Aufsetzen des Sattels auf der Scheibe werden die Beläge so weit nach außen gedrückt, dass die Scheibe dazwischen passt. Sollten sich die Kolben wieder etwas aus der Grundstellung bewegt haben, werden sie vorsichtig mit einem Holzstab zurückgedrückt, um die neuen Beläge nicht zu beschädigen. Passt der Sattel schließlich, werden die Befestigungsschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment (siehe Handbuch) angezogen, ebenso die beiden Führungsstifte. Mit einigen Pumpbewegungen wird die Funktion überprüft. Zuletzt muss der Flüssigkeitsstand im Vorratsbehälter kontrolliert werden, der sich bei neuen Belägen an der Markierung MAX befinden sollte. Gegebenenfalls muss aufgefüllt oder abgesaugt werden. Vor dem Anbringen des Deckels noch kontrollieren, ob die Gummimembran korrekt zusammengefaltet ist.

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