Bremsleistung (Archivversion)

Wo ist die Belastung für eine Bremsanlage höher – auf der Rennstrecke oder beim Pässebolzen in den Alpen? Und welche Komponente des Bremssystems kommt als erstes an ihre Grenzen?

Dipl.-Ing. Ruediger Kohlmetz, Gustav Magenwirth
GmbH & Co.KG, Marktbereichsleiter Controls,
www.magura.com
Bei Passabfahrt und Rennstrecke sind die Belastungen
für das Bremssystem extrem hoch, allerdings unterscheidet sich die Art der Beanspruchung ganz grundsätzlich von-
einander. Bei der Passabfahrt wird zwischen den Kehren (Bremsphasen) immer wieder beschleunigt, ohne besonders hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Dadurch fehlt die
nötige Kühlung, wodurch das Hydrauliksystem thermisch enorm belastet wird. Die Hangabtriebskraft verstärkt diesen Effekt aufgrund der höheren benötigten Bremsleistung. Ebenfalls negativen Einfluss üben die mittlerweile zum Standard gewordenen Sintermetallbeläge aus, die eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit
aufweisen und dadurch die Temperaturen in der Bremszange und somit auch
im Hydrauliksystem weiter ansteigen lassen. Früher oder später überhitzt die Bremsflüssigkeit, und es kommt zu gefährlichem Fading: Der Druckpunkt am Bremshebel wandert zum Griff, und die Bremswirkung lässt trotz zunehmender Handkräfte stark nach.
Auf der Rennstrecke sind die Spitzenbelastungen von Bremsscheiben und Be-
lägen deutlich höher als beim Pässebolzen, da aus viel höheren Geschwindigkeiten verzögert wird. Die sorgen gleichzeitig für eine wesentlich effektivere Kühlung zwischen den Bremszyklen. Dennoch kommt es mit zunehmender Renndauer auch hier zu einer Erwärmung des gesamten Bremssystems und in letzter Konsequenz zur Überhitzung der Bremsflüssigkeit mit den genannten Auswirkungen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote