Brennpunkt (Archivversion) Hoffen und bangen

Das Drama um die entführten Saharatouristen nimmt kein Ende. Immer neue Meldungen lassen hoffen -und bangen zugleich. Zudem bieten sie leider viel Stoff für wilde Spekulationen.

Nachdem erst seit kurzem die algerischen Pisten für Touristen wieder befahrbar waren, bedeutet die Entführung einen herben Rückschlag für alle Fans eines der schönsten Gebiete der Sahara. Nach Angaben der algerischen Regierung sind die vermissten 31 Touristen am Leben und werden von bewaffneten Rebellen als Geiseln gehalten. Des weiteren wurde aus Regierungskreisen mitgeteilt, dass es bereits Kontakt zu den Geiselnehmern gebe. Um welche Gruppe es sich dabei handelt, darüber will die Regierung keine Angaben machen.Unter den Entführten ist Rainer Bracht, für MOTORRAD-Leser kein Unbekannter. Zuletzt hatte der Kenner des Kontinents von einer dreimonatigen Tour durch Westafrika berichtet (MOTORRAD 26/2002) und geschrieben, dass er sich besonders in den Wüstenstaaten wie zu Hause fühle. Seit dem Verschwinden – von Rainer fehlt seit dem 22. Februar 2003 jede Spur – kursieren zahlreiche Spekulationen in den Medien sowie im Internetforum www.sahara-info.ch. und lassen die Angehörigen der Vermissten schier verzweifeln.Die französische Zeitung »Le Monde« zitierte vor einigen Tagen einen Vertreter der algerischen Armee, der wissen will, die islamische Terrorgruppe GSPC habe die Touristen entführt. Diese würden westlich der Stadt Illizi festgehalten. Eine Meldung, die auch in einigen algerischen Medien auftauchte. Dagegen berichtete der französische Radiosender RFI, dass es sich bei den Entführern um eine Schmugglerbande handle, die mittlerweile ein hohes Lösegeld gefordert hätte. Das algerische Militär ist im Süden des Landes mit Suchflugzeugen und Tausenden von Soldaten im Einsatz. Es fällt schwer, die Lust am Reisen zu behalten. In den Nahen Osten traut sich seit dem Krieg im Irak kaum jemand. Gleiches gilt im Moment für das SARS-geplagte China und Südostasien. Und nun ist mit Algerien neben dem vom Bürgerkrieg geplagten Zentralafrika ein weiterer Teil des Schwarzen Kontinents erst mal tabu. Wird man je wieder durch die algerische Sahara reisen können? Der Wüstenkenner und Motorrad-Reiseveranstalter Christoph del Bondio hält die gleiche Entwicklung wie in Libyen für wahrscheinlich: keine Reise ohne staatlichen Führer. Dabei spielen hinter dem Argument der Sicherheit sicherlich finanzielle Interessen eine Rolle: Laut einem Artikel in dem österreichischen Nachrichtenmagazin »News« bedauere der algerische Tourismusverband Unata in einem Schreiben zwar das Verschwinden der in ihren Augen ungeliebten Individualtouristen, die kein Geld ins Land brächten, Dünen platt walzen und ihren Müll liegen lassen würden; doch mit algerischen Führern wären sie nicht entführt worden. Egal, was passiert ist und passieren wird – die Redaktion MOTORRAD hofft auf ein unblutiges und baldiges Ende der Geiselnahme.

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