Brösels Satte Literschüssel (Archivversion) Auf der Achterbahn nachts um halb eins

Boss Brösel wollte das Moped zum Film. Ließ es also bauen und schickte die Maschine alsdann in die Umlaufbahn. Um sein neues celluloidenes Werner-Opus gar trefflich zu promoten.

Wie die Zeiten sich ändern. Für den Kommerz ist Ex-Anarcho-Strichler Brösel jetzt selbst zuständig. In der Chefetage des von ihm gegründeten Achterbahn-Verlags. Da bleibt keine Muße mehr, selbst Hand anzulegen. Am Motorrad zum Film beispielsweise. Der Meister lässt schrauben. Nach seinen eigenen genialen Entwürfen, versteht sich. »Als Bauplan stand lediglich eine Schwarzweiß-Zeichnung im Plakatformat zur Verfügung«, grient Motorenspezialist Rainer Traupel, genannt Düse. Sein Auftrag: Fabrizier einen brachialen Einzylinder mit dem Hubraum eines Traktors und dem Charme eines Potpourris vom Schrottplatz - die satte Literschüssel eben, auf der Werner im Celluloid-Opus »Volles Rooäää!!!« über platte Lande kesselt. Sieht echt easy aus. Doch die Realität hat, wie so oft, mit dem Kino verdammt wenig gemein. »Im Grunde ist das Teil kaum zu fahren«, gesteht Düse. Aber es macht schon im Stehen Eindruck. Des infernalischen Getöses wegen, das der 1440 cm³ trächtige Eintopf gebiert. »Leicht langhubig ausgelegt«, mehr verrät der Meister nicht. Heißt nach Adam Riese: Läuft alles auf 12 mal 13 Zentimeter für Bohrung und Hub hinaus. Lässt sich sogar antreten, das Trumm. Zwei, drei Mal kräftig drauf, und dann rüttelt’s, vibriert’s, brüllt’s. Okay, kleine Macken gehören zu so einer epochalen Neuentwicklung wie Bölkstoff zu Werner. An der Vergaser-Problematik tüftelt Düse nämlich noch. »Der zieht noch nicht so richtig mit. Iss ‘n Unterdruckvergaser, übrigens Marke Levinski.« Wie bitte? »Draufsetzen!« befiehlt Düse. Alles klar. Der Ansaugtrichter setzt genau zwischen den Beinen des Fahrers an. Kaum fahrbar und dennoch Fahrspaß. Da freut sich Düse. Der allerdings sofort seine gute Laune verliert, wenn irgendein Banause seine Neukonstruktion - übrigens nicht die erste: MOTORRAD präsentierte seinen V2 (Heft 12/1997) - als umgebauten Traktormotor der Kultmarke Deutz verkennt. »Da fand nur ein alter Zylinder Verwendung, und der wurde so weit bearbeitet, dass ein neuer Schmiedekolben reinpasst. Kaum mehr als die Kühlrippem sind da übrig geblieben.« Düse echauffiert sich: »Das Ding ist Baujahr 1999.«Was sich vom freischwingend am Zylinderkopf angebrachten Sattel nicht behaupten lässt. Der entpuppt sich als Kohleschaufel eines nicht mehr zu identifizierenden Jahrgangs. Aber dem Dohc-Kopf muten Düse und Brösels Fahrwerksspezialisten Timm Kröger und Andy Feltmann, der Bruder des nordlichternden Comicers, der als Rötger Feltmann den Leuchtturm der Welt erblickte, noch weitere tragende Rollen zu. Vorn nimmt er den Lenkkopf auf, was ihn nicht hindert, noch das hintere Rahmenheck zu verkraften. Vibrieren muss der Koloss freilich mit der Tatsache, dass es ihn jetzt tausendfach gibt. Auf Zwergenmaß geschrumpft. Als Modellbausatz von Revell - die grandiose Holzgabel schnöde plastifiziert. Mit Merchandising - dem Modewort für alles, was früher Krimskrams hieß - macht Brösel prächtig Kohle. So viel, vermutete »Der Spiegel«, dass der Film ruhig floppen dürfe. Er habe sich schon vor dem Kinostart am 16. September gelohnt.

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