BU: Dr. Helmut Hilz hütet die Frühgeschichte von »Das Motorrad“ (Archivversion) Es gab 1903 rund 2000 Motorräder

Im Deutschen Museum befinden sich die ältesten Jahrgänge von »Das Motorrad«. Im Gespräch der Leiter der dortigen Bilbliothek, Dr. Helmut Hilz.

? Die erste Ausgabe von »Das Motorrad« (Ende 1903) fällt in eine Zeit großer Technikbegeisterung. Trotzdem: War es nicht etwas wagemutig, eine Zeitschrift ausschließlich für Motorradfahrer herauszubringen? Wie hoch darf denn der damalige Bestand an Motorrädern in Deutschland geschätzt werden?Ja, es war sogar sehr wagemutig. Die Zahl der Motorradfahrer war noch klein, und sicherlich die wenigsten wollten eine Spezialzeitschrift abonnieren. Es gab 1903 in Deutschland rund 2000 Motorräder. Verglichen mit Frankreich lief die Motorisierung in Deutschland schleppend an, dort waren es im selben Jahr schon fast 20000 Motorräder.? In den ersten Ausgaben von »Das Motorrad« ist viel von politischen Widerständen gegen Automobile und Motorräder zu lesen. Welcher Art waren diese Widerstände?Die Bevölkerung befürchtete wegen des zunehmenden Kraftverkehrs eine steigende Zahl von Unfällen sowie – nach heutigem Sprachgebrauch – steigende Umweltbelastungen durch Gestank, Lärm und Staub. Viele Widerstände hatten jedoch auch soziale Ursachen, da sich Autos, aber auch Motorräder damals nur wenige leisten konnten. Unabhängig von der Sozialzugehörigkeit wurde aber allgemein die Verdrängung des Fußgängers von der Straße kritisiert. Die Formen des Widerstands waren vielfältig, zum Beispiel gab es Anschläge mit Drahtseilen, in die sich die Autos und Motorräder verfingen.? Wie umfangreich war die technische Publizistik um 1903, und waren alle Zeitschriften so an Verbänden und Organisationen orientiert wie »Das Motorrad«?Die ersten technischen Publikumszeitschriften entstehen um die Jahrhundertwende, die Zeitschrift »Das Motorrad« gehört also zu den ganz frühen Vertreterinnen dieses Genres. Viele Zeitschriften waren an Verbänden orientiert, da diese die Finanzierung sicherten. Die bedeutendste wissenschaftliche technische Zeitschrift Deutschlands, die »Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure«, war ebenfalls eine Vereinszeitschrift.? Wie haben wir uns die Leserschaft dieser Publikationen vorzustellen? Waren es eher technisch versierte Leser, oder gab es damals schon Zeitschriften, die sich ausdrücklich an breite Leserschichten wandten?Zeitschriften wie »Das Motorrad« versuchten, ein breites Publikum zu erreichen. Ein typisches Kennzeichen dafür sind die bereits in Nummer 1 enthaltenen Reiseberichte. Die Auflagenzahlen lassen sich im Einzelnen nicht nachvollziehen, dürften aber bei etwa 500 bis 750 gelegen haben. Typischerweise handelte es sich um kleinere Verlage. Die großen Verlage wie Springer oder Oldenbourg verlegten ausschließlich wissenschaftliche Zeitschriften.? Ab wann hatten sich Zeitschriften mit dem Thema Auto, Motorrad, Verkehr etabliert? Der Erste Weltkrieg brachte dem Kraftverkehr den Durchbruch. Nach 1918 haben sich deshalb auch die Publikumszeitschriften für motorisierte Verkehrsmittel am Markt etabliert.

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