Castiglioni, Claudio: Interview (Archivversion) Stand der Dinge

Claudio Castiglioni, 56, und sein Bruder Gianfranco, 61, kauften 1978 das Aermacchi-Harley-Davidson-Werk in Varese/Lombardei und gründeten ihre eigene Motorradmarke: Cagiva. 1985 übernahmen sie die Marke Ducati, ein Jahr später Husqvarna. Ein neues italienisches Zweirad-Imperium schien zu entstehen. Die Castiglionis bauten wunderbare Motorräder, doch das Geld zerrann ihnen zwischen den Fingern. 1996 mussten sie Ducati verkaufen, kurz darauf zog sich Gianfranco aus dem Motorradgeschäft zurück. Blieb der notorische Charismatiker Claudio, der es immer wieder schaffte, Italiens beste Ingenieure und Designer um sich zu vereinen. 1997 erwarb er den Markennamen MV Agusta und präsentierte 1998 den Vierzylinder F4. Doch wieder ging ihm das Geld aus. Fast zwei Jahre lang verhandelte Castiglioni über eine Kooperation mit dem Rollerriesen Piaggio, der Husqvarna übernehmen und die aktuellen Cagiva-Modelle unter dem Namen der Piaggio-Tochter Gilera vertreiben wollte, und zwar mit Motoren, die Piaggio bereits selbst entwickelt hatte. Weil dem Rollerhersteller allerdings plötzlich klamm war, scheiterte das Projekt.Indessen fand Castiglioni einen Weg aus der Finanzkrise, der ihm zumindest eine Atempause verschafft: Beim zuständigen Gericht in Varese beantragte er für die MV-Gruppe eine Art Verwaltungskontrolle – eines der italienischen Schlupflöcher, um einen drohenden Konkurs abzuwenden. Dabei werden die Schulden (die sich auf rund 250 Millionen Euro belaufen sollen) für zwei Jahre eingefroren. Hinzu kamen von einer 25 Millionen Euro einer Gläubigerbank, mit denen die Produktion nun wieder läuft. 23000 Motorräder sollen noch in diesem Jahr vom Band laufen, rund zwei Drittel davon Husqvara.

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