Clubporträt (Archivversion)

Bitte melde Dich

Wer Partner für die große Tour oder den kleinen Ausritt sucht, braucht nicht extra Jörg Wontorra zu bemühen. Die Motorrad-IG kann das besser, weil dort statt Tränen die Räder rollen.

»Pröstaken« heißt es im Revier, zwischen Dortmund und Duisburg, zwischen alten Abraumhalden und moderner High-Tech, wenn das Pils fließt in einer der ungezählten Trinkgemeinschaften. Es wird über Fußball und Politik gefachsimpelt. Wenn der Mühlheimer Stammtisch der Motorrad-IG die Gläser hebt, dann mindestens genauso fröhlich, aber schon mal mit Cola. Auch hier redet man sich die Köpfe heiß, es wird gelacht und gestritten. Nur nicht über Fußball und Politik. Es geht ums Motorrad. Freilich nicht ausschließlich, doch das gemeinsame Hobby eint und ist Thema, egal ob die Anfahrt auf einer BMW R 1100 RT erfolgte oder einer Yamaha R1. Man hat sich gesucht und gefunden.Ganz ohne fremde Hilfe ging das freilich nicht. Den katalytischen Part bei der Sache übernahm der Oberhausener Michael Tetsch. Der hatte es nämlich vor rund sechs Jahren endgültig dicke. Immer, wenn er zur Tour starten oder einfach nur um den Pudding heizen wollte, hatte niemand seiner motorradfahrenden Kollegen Zeit. Da der ZX-9R-Fahrer ansonsten im Freundeskreis wohlgelitten war, schloß er, daß es weder an seinen Ausdünstungen noch an seinem Wesen liegen könne. Also machte er sich per Inserat unter dem Stichwort »Motorrad-IG« auf die Suche nach Leidensgenossen, die ihre unfreiwillige zweirädrige Einsiedelei ebenso satt hatten. Das erstaunliche Ergebnis: die heutige IG, mittlerweile 187 Mitglieder stark, die alle nur das eine wollen - Motorrad fahren, und zwar nicht allein. Egal ob Stammtischplaudereien, Wochenendfahrten quer durch die Republik, längere Urlaubstrips oder eben jenen kurzen Dates, die Tetsch eigentlich im Sinn gehabt hatte - die IG machts möglich. Und zwar ohne irgendeinen Kostümierungszwang, eine bestimmte Marke, ein spezielles Modell oder ein schlammiges Aufnahmeritual. Es geht nicht um Kult oder Status, um Member oder Nichtmember, es zählt nur die Feinmotorik: die richtige Nummer wählen, verabreden, dabeisein. Wer mit wem fährt, wie lange oder intensiv, bleibt jedem selbst überlassen.»Die Grundidee der Motorrad-IG war eine Adressenliste«, beschreibt Tetsch die bescheidenen Anfänge. Das Konzept: Auf dem kurzen Dienstweg per Telefon oder Internet spontan Mitfahrer finden. Die zwangsläufige Bedingung: regionale Nähe, zumindest, wenn es um den kurzen Ausritt nach Feierabend geht. So kommen die meisten IGler aus dem Ruhrgebiet und aus dem angrenzenden Rheinland. Die anderen, die es nicht so nah haben, sind aber auf jeden Fall bei größeren Events - wie zum Beispiel dem geplanten Sauerland-Wochenende vom 21. bis 23. August - regelmäßig dabei.Mit Anwachsen der Liste stieg auch die Zahl dieser zusätzlichen Aktivitäten. »Das bedeutete natürlich einen immensen organisatorischen Aufwand«, sagt einer, der es wissen muß. Frank Ladwig, im zivilien Leben Vollstreckungsbeamter in Solingen, fackelte auch hier nicht lange und griff dem inzwischen überforderten Tetsch unter die Arme. Der 37jährige kümmert sich nun um die »täglichen fünf bis sechs Anfragen«, die im Gefolge von regelmäßigen Inseraten in der Fachpresse auflaufen.Daß viele nicht nur fragen, sondern »rund 30 Prozent«, so Ladwig, » gleich mitmachen«, liegt wohl auch an dem geringen Obolus: Für 40 Mark im Jahr, da sind sich Tetsch und Ladwig einig, werde allerhand geboten, wobei die beiden Organisatoren auch auf die Eigeninitiative der Unternehmungslustigen setzen. »Wer an unseren Veranstaltungen teilnimmt, sollte bereit sein, sich einzubringen.« Im Klartext: Wer bei IG-Wochenenden oder Urlaubstrips (die von den Mitgliedern selbst geplant und vorbereitet werden) dabeisein möchte, ist gehalten, seinen Teil zum Gelingen beizutragen. Das kann von der Routenplanung bis zum Kartoffelsalat reichen. Ein Rezept, das aufgeht, denn neben dem gemeinsamen Spaß an der Organisation hält das persönliche Engagement auch die Kosten für die Unternehmungen klein.Dieses enge Miteinander trägt zuweilen auch gedeihliche Früchte im zwischenmenschlichen Bereich. Freundschaften entstanden, von Kiel bis München, denn selbst dort hat die IG mittlerweile Mitglieder. Und es wird gar von Fällen berichtet, bei denen IGler zusätzlich EGler wurden, was nichts mit überzeugtem Europäertum zu tun hat. Vielmehr schloß man sich, um die Bindung zu vertiefen, kurzerhand zur »Ehegemeinschaft« zusammen. Derartige Partnervermittlungen hatte Tetsch mit seiner Initiative natürlich nicht im Sinn, erstes Ziel bleibt weiterhin die platonische Verbindung auf zwei Rädern. Und da steigen die Erfolgsaussichten mit jedem zusätzlichen Mitglied. Darum heißt es unter dem Stichwort »Motorrad-IG« auch weiterhin »Bitte melde Dich«. Ganz ohne Pathos und dicke Tränen.
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Daten und Fakten (Archivversion) - Für jeden etwas

Der Vorteil der Motorrad-IG ist das breitgefächerte Angebot. Die Leistungen: Einmal im Quartal gibt es die aktualisierte Mitgliederliste mit Namen, Alter, Wohnort, Motorradtyp, Telefonnummer und - so vorhanden - Internet-Adresse. Dazu kommt einmal im Jahr die Mitgliederzeitung, die Aktivitäten wie Touren oder Wochenendtrips vorstellt, Stammtischtermine ankündigt, Übernachtungstips gibt oder Bikerkneipen und regelmäßige Treffpunkte auflistet.Mit dem Mitgliedsbeitrag wird keine Verpflichtung eingegangen. Wer an einer der Touren (von der Tagestour durchs Münsterland bis zur Schweizrundfahrt) teilnimmt, muß Übernachtungs- und Verpflegungskosten natürlich selbst zahlen. Es besteht keinerlei Altersgrenze oder sonstige Beitrittsbeschränkung (das momentane Mitgliedsalter reicht von 20 bis 63, der Frauenanteil beträgt über 26 Prozent). Austritt ist jederzeit möglich. Interessenten können sich an Michael Tetsch (Telefon/Fax 02 08/84 62 90) oder Frank Ladwig (Telefon 02 12/ 4 25 47) wenden oder ein Email (Motorrad-IG @ t-online.de) schicken. Eine Internet-homepage ist in Vorbereitung (http://www.Motorrad-IG.de)

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