Code, Keith: Porträt (Archivversion) Der bewegte Mann

Keith Code fällt gleich mit der Tür ins Haus: »Ich bin Mitglied von Scientology seit Jahren.« Was soll man da sagen? Sofort das Gespräch abbrechen, weil Mitglieder der Sekte in Deutschland mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht werden? Schwerlich. Der Mann strahlt etwas Positives aus, hat eine offene, ehrliche Art. Haut gleich noch einen Pflock in den Boden: »Ich hatte früher ein ziemlich chaotisches Leben, habe Drogen genommen, wurde süchtig. Ich wusste nicht mehr weiter.« Er erzählt von seiner Ziellosigkeit, von dem nicht auffindbaren Sinn des Lebens zu den Zeiten von Flower Power und Free Love. Ein Job als Designer von Schuhen befriedigte ihn nicht, damals in den späten 60ern fuhr er bereits Motorrad. Dann will dem beinahe Gestrandeten ein Licht aufgegangen sein, als er mit der Lehre des Sciontology-Gründers L. Ron Hubbard in Kontakt kam. Fortan ließ er die Finger von Drogen und widmete sich dem Rennfahren. Die Heirat mit Judy 1976, noch heute seine rechte Hand bei allen Aktivitäten der Superbike School, brachte noch mehr Geradlinigkeit ins sein Leben. Keith ist ein Typ, der eine Idee, einmal als richtig erkannt, bis ins kleinste Detail ausforschen möchte, wenn´s sein muss über Jahre. Seine Lebensidee, die den 54-Jährigen bis heute beschäftigt, kam ihn, als er beim Rennen fahren sich und andere Fahrer beobachtete. Manche fuhren eine chaotische Linie, mal da, mal dort. Mal waren sie schnell, mal nicht. Dasselbe stellte er an sich selbst fest. Keine Linie, alles irgendwie zufällig. Er schrieb auf, was er an sich selbst beobachtete, welche Fehler er machte. Als er Anfang der 70er Jahre nach Beendigung seiner ersten Rennfahrerlaufbahn – er startete später zwei weitere Karrieren - begann, andere Amateure zu instruieren, war der Grundstein zu seiner Profession gelegt. Zumal sich der Erfolg alsbald einstellte und einige seiner Schüler amerikanische Straßenmeisterschaften gewannen. »Ich bin nie wirklich so ganz und gar am Rennfahren interessiert gewesen, ich wollte nur fahren«, schrieb er in seinem ersten Buch »A Twist of the wrist« (Der richtige Dreh).Er wollte einfach seine eigenen Fähigkeiten verbessern. Und dadurch zwangsläufig schneller werden. Der Durchbruch kam mit der Gründung der California Superbike School 1980. Und damit, dass ihn Kawasaki bat, Wayne Rainey, der 1983 US-Superbike Champion wurde, zu coachen und ein Jahr lang auf den Rennen zu begleiten. Der wurde bekanntlich später dreimal Weltmeister in der 500er-Klasse. 50000 Schüler hat Keith bis heute mit seiner Mannschaft instruiert, ein moderner Wanderzirkus, der von Rennstrecke zu Rennstrecke tingelt. »Das ist mein Leben«, grinst Keith.

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