Customizer Arlen Ness (Archivversion) Busy Ness

Seit fast 30 Jahren kreiert Arlen Ness irrwitzige Bikes. Jetzt hat´s der Customizer geschafft und zeigt allen, wie man mit kessen Ideen so richtig Flocken macht.

Am Anfang steht immer die Inspiration. Ein genialer Urknall, der sich im Kopf zu einem Motorrad formt. »Wenn ich die Idee für ein Bike habe, weiß ich schon ziemlich genau, wie es aussehen wird«, erklärt Arlen Ness. »Die Details kommen dann wie von selbst.« Der Customizer-Papst aus San Leandro in Kalifornien, einer der bekanntesten und besten Harley-Veredler, baut Motorräder wie aus einem harmonischen Guß. »Natürlich möchte ich, daß alles zusammenpaßt, und ich versuche auch, daß es gut proportioniert aussieht«, sagt Arlen Ness bescheiden. Eines räumt der Meister immerhin ein. »Viele erkennen meine Motorräder auf Anhieb. Obwohl sie alle unterschiedlich sind.« Die üppige, vollverkleidete Smoothness hat auf den ersten Blick gar nichts mit Nesstique, einem spindeldürren Chopper mit eckigem Tank und überlanger Gabel, gemein. Schließlich schwelgt Ness bei Smoothie in sanften Rundungen und einer glatten, schimmernden Aluminium-Karosserie. Doch beide Konzepte sind, ob sie einem nun gefallen oder nicht, in sich stimmig. Bei der Umsetzung seiner Eingebungen legt der Customizer kaum mehr selbst Hand an. Carl Bronhard zeichnet seine Ideen, und Bob Monroe formt seit mehr als 20 Jahren Tanks für Ness. Vom Karosseriebauer bis zum Motortuner arbeiten viele unterschiedliche Handwerker an seinen Bikes. »Ich will immer Sachen machen, die sich von der Mode unterscheiden und neue Trends auslösen. Aber ich habe keine Design-Ausbildung. Und ich glaube, ich sehe die Dinge nur ein bißchen anders als andere Leute.« Kein Zweifel. Obwohl er Motorräder entwirft, nach denen sich jeder umdreht, ist der 56jährige ein zurückhaltender Zeitgenosse geblieben. Vielleicht auch deshalb, weil sein Geschäft nicht über Nacht, sondern langsam, aber stetig wuchs. »Ich hätte mir diesen Erfolg nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen können«, betont er. In den letzten paar Jahren ist der Harley-Zubehörmarkt förmlich explodiert. Seit amerikanische Rechtsanwälte, Ärzte und Geschäftsleute den Rebellen in sich verspüren, Harley fahren cool finden und jede Menge Kohle dafür hinlegen, hat sich der Umsatz von Arlen Ness verzehnfacht. Und das binnen fünf Jahren. Dabei verdient er sein Geld nicht mit den abgefahrenen Prototypen, sondern mit Katalogbestellungen. Denn bei Arlen Ness gibt´s von geriffelten Fußrasten über winzige Spieglein und Tankdeckel mit eingravierten Flämmchen bis zu wulstigen Kotflügeln, langgezogenen Auspuffrohren und ledernen Sitzbrötchen so ziemlich alles, was das Herz eines Harley-Fahrers begehren könnte. Per Post. Auch in Deutschland, wo Ness das größte Umsatzplus im Ausland registriert. Diesen Verkaufserfolg kann auch der Meister nicht so recht erklären: »Ich habe einfach Glück, daß ich schon so lange dabei bin und Motorräder so populär geworden sind.« Angefangen hat der Millionär als Lastwagenfahrer, der auf getunte Schlitten abfuhr und sich 1966 eher durch Zufall seine erste Harley Knucklehead kaufte. Die hat er in seiner Garage neu lackiert. Und auf der East Fourteenth Street in San Leandro, der damaligen Showmeile, vorgeführt: Die Leute standen Kopf. Bald hatte er so viele Aufträge, daß er 1971 seinen ersten Laden eröffnete: »Damals gab´s noch nicht viel Geschäft.« Biker waren eher Außenseiter mit langen Haaren, die an ihre Motorräder nur sich selbst ranließen. Trotzdem landete Arlen Ness seinen ersten Verkaufserfolg: den Ramhorn-Lenker, der wie ein Widderhorn geformt ist. Bereits in den 70ern, als die meisten Customizer auf immer längere Gabeln standen, hatte Arlen Ness ein Faible für Motorräder, die lang und niedrig erscheinen - mit einem oberen Rahmenrohr, das fast horizontal verläuft, und kurzer Gabel. Dafür waren seine Tanks wie Raketen oder Diamanten geformt und mit Blattgold verziert. In den 80ern, für viele Harley-Umbauer ob der Konkurrenz aus originalen Wide Glides und Low Ridern eher schlechte Zeiten, lief´s für Arlen Ness immer ein bißchen besser. Er machte sich an Big Twins - Knuckles, Pans und Shovelheads. Von denen er manche aufbohrte und mit Vorverdichtern von Magnuson mehr Leistung einhauchte. Riesige Kotflügel und Flammendesign - ob auf Tank oder Seitendeckel - kamen in Mode. Und schließlich die verchromten und geriffelten Deckel - den CNC-Dreh- und Fräsmaschinen sei Dank. Derzeit steht Arlen Ness auf Art Deco, Stromlinienformen und Hot Rods. Mit diesen Vorlieben ist er nicht allein. Die Amis hat das Retro-Fieber gepackt. Vielleicht weil sie sich massenweise nach den Zeiten sehnen, als es bloß vorwärtsging. Arlen Ness selbst scheint dagegen vollkommen glücklich, rundum mit sich und der Welt zufrieden. »Ich glaube nicht, daß es besser sein könnte.« Am allerschönsten findet er, daß er mit der ganzen Familie täglich zusammenarbeitet: Gattin Beverly, Tochter Sherry und Sohn Corry. »Wir kommen hervorragend miteinander aus.« Harmonie bestimmt eben nicht nur sein Motorraddesign, sondern auch sein Dasein.Cory Ness trifft inzwischen die meisten Management-Entscheidungen. In einigen Monaten zieht die Firma nach Dublin, USA, um, wo auf knapp 15 000 Quadratmetern ein neuer Laden entsteht. Und Arlen Ness baut inzwischen auch Zubehörteile für die Fans von Honda Shadows in Japan. »Wir haben lange darüber nachgedacht. Schließlich haben wir einen Ruf zu verlieren«, erklärt Cory Ness. Dessen Geschäftssinn siegte. Auch Vater Ness sieht´s gelassen. »Der schmale V-Twin von Harley gefällt mir, weil er zu der Form von Bike paßt, die ich mag. Lang und niedrig. Aber wahrscheinlich gibt´s bessere Motorräder.« Ein Leben ohne Harley-Umbauten kann sich Arlen Ness freilich nicht vorstellen. Ein Leben mit weniger Arbeit schon. Aber erst will er noch Jetski designen und mit der Spielzeugfirma Matell zusammenarbeiten. Er wartet nur noch auf die richtige Inspiration. Arlen Ness, Telefon: 001/510/276 3395, Fax: 001/510/276 3534

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