Das war Bud Ekins (Archivversion) Der große Sprung

Jeder hat ihn schon mal gesehen. Kaum einer weiß es. Bud Ekins war einer der ganz Großen in Hollywood. Einer der großen Unbekannten. Anfang Oktober ist er in Los Angeles gestorben.

Er sprach über den Sprung genau so, wie er ihn gemacht hatte. Ohne viel Aufhebens. Mit einer Triumph springt er vier Meter hoch und 20 Meter weit über einen Stacheldrahtzaun. Es ist eine der spekta­-ku­lärsten Szenen des Films »Gesprengte Ketten« und, immer noch, einer der spek-takulärsten Stunts der Filmgeschichte.
Doch es war nicht Steve McQueen, der gesprungen ist. Es war Bud Ekins. »Steve wollte fahren, war sich aber nicht sicher, ob es klappen könnte, also habe ich es getan.« Ekins nahm den Zaun im ­ersten Anlauf. »Ich bin gesprungen, sie haben’s gefilmt. Das war’s.« So kam er, mit seinem ersten Stunt überhaupt, zu einer Gage von 1000 Dollar und dem Ruf, einer der Besten Hollywoods zu sein.
Ekins und McQueen hatten sich ein Jahr vor den Drehar­-beiten kennengelernt. Anfang der Fünf­ziger verdiente Ekins nicht schlecht, während er für Matchless als einer der ersten Amis überhaupt bei europäischen Motocross-WM-Läufen startete. Mit dem Geld eröff-nete er 1955 einen Triumph-Laden in North Hollywood. McQueen kam 1961 in diesen Laden. Er schleicht eine Zeit lang um die Motorräder rum, dann rückt er damit raus, dass er was kaufen wolle, und ob man nicht vorher mal eine Runde zusammen drehen könnte. Ekins fährt stundenlang mit McQueen durchs San Fernando Valley und die Wüste und verkauft ihm eine Triumph. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, und es entwickelt sich eine enge Freundschaft. Der eher stille Ekins war einer der ganz wenigen, die der launische, exzentrische Star überhaupt an sich ran ließ.
Manche behaupten sogar, dass McQueen erst durch Bud Ekins das Crossen so richtig begriffen habe. Der Produzent Jerry Weintraub meinte: »Fast alle Stars in Los Angeles haben bei ihm gelernt zu fahren. Und wenn jemand eine gute Maschine wollte, ist er auch zu Bud gegangen. Er war eine Ikone.« Paul Newman gehörte zu seinen Kunden, Clint Eastwood, und Warren Beatty, bestätigt Susan Ekins, habe ihr Vater ebenfalls das Fahren beigebracht.
»Mit Motorrädern oder Autos konnte Bud alles«, erinnert sich ein Kollege, »er war ein Perfektionist mit seinen Stunts.« Die machte er, unter anderem in »Cincinnati Kid«, »Diamantenfieber«, »Blues Brothers«. Und »Bullit«. Nachdem McQueen bei der be­rühmt-berüchtigten Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco bereits zwei Autos geschrottet hatte, erledigte Ekins die besonders heiklen Sequenzen im Ford Mustang 390 GT.
1964 begleitet Ekins McQueen nach Erfurt. Zusammen mit Ekins Bruder Dave starten die beiden bei den Internationalen Six Days. Als erstes amerikanisches Team überhaupt, noch dazu hinterm Eisernen Vorhang, hatten sie wenig Glück und schieden am dritten Tag – in Führung liegend – aus. McQueen fiel im wahrsten Sinne auf die Schnauze, Ekins brach sich kurz darauf den Knöchel. Während der 60er Jahre ­gewann Ekins vier Six Days Trials, einmal wurde er Zweiter. Im Jahrzehnt zuvor fuhr er drei Erfolge beim kalifornischen Big Bear Endurance Run ein, und an seinen Sieg beim Catalina Grand Prix 1955 erinnert heute noch ein T-Shirt seines Teams Johnson Motors, in dem sich zum Beispiel Brad Pitt ganz gerne zeigt. Zumindest in den USA galt Ekins in jener Zeit als einer der größten Offroader. So kam es, dass Honda bei ihm anklopfte. Man wollte irgendwie die Zuverlässigkeit des neuen Scramblers CL 72 demonstrieren. Ekins hatte die Idee, das Ding von Tijuana nach La Paz zu prügeln – die Geburtsstunde der Baja 1000.
Seit Anfang der Achtziger unterhielt Ekins in North Hollywood wieder einen Motorradladen, mehr als ein Hobby allerdings. Er lebte von einer kleinen Rente und meinte, der Laden sei »nur so ein Platz zum Rumhängen. Wenn ich was mache, dann weil ich jemandem einen Gefallen tue.« So hing er denn rum, Bud Ekins, und schraubte an alten Motorrädern.
Im Fenster hing eine alte Budweiser-Reklame. Von den Buchstaben leuchteten nur noch die ersten drei. Bud Ekins wurde 77 Jahre alt.

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