Der Abschuß (Archivversion) Der Abschuß

Hilfspolizist verletzte Motorradfahrer schwer

So stand’s in »Bild«: Bad Homburger Hilfspolizist beobachtete einen Motorradfahrer auf einer wegen Bauarbeiten gesperrten Spur. Worauf der Ordnungshüter seinen Wagen sofort auf die Fahrbahn steuerte. Der Biker knallte dagegen, lag drei Tage im Koma, vier Wochen im Krankenhaus. Gegen den Polizisten wurde nicht einmal Strafanzeige erhoben, er kam mit einer Geldbuße von 2000 Mark davon. Dazu der zuständige Rechtsdezernent Heinrich Gerhold: »Mir ist einer, der eingreift, lieber, als einer, der wegguckt.« Matthias Hoffmann aus Großkrotzenburg sandte MOTORRAD den »Bild«-Artikel zu, wollte nicht glauben, was er da las. Die Redaktion faßte nach - und siehe da: Das Boulevardblatt hatte - fast - recht. Der »Hilfspolizist«, worunter in vielen Städten freiwillige Polizeihelfer verstanden werden, entpuppte sich als festangestellter, mit eingeschränkten »hoheitlichen Fähigkeiten« versehener »Ordnungspolizist«, der immer noch in Amt und Würden ist. Außerdem sei unstrittig, so die Stadtverwaltung, daß der Motorradfahrer das Rotlicht der Ampel übersehen habe. Was das an der Wertung dieses Vorfalls ändert? Gar nichts. Weil Dezernent Gerhold auf seiner Äußerung besteht. So als könnte Amoklaufen eine Alternative zum Weggucken sein. Das ist der eigentliche Skandal.

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