Der Designer Sacha Lakic (Archivversion) Aus gutem Rund–––––

Seine geschmeidigen Linien hat Designer Sacha Lakic dem weiblichen Körper abgeschaut. Von diesem Formprinzip will er nicht lassen. Das drückt er so unterschiedlichen Objekten wie der Bimota Mantra oder einem Bettgestell auf.

Sacha Lakic machte aus seinem Wehrdienst das beste: Er strichelte in den Freistunden Motorräder auf Karopapier. Und als die Mappe voll und das qualvolle eine Jahr in Uniform endlich überstanden war, sagte er Jugoslawien adieu und kehrte schnellstmöglich in seine Wahlheimat Paris zurück. Wo er dem Chefredakteur der Motorradzeitschrift Moto Revue seine Entwürfe auf den Tisch knallte. Der zeigte sich schwer beeindruckt, schickte Sacha mit einem Spezialauftrag von dannen: Für die April-Ausgabe des Magazins sollte er ein Motorrad von Renault zeichnen. Viele Leser fielen auf dieses Scherzlein herein, der Automobilkonzern, dem einige Bestellungen für das imaginäre Bike ins Haus flatterten, gratulierte dem Blatt zu der amüsanten Falschmeldung - und Sacha hatte auf einmal einen festen Job. Von 1986 bis 1988 entwickelte er Motorradprototypen in Diensten des Designers Alain Carré, und diese entschieden futuristischen Entwürfe brachten ihm ein Angebot von MBK und Yamaha ein. »Mit wahrer Liebe«, so Sacha, spielte er sechs Jahre lang den bunten Vogel in der Designabteilung des Weltkonzerns, brillierte mit gewagten Rollern und Fahrrädern, die freilich in den seltensten Fällen der Serienproduktion für würdig und profitabel genug erachtet wurden. Daß er einmal so unter die Räder kommen sollte, wurde Sacha, mittlerweile 33 Jahre alt, wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Schließlich wuchs er zwischen Samt und Seide auf. »Mein Vater couturierte für die Pariser Nobelhäuser Nina Ricci und Jean-Louis Ferrer Edelroben, und in der Wohnung machten sich die kostbarsten Stoffbahnen allerorten lang und breit.« Das prägte ungemein - bis es auf Sachas Schulweg zu diesem Erlebnis der ganz besonderen Art kam. Er sah einen metallicgrünen Ford, das schönste Gefährt, das bislang in seine wählerischen Augen gefallen war. Um es stets bei sich zu haben, holte er sein Matheheft raus, skizzierte die Karosse. Was für ein Typ es genau war, daran erinnert sich Sacha nicht mehr. Mustang wäre möglich. Von den vier kam er dann auf zwei Räder, aber weil«s in Frankreich nur wenig Möglichkeiten gibt, mit dem Design von Motorrädern Geld zu verdienen, verdingte er sich bei Peugeot, ging dann zum Militär, kam über den Aprilscherz schließlich doch noch zum Krad. Und als er sich 1994 selbständig machte, glücklicherweise zu Bimota. Die ließen ihn machen - heraus kam die Mantra 900. »Wenn ich dieses Bike fahre und mich ein Autofahrer fragt, von welchem Stern ich denn komme, muß ich herzlich lachen.« Die Mantra spaltete die Gemüter. Purer Kitsch, moserten die einen, genialer Wurf lobhudelten die anderen. Unumstritten ist: Das Ding fällt auf. Sacha glaubt zu wissen, warum. Mit verlegenem Lächeln gesteht er, daß ihn die Formen des weiblichen Körpers zu diesem Entwurf inspiriert haben. »Leute, die zum erstenmal auf diesem Motorrad sitzen, überrascht es immer wieder, wie natürlich ihr Body mit dem Motorrad harmoniert.« Fast alles, was er gestaltet, frönt diesem Konzept, das Kritiker für - im wahrsten Sinn des Wortes - total »verwässert« halten. Für Sacha alles andere als ein Affront: »Die Bewegungen des Wassers erinnern an weibliche Formen - sanft steigend und fallend, gefühlsmäßig, wenig aggressiv.« Der Vorwurf des Erotomamen stört ihn noch weniger. Schließlich ist es der Job des Designers, dem Produkt eine gewisse Libido mit auf den steinigen Weg zum Markterfolg zu geben. »Auf der einen Seite steht der Hersteller, auf der anderen der Konsument, dazwischen der Designer, dessen Aufgabe darin besteht, das technische Produkt mit einem gewissen Gefühl zu versehen, das Rationale mit der Leidenschaft zu verbinden.« Bei seinen nächsten großen Motorrad-Coup, der Voxan - dem ersten rein französischen Motorrad nach einer halben Ewigkeit -, verknüpfte Lakic die schwellenden Formen, die er so mag, mit dem Purismus der Designer aus den zwanziger Jahren. »Einfach klar, ohne Chance, irgend etwas wegzulassen. Keine Kinkerlitzchen, keine Spielereien - nur das Wesentliche eines Motorrads.« Als Ausgleich für diese mitunter doch sehr ernüchternde Tätigkeit konstruierte er einen neuen Verschluß für Bodysuits. »Das wird in der Welt der Reizwäsche Wellen schlagen.«

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