Deutsche Langstrecken-Meisterschaft (Archivversion) Augen auf und durch

Konditionsstärke, Spielübersicht und verläßliche Technik sind gefragt bei der von MOTO aktiv neugeschaffenen Deutschen Langstrecken-Meisterschaft. Der Geldbeutel wird nur mäßig belastet.

Möglichst viel und schnell Motorrad fahren, auf sicheren Rennstrecken mit funktionierender Streckensicherung - das ist seit Jahren Hauptmotivation von Teilnehmern wie Organisatoren der Rennen von MOTO aktiv, einem Verband nicht nur für Amateur-Rennfahrer.Die Teilnehmerfelder der MOTO aktiv-Serienmaschinen-Trophy (SMT) wuchsen wie die fahrerischen Leistungsunterschiede. Anfänger, gerade der MOTO aktiv-Rennschule entwachsen, tummelten sich ebenso auf der Piste wie talentierte Angreifer auf dem Sprung zum »großen« Rennsport. »Daher haben wir die Deutsche Langstrecken-Meisterschaft (DLM) erfunden«, erklärt MOTO aktiv-Geschäftsführer Martin Grein, »die SMT aber im Rahmen der gleichen Veranstaltungen beibehalten für Anfänger, Freizeitfahrer und Tüftler, deren Maschinen nicht in das Supersport-verwandte DLM-Regelwerk passen. In der DLM wird in der Spitze sicher kaum langsamer gefahren als in entsprechenden Supersport-Klassen des DMSB (Deutscher Motor Sport Bund).«Beim Vier-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, dem zweiten DLM-Lauf um den von MOTORRAD gestifteten XXL-Meister-Pokal, traf dies vor allem auf die 600-cm³-Klasse zu, der zweitkleinsten von fünf Meisterschaftskategorien. Die Klassen im einzelnen:1. 250-cm³-Zweitakter, Mindestgewicht 125 Kilogramm, und 400-cm³-Viertakter mit 145 Kilogramm bis 72 PS;2. 600 cm³, 170 Kilogramm, 112 PS;3. 750 cm³, 175 Kilogramm, 136 PS;4. über 750 cm³, 175 Kilogramm, 151 PS;5. Battle of the Twins, ohne Gewichtslimit, 115 PS.Nicht die PS-Protze, sondern die 600er beherrschten die Szenerie. Auf den ersten drei Plätzen im Gesamtklassement waren 600er Teams unter sich, obwohl das schnellste von ihnen, die Suzuki-Crew Rink/Steinmacher, überlegen in Führung, von einem verstopften Benzinsieb auf Rang neun zurückgeworfen wurde. Die Big Biker sahen auch gegen Kawasaki-Händler Peter Hilb und Stefan Schuhmacher auf ihrer wunderschön präparierten ZX-6R, Scherrer/Kunz (Honda CBR 600) und Trappehl/Palmer (Yamaha YZF 600) kein Land.Speziell die Yamaha R1-Teams schienen von ihren brandneuen Brachial-Bikes doch etwas überfordert zu sein - keiner unter den Top Ten. Beeindruckender war eine Crew von BMW-Technikern, die in Eigeninitiative eine R 1100 RS zum High-Tech-Renngerät und BoT-Siegerbike hochgerüstet haben. »Natürlich wissen wir, daß wir in der Amateur-Liga spielen und dafür reichlich Aufwand treiben«, schildert Berthold Hauser, Fahrer und Initiator des Projekts.Mit einer serienmäßigen Aprilia RS 250 holten MOTORRAD-Redakteur Werner Koch und »PS«-Kollege Michael Pfeiffer Rang zwei in der kleinen Klasse.Diese Vielfalt will MOTO aktiv (nähere Informationen unter Telefon 06427/92300) erhalten. Und dementsprechend halten sich die Kosten im Rahmen. Die geltenden Leistungsbegrenzungen orientieren sich am stärksten käuflichen Serienmotorrad, schränken also Tuning stark ein. Und das Nenngeld mit rund 300 Mark pro Veranstaltung ist dem vierstündigen Rennen sowie ausgiebigen Trainingsmöglichkeiten durchaus angemessen.Weniger angemessen waren Überreaktionen der Rennleitung in Sachen Disziplin. Wheelies im Training oder Freuden-Burnouts nach Rennende wurden mit rüden Disqualifikationsdrohungen unterbunden. Bei allem Bemühen um sicheren Rennsport sollten die »MOTO-Aktiven« nicht vergessen, daß Motorradfahren zuallererst Spaß machen soll.

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