Die Comic-Helden von MOTOmania (Archivversion) Dichtung und Wahrheit

Für Dichtung ist der Klempner zuständig, für Wahrheit die Wahrsagerin. Für beides, Dichtung und Wahrheit, dagegen die große Kunst. Holger Aue, übernehmen Sie.

»Was ich gesehen, kann ich nicht zusammenreimen und möchte von manchem gar zu gern wissen, wie es sich verhält.« Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit. Erster Teil, Fünftes BuchUm wenige Persönlichkeiten der neuesten Geschichte rankt sich ein solch phantastisches Gespinst an Mythen, Legenden und Gesabber wie um den begnadeten Comic-Stripper Holger Aue und seine, von ihm für alle Zeit und Heiterkeit, in MOTORRAD verewigten Kumpels und Kumpelinnen. »Hey, geil, Mann«, frohlockt da der nette Heizer von nebenan. »Viel zu lustig, um wahr zu sein«, lullt der miesepetrige Zweifler am gekräderten Humor. Dessen Miene darf sich getrost aufhellen. Auf der sagenumwobenen »Letzten Seite« (diesmal 222) steht nichts als die Wahrheit und nur die Wahrheit. Denn es gibt sie leibhaftig, die gestrichelten Mädels und Jungs aus MOTOmania. Das ist sogar einem DEKRA-Mann aufgefallen. »Kam ein Typ mit einer Rau-Kawasaki zur Hauptuntersuchung, Bernd heißt der und tritt hauptberuflich als Comic-Figur in Europas größter Motorradzeitschrift auf.« Da irrt der Mann, Bernd verdient sein Benzin als weitreisender Elektronikfachmann. Aber auch sonst lag der Ingenieur arg daneben. Nämlich nach fünf Metern Probefahrt neben der Kawa. Schwer geschockt wußte er nichts besseres zu tun, als seinen Stempel zu zücken und in den Schein zu drücken. »Bremsen tut die ja.« Nur für den Schaden wollte er nicht löhnen. »Daß ich die Kawa hingeschmissen habe, ist im öffentlichen Interesse.« Worauf Bernd sich erstens eine Zigarette anzündete, zweitens einen Becher Kaffee, drittens den Chef verlangte, viertens zwei Tage später ein Scheck über 4500 Mark in seinen Briefkasten fiel. »Wenn du so ’ne Story zeichnest, denkt doch jeder: Was saugt der sich da wieder aus den Fingern?« Deshalb hat Holger bislang auch verheimlicht, daß der legendäre Quiddelbacher - Eigner, Schrauber und mitunter auch Fahrer der doch sehr ins Traktorenhafte abgleitenden Laverda - im nahen Kernkraftwerk Kühlrohre schweißt. »Das könntest du nicht besser erfinden«, läuft’s Holger eiskalt den Rücken herunter, »ausgerechnet der Typ, der nichts, aber auch gar nichts mit seinem Moped auf die Reihe bringt, jobbt in der Sicherheitsabteilung von Brunsbüttel.« Quiddel grinst verlegen. »Meine Laverda leistet sich noch ein paar Aussetzer mehr.« Was freilich auch für die Pantah des gleichwohl werkzeugreichen Duc gilt. Dieser hochbegabte Schrauber und gelernte Klempner wäre sehr wohl imstande, an seiner Maschine - Kilometerstand 192 000 - herumzubasteln wie ein junger Gott. Aber er tut es nicht. Warum, weiß keiner. »Zwei Jahre war der Anlasser kaputt. Wenn wir mit Duc unterwegs waren, gab’s immer eine Schiebung«, denkt Doris, die Holgers Schwarzweißzeichnungen koloriert und auch sonst Farbe ins gemeinsame Leben beider bringt, an diese schweißtreibenden Zeiten zurück. »Ging doch auch so, ohne Anlasser«, lacht Duc. Und damit hat er irgendwie recht. Handy Man Henning - als Laser-Spezialist muß er immer ganz Ohr sein - steht, seit er einmal eine unheimlich langbeinige Freundin hatte, die sich auf keine Ducati falten konnte, auf Elefanten von Cagiva. Diese Riesen-Enduro, an der nichts mehr original ist, malträtiert er freilich, als sei sie ein hammerharter Street Racer. Sogar bei Clubrennen läßt er sein Rüsseltier auf die Speedmäuse los. »Sieht unglaublich spektakulär aus, wenn Henning, aufrecht sitzend und mit Brutalo-Schräglagen, an der geduckt auf ihre Ducs gekrümmten Konkurrenz vorbeidonnert«, freut sich Doris. Immer öfter probt er stuntreife Abkürzungen durch Schotter, Teich und Grün. Wie unlängst in Assen, als ihm die baff erstaunte Renngemeinde nach einer erbarmungslosen Off Road-Einlage, bei der er weder sich noch Maschine, noch Fauna schonte, artig die Honneurs machte. Tja, und Holger selbst, der hat zusammen mit Henning das MOTOmania Racing Team gegründet und am ersten Juniwochenende mit seiner Le Mans II bei einem Italo-Rennen in Polen alle versammelten 916 samt Konsorten versägt. »Ich habe jetzt Tunigstufe drei gezündet - 105 PS.« Das abgesprengte zweite Teil verschärft nun Doris’ Guzzi. Jetzt gibt’s also noch mehr von dem Stoff, aus dem die Comics sind.

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