Die Deutschen in Portugal (Archivversion) nur drei waren dabei

Der Portugal-Grand-Prix wurde zum Waterloo für die deutschen Piloten. Schon am Mittwoch verletzte sich Alex Hofmann: Bei einer Bike-Parade vor dem Casino im Badeort Estoril rutschte er aus und brach sich das Kahnbein im linken Handgelenk. Während Hofmann sofort abreiste, um sich in der Münchener Klinik Rechts der Isar verarzten zu lassen – der dortige Spezialist Dr. Herbert Werber hat ein neues Verfahren entwickelt, bei dem das Kahnbein mit einem acht Millimeter langen Titanstift genagelt wird –, versuchte sein Team vergeblich, den Spanier Gregorio Lavilla als Vertretung aus seinen Superbike-Verpflichtungen loszueisen.
Als klar wurde, dass Hofmann min-
destens fünf Wochen pausieren muss, verpflichtete Kawasaki-Teamchef Harald Eckl kurzerhand den arbeitslosen 250er-Ex-Weltmeister Olivier Jacque als Ersatzmann für die Rennen in China und Frankreich. »Ich bin enttäuscht und frustriert. Nach dem guten Jerez-Wochenende habe ich mich auf das Rennen in Estoril gefreut«,
ärgerte sich Hofmann. »Doch es wäre unvernünftig, vorzeitig wieder an den Start
zu gehen. Zu viele Topfahrer haben schon ihre Karriere beenden müssen, weil sie bei Kahnbeinbrüchen zu ungeduldig waren.«
Das zweite Missgeschick ereignete sich im ersten freien Training der 250er-Klasse. Bei seinem letzten Boxenstopp vor dem Mittagessen verlangte Steve Jenkner lediglich eine Gabelmodifikation, worauf ihn seine Mechaniker überredeten, auch noch gleich einen anderen Hinterreifen auszuprobieren. »Sie sagten mir noch, ich solle aufpassen. Und ich habe aufgepasst...«, stöhnte Jenkner später. Drei Rechtskurven lang ging alles gut, in der ersten Links-
kurve war trotz aller Vorsicht Feierabend: Jenkner baute mit halbkaltem Reifen bei eiskaltem Wind einen Highsider, fiel auf die rechte Hand und brach sich den äußersten Mittelhandknochen.
Weil Sascha Hommel die Qualifikation verpasste – an seiner Malaguti ging beim Warmlaufen vor dem einzigen und entscheidenden Zeittraining die Kurbelwelle fest –, blieben nur drei deutsche Piloten übrig. Kiefer-Honda-Pilot Dirk Heidolf setzte sich dabei als Erfolgreichster mit dem 16. Platz in der 250er-Klasse durch. Geringer blieb die Ausbeute in der 125er-Klasse. Heidolfs Teamkollege Sandro Cortese, im Training noch 19., steckte nach dem Start zunächst im Pulk fest und wurde dann
mit überhitzendem Motor 25. Aprilia-Pilot Dario Giuseppetti landete auf Rang 29.
So blieb es dem Schweizer Thomas Lüthi überlassen, mit Platz drei dafür zu sorgen, dass bei der Pressekonferenz deutsche Töne zu hören waren. Der Weg zu Lüthis erstem GP-Triumph scheint überschaubar. Wie sich das anfühlt, konnte der 18-Jährige bei Mika Kallio erfragen: Der KTM-Werksfahrer gewann mit seinem GP-Sieg als erster Finne seit 30 Jahren wieder einen Straßen-WM-Lauf. fk

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