Die geplante Fusion von Piaggio und MV Agusta (Archivversion)

Der Countdown läuft: Bis 15. Oktober muss Rollerriese Piaggio den Deal mit dem Motorradhersteller MV Agusta unter Dach und Fach haben, denn dann endet das Vorkaufsrecht. Für rund 30 Millionen Mark hat Piaggio bereits 20 Prozent der MV-Gruppe erworben, doch am Ende soll eine komplette Fusion der beiden Firmen stehen. Stefano Rosselli del Turco, Geschäftsführer von Piaggio, ist überzeugt, dass sich das Zweirad-Szenario in nächster Zeit grundlegend wandelt. »Es werden zwei bis drei große japanische Hersteller übrig bleiben, und die jüngste Allianz zwischen Suzuki und Kawasaki bestätigt das, dazu ein oder zwei weitere asiatische Billig-Produzenten. Harley-Davidson, BMW und auch Ducati haben ihre Nische gefunden. Da bleibt vielleicht noch Platz für eine große europäische Gruppe.«Und die soll aus Piaggio und MV Agusta bestehen. Die beiden unterschiedlichen Partner passen gut zusammen. MV Agusta mit den Marken Cagiva und Husqvarna machte 2000 mit rund 23000 Motorrädern einen Umsatz von 240 Millionen Mark. Zu Piaggio gehören Gilera, Puch und Derbi; der Konzern fertigte 2000 rund 540000 motorisierte Zweiräder bei einen Umsatz von über zwei Milliarden Mark. Piaggio will mit der Marke Gilera wieder ins Motorradsegment und erhofft sich Vorteile aus dem Deal mit MV. »50 Prozent aller Motorräder weltweit werden von Händlern verkauft, die mehrere Marken im Programm haben,« sagt Rosselli. »Mit MV, Husqvarna und Gilera können wir solchen Händlern viel bieten.« Die Marke Cagiva will MV-Chef Claudio Castiglioni für sich behalten, die aktuelle Cagiva-Palette, vor allem die beiden Raptoren und die Navigator, gehört aber durchaus zur Verhandlungsmasse und könnten schon bald von Piaggio- statt Suzuki-Motoren befeuert werden. Weiterer Vorteil der Allianz: Dank des Motorrad-Know-hows des Partners ließen sich die geplanten Gilera-Modelle viel schneller entwickeln und im MV-Werk in Cassinetta auch produzieren. Und dann ist da noch Claudio Castiglioni, unter dessen Regie faszinierende Motorräder entstanden. Rosselli: »Er blickt fünf Jahre in die Zukunft. Und er hat die Fähigkeit, geniale Entwickler als Freunde um sich zu scharen.« Massimo Tamburini (Ducati 916, MV Agusta F4), Miguel Galluzzi (Ducati Monster, Cagiva Raptor) und Ampelio Macchi (Husqvarna) blieben auch bei einem Zusammenschluss allein Castiglioni verantwortlich, würden aber für die ganze Gruppe arbeiten.Dank Piaggio wäre die Allianz finanzkräftig, gehört der Konzern doch mehrheitlich Morgan Grenfell, einer Tochter der Deutschen Bank, für die solche Investitionen wohl nur in den Peanuts-Bereich fallen. »Mit unseren großen Produktionszahlen können wir zudem bei den Zulieferern viel bessere Konditionen aushandeln«, gibt Rosselli zu bedenken. Und, besonders wichtig: Piaggio verfügt über ein großes Produktions-Know-how. »Piaggio hat weltweit die niedrigste Kosten-Leistungs-Relation«, sagt Rosselli selbstbewusst. Deshalb interessieren sich sogar asiatische Hersteller für Piaggio-Motoren. »MV und Piaggio passen perfekt zusammen«, ist sich Rosselli sicher. Jetzt muss nur noch die Unterschrift der beiden hoffnungsvollen Brautleute aufs Papier.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote