Die gute alte Zeit? (Archivversion)

1903 – die deutschen Bürger entdeckten den Traum ewig wachsenden Wohlstands und Fortschritts, die Industrienationen träumten von weltweiten Märkten.

Der Innenminister verbot den Eisenbahnern 1903 erneut und mit Nachdruck die Mitarbeit in der SPD, Zuwiderhandelnde wurden entlassen. Jawoll, die Arbeiterbewegung konnte nur stören bei Preußens, nein, Deutschlands Kampf um einen Platz an der Sonne. Den nämlich wollte Wilhelm II, prunksüchtiger Kaiser mit Faible für maritime Hochrüstung, unbedingt erobern. Leider war die Welt größtenteils verteilt, Deutschland musste sich mit eher kargen Besitztümern begnügen. Dies ändern zu wollen bedeutete zwangsläufig, sich mit Frankreich und England anzulegen, tatsächlich steuerte die Welt seit der Jahrhundertwende zielstrebig auf einen solchen Krieg zu.Auch in Sachen SPD hatte Wilhelm Pech, die Partei wurde immer mächtiger, gewann bei den Reichstagswahlen 30 Prozent der Stimmen, konnte wegen des ungerechten Zuschnitts der Wahlkreise aber im Parlament in Schach gehalten werden. Dennoch: Die soziale Frage war längst zur Anklage geworden, in Sachsen etwa streikten die Weber für bessere Löhne und einen Zehn-Stunden-Tag. Scheinbar im Widerspruch dazu stand ein vor allem in den Städten unbändiger Glaube an den technischen Fortschritt. Wöchentlich euphorisierten bahnbrechende Erfindungen die Massen, so im November die Gebrüder Wright mit dem ersten Motorflugzeug. Henry Ford stellte sein T-Modell vor, den ersten Millionenseller der Automobilgeschichte. Und jetzt zum Sport: Der VFB Leipzig gewann gegen den Deutschen Fußballverein Prag das erste Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft, und der Franzose Maurice Garin die erste Tour de France.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote