Die Mängel am Testmotorrad (Archivversion)

Alle Kawasaki-Mechaniker bekamen den gleichen Auftrag. Sie hatten an einer ER-5, Baujahr 1997, den bei Kilometerstand 24000 fälligen großen Kundendienst durchzuführen. Zuvor wurde die Kawasaki bei einer DEKRA-Niederlassung jeweils mit exakt den gleichen Mängeln präpariert, die ein Mechaniker, der nach Wartungsplan arbeitet und etwas Sorgfalt walten läßt, zwangsläufig finden muß.Außerdem war das rechte hintere Blinkerglas zu ersetzen, um die Ersatzteilversorgung des jeweiligen Händlers zu prüfen. Der Inspektionspreis wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede bei den Stundenlöhnen gibt. Die angegebenen Preise beziehen sich nur auf die Inspektion. Zusätzliche Arbeiten wurden herausgerechnet, damit die Preise vergleichbar bleiben. Folgende Fehler waren zu finden:Bremssattel vorn: Die untere Schraube am Bremssattel war gelockert. Beim vorschriftsmäßigen Check sicherheitsrelevanter Schraubverbindungen muß dieser Mangel entdeckt werden.Bremslichtschalter: Die Feder am Bremslichtschalter der Fußbremse war ausgehängt. Ohne funktionierendes Bremslicht besteht erhöhte Gefahr, in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden.Lenkkopflager: Die Einstellmutter des Lenkkopflagers wurde viel zu stramm angezogen, so daß das Lager regelrecht klemmte. Dadurch kommt es zu Fahrwerksunruhen und äußerst problematischem Kurvenverhalten, außerdem wird das Lager binnen kurzer Zeit zerstört.Zugstrebe Hinterradbremse: Die Verschraubung zwischen der hinteren Bremstrommel und dem Bremsanker wurde gelöst, der Sicherungssplint entfernt. Geht die Schraube verloren, kann das Hinterrad blockieren.Reifenluftdruck: Der Druck in den Pneus war weit unter die Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität dramatisch, auch Unfälle durch Laufflächenablösung können die Folge sein.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer strahlte weit in Richtung Gegenfahrbahn und nach oben. Der Gegenverkehr wird geblendet, die Sicht bei Nachtfahrten ist stark eingeschränkt.Tachobeleuchtung: Die Lämpchen im Tachometer waren defekt. Bei Dunkelheit ist die Fahrgeschwindigkeit kaum abzulesen. Krümmerschrauben: Die Schrauben am Flansch des linken Krümmers waren lose. Im Rahmen des großen Kundendiensts muß dieser Mangel auffallen, bei einer Probefahrt ist er sogar hörbar.Zündkerzen: Der Zustand der Zündkerzen war schlecht, bei einer Kerze wich der Elektrodenabstand stark vom vorgeschriebenen Wert ab. Das führt zu unsauberem Motorlauf und erschwertem Anspringen.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Spritzschutz hinten: Die rechte Schraube fehlte, die linke war gelöst. Das Verlängerungsteil am hinteren Kotflügel kann abfallen.Öl-/Filterwechsel: In den Motor wurde vor jedem Werkstattbesuch altes Öl eingefüllt, der Ölstand war außerhalb des Toleranzbereichs. Die Tester prüften, ob das Öl gewechselt wurde und ob die Werkstatt die korrekte Menge eingefüllt hatte. Auch der bei der Inspektion vorgeschriebene Wechsel des Ölfilters wurde geprüft.

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