Die Mängel am Testmotorrad (Archivversion)

Alle getesteten Honda-Werkstätten bekamen den gleichen Auftrag: Am Testfahrzeug, einer Honda Transalp, Baujahr 1988, Kilometerstand knapp unter 48000, sollte der fällige, große Kundendienst durchführt werden. Zuvor war die Transalp bei einer DEKRA-Niederlassung mit einer Reihe von Mängeln präpariert worden, die ein Mechaniker, der nach Wartungsplan arbeitet und etwas Sorgfalt walten läßt, zwangläufig finden muß.Ein Novum gegenüber früheren Werkstatt-Tests ist der sogenannte »Zusatzauftrag«. Ein Fehler, der bei einer normalen Inspektion nicht unbedingt zu finden wäre, wurde eingebaut. Die Tester schilderten bei der Fahrzeugabgabe grob und laienhaft bestimmte Symptome und beauftragten die Werkstatt, der Ursache auf den Grund zu gehen. Außerdem war die rechte hintere Fußraste zu ersetzen, um zugleich die Ersatzteilversorgung des jeweiligen Händlers zu prüfen. Der Inspektionspreis wurde nicht bewertet, da es regional starke Unterschiede bei den Stundenlöhnen gibt. Die angegebenen Preis bezioehen sich nur auf die Inspektion, zusätzliche Arbeiten wurden vom Rechnungsbetrag abgezogen, damit die Preise vergleichbar bleiben. Folgende Fehler waren zu finden:Vorderachsklemmung: Zwei der Klemmschrauben an der Vorderachse wurden gelöst. Beim vorschriftsmäßigen Check der sicherheitsrelevanten Schraubverbindungen muß dieser Mangel entdeckt werden.Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im Hydraulikbehälter der Vorderradbremse wurde bis unter die Minimum-Markierung abgesenkt. Der Boden des Behälters war nur noch wenige Millimeter hoch bedeckt, es kann zum völligen Versagen der Bremse kommen.Bremslicht: Die Feder am Bremslichtschalter der Fußbremse war ausgehängt. Wenn das Bremslicht nicht funktioniert, besteht erhöhte Gefahr, in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden.Lenkkopflager: Die Kontermutter des Lenkkopflagers wurde viel zu stramm angezogen, so daß das Lager regelrecht klemmte. Dadurch kommt es zu Fahrwerksunruhen und äußerst problematischem Kurvenverhalten, außerdem wird das Lager binnen kurzer Zeit zerstört.Tachobeleuchtung: Die Lämpchen im Tachometer waren defekt. Bei Dunkelheit läßt sich die Fahrgeschwindigkeit nur sehr schwer ablesen.Ventilspiel: Bei einem Auslaßventil des Motors wurde das Ventilspiel auf nahezu Null reduziert. Zu enges Ventilspiel kann zu einem kapitalen Motorschaden führen.Hinterrad-Speichen: Einige Speichen im Hinterrad hatten nicht genügend Spannung und konnten nicht nachgezogen werden, da die Schraubnippel verrostet waren. Eine gewissenhaft arbeitende Werkstatt hätte Speichen samt Nippel getauscht oder zumindest darauf hingewiesen, daß der Mangel beim nächsten Reifenwechsel zu beheben sei.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungshebel wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, was zu übermäßigem Verschleiß führt.Zündkerzen: Der Zustand der Zündkerzen war schlecht, bei einer Kerze wich der Elektrodenabstand stark vom vorgeschriebenen Wert ab. Ein solcher Mangel führt zu unsauberem Motorlauf und schlechtem Startverhalten.Krümmerschrauben: Die Schrauben am Auslaßflansch des vorderen Zylinders waren locker. Im Rahmen des großen Kundendienstes muß dieser Mangel auffallen, bei einer Probefahrt ist er hörbar.Öl-/Filterwechsel: In den Motor wurde vor jedem Test Altöl eingefüllt, der Ölstand war zudem nicht innerhalb des zulässigen Bereichs. Die Tester prüften, ob das Öl gewechselt wurde und ob die Werkstatt die korrekte Menge eingefüllt hatte. Auch der vorgeschriebene Wechsel des Ölfilters wurde geprüft.

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