Die Mängel (Archivversion)

Alle Honda-Händler hatten die gleiche Vorgabe: eine Inspektion bei 12 000 Kilometern durchzuführen und den Spritzschutz am Hinterrad zu ersetzen, um die Ersatzteilversorgung zu überprüfen. Wer den Wartungsplan nicht aus den Augen verlor und etwas Sorgfalt walten ließ, hatte alle Chancen, ein «sehr gutes” Testurteil zu erreichen. Die Preiswürdigkeit wurde nicht bewertet, da es regional immer wieder starke Unterschiede in den Stundenlöhnen gibt. Zur Kontrolle der Kundendienstarbeiten hatte ein DEKRA-Ingenieur der Testmaschine, einer Honda CBR 600, Baujahr 1993, Kilometerstand knapp unter 12 000, folgende Fehler eingebaut: Bremsflüssigkeit: Der Flüssigkeitsstand im vorderen Hydraulikbehälter wurde bis unter die Minimum-Marke abgesenkt. Der Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters war nur noch wenige Millimeter hoch bedeckt. Ein gefähliches Bremsversagen kann die Folge sein.Bremslicht: Die Feder am Bremslichtschalter des Fußbremspedals war defekt. Wenn das Bremslicht nicht richtig funktioniert, steigt die Gefahr eines Auffahrunfalls erheblich.Reifenluftdruck: Der Luftdruck in den Pneus wurde auf Werte weit unter der Toleranzgrenze abgesenkt. Dadurch verschlechtert sich die Fahrstabilität der Maschine dramatisch. Auch Laufflächenablösungen können die Folge sein.Lenkkopflager: Die Kontermutter des Lenkkopflagers wurde so stark angezogen, daß das Lager kein Spiel mehr hatte. Dadurch kann es zu Fahrwerksunruhen und problematischem Kurvenverhalten kommen. Das Lager wird sehr hoch belastet.Kotflügelbefestigung vorn: Am vorderen Kotflügel wurde eine der beiden Befestigungsschrauben entfernt. Der Kotflügel kann sich ganz lösen und einen Sturz verursachen. Bei der Kontrolle aller sicherheitsrelevanten Schraubverbindungen müßte dieser Mangel entdeckt werden.Scheinwerfereinstellung: Der Scheinwerfer wurde total verstellt, er blendete den Gegenverkehr. Ein Mangel, der bereits beim ersten Gang um das Motorrad unbedingt auffallen müßte.Vergasersynchronisation: Die Synchronisation von zwei der vier Zylinder der Honda wurde stark verstellt. Eine schlechte Vergasersynchronisation führt zu unsauberem Motorlauf, höherem Benzinverbrauch und erschwertem Anspringen.Antriebskette: Die Kette zum Hinterrad wurde viel zu stark gespannt. Im Fahrbetrieb werden das Getriebeausgangs- und das Radlager extrem belastet. Das Motorgehäuse kann Schaden nehmen, auch ein Kettenabriß ist nicht auszuschließen.Ölverlust Telegabel: Die Standrohre wurden an den Dichtringen mit Öl und Schmutz versetzt. Ölverlust an der Telegabel beeinträchtigt deren Funktion, der Bodenkontakt des Vorderrads verschlechtert sich. Ein gewissenhafter Mechaniker müßte zumindest auf die Notwendigkeit einer Reparatur hinweisen. Krümmerschrauben: Drei Krümmerschrauben an den Zylindern wurden gelöst. Bei sorgfältiger Arbeit müßte dieser Mangel entdeckt werden, bei einer ausreichenden Probefahrt ist er sogar hörbar.Hupe: Das Kabel zur Hupe wurde unterbrochen. Ein Fehler, der beim Check der elektrischen Anlage sofort auffallen müßte.Kupplungsspiel: Das Spiel am Kupplungsseil wurde auf Null reduziert. Bereits beim Anfahren ist zu merken, daß der Hebel keinen Leerweg hat. Im Fahrbetrieb kann die Kupplung schleifen, es kommt zu übermäßigem Verschleiß.Zündkerzen: Der Elektrodenabstand wurde auf nahezu die Hälfte reduziert. Ein schlechter Zündkerzenzustand führt zu einem unsauberen Motorlauf und - gerade bei der CBR 600 - zu erschwertem Anspringen.Motoröl/Ölfilter: Die Tester füllten Altöl in den Motor ein, der Ölstand wurde aus dem Toleranzbereich gebracht. Die Tester kontrollierten, ob die Werkstatt das Öl gewechselt hatte und ob die korrekte Menge eingefüllt war. Auch der vorschriftsmäßige Wechsel des (gekennzeichneten) Ölfilters wurde überprüft.

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