Die Profis: Verkleidungsreparatur (Archivversion)

Verkleidungs-Künstler

Nahezu allen gerissenen oder ausgebrochenen Verkleidungsteilen aus Kunststoff verhelfen Spezialisten wieder zu ihrem ursprünglichen Aussehen.

Wäre das Surren des Fräsers einige Tonlagen höher, könnten sich die Besucher ohne weiteres beim Zahnarzt wähnen. Doch beim Wehwehchen des Patienten handelt es sich weder um Karies noch um Parodontose, sondern um einen Riß im Kunststoffkleid. Das auf dem Arbeitstisch liegende Verkleidungsoberteil einer Yamaha FZR 1000 ist in Höhe der Scheinwerfer auf der linken Seite komplett durchgerissen - ein Fall für Wilhelm Bechtler, den Inhaber der Technoplast GmbH in Hockenheim. Als ehemaliger Superbiker kennt er das Problem mit beschädigten Verkleidungsteilen aus eigener Erfahrung nur allzu gut. Mit Fräser, Pinsel und selbstangerührtem Flüssigkunststoff rückt er seit einigen Jahren gerissenen, gesplitterten und ausgebrochenen Kunststoffteilen auf die Pelle. Im Fall der FZR 1000 ist die Angelegenheit in weniger als einer Stunde erledigt und der Kunde mit einer Rechnung von knapp über 100 Mark in Anbetracht der Kosten für eine neue Verkleidung mehr als gut bedient.
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Verkleidungsreparatur/Kunststoff-Reparatur: Beratung (Archivversion) - Kunststoffreparatur beim Fachmann - oder selbstgemacht

Unfälle, Stürze oder Umfaller - irgendwann erwischt’s fast jeden Biker mal. Und selbst beim harmlosen Umfaller sind oft beschädigte Verkleidungs- oder Kunststoffteile die unliebsame Folge. Hat man den Schaden selbst verschuldet, versuchen die Betroffenen häufig diese behelfsmäßig zu reparieren, um den Kauf teurer Original-Ersatzteile zu vermeiden. Unzählige, oftmals abenteuerliche »Klebeband-Orgien« oder hilflos anmutende Schweißversuche an Sturzfahrzeugen aller Motorradklassen zeugen davon. Dabei lassen sich die meisten Beschädigungen von Kunststoffteilen - vom kleinen Riß über Ausbrüche bis hin zu abgebrochenen Haltenasen - stabil und dauerhaft reparieren. Das hauseigene »Wundermittel« der Technoplast GmbH, Telefon 06205/15932, verbindet beispielsweise sämtliche thermoplastischen Kunststoffe bombenfest. Davon konnte sich MOTORRAD überzeugen. Die Flickstellen widerstehen den höchsten Beanspruchungen, ähnlich wie bei einem verheilten Knochenbruch, der praktisch nie mehr an der gleichen Stelle bricht.»Pro Resin« nennt sich das Heilmittel, das der Firmengründer Wilhelm Bechtler speziell für die Verkleidungsreparatur an gespritzten Verkleidungen moderner Motorräder entwickelt hat. Das Zwei-Komponenten-Kaltpolymer, so die Fachbezeichnung, verbindet sich besonders gut mit Kunststoffen der Klassifizierungen PC, PE, PP, PVC, PMMA und ABS. Fast alle Originalverkleidungen sind aus diesen Werkstoffen hergestellt. Bei Zubehörverkleidungen aus GFK, Kevlar oder Karbon funktioniert das Reparatur-Prinzip mit Flüssigkunststoff nicht, da sich die unterschiedlichen Werkstoffe nicht miteinander verbinden.Wer sich nicht zutraut, seine Verkleidung selbst zu reparieren, schickt das beschädigte Teil an die Firma Technoplast, die zunächst einen Kostenvoranschlag erstellt. Für diesen werden 15 Mark berechnet, wobei gegebenenfalls das Rückporto enthalten ist, falls sich die Reparatur nicht mehr lohnt. Das ist aber relativ selten der Fall, da Originalverkleidungen oft weit mehr als 1000 Mark kosten, die Reparaturen jedoch meist im Bereich zwischen 100 und 200 Mark liegen. Wohlgemerkt ohne Lackierung.Handwerklich begabte Biker können die anfallenden Arbeiten mit Hilfe eines Reparatursets von Technoplast auch selbst ausführen. Das kleine Set kostet 79 Mark, das große 169 Mark. Wobei in 99 Prozent der Fälle das kleine ausreicht. Eine ausführliche Gebrauchsanweisung liegt bei. Darin werden die einzelnen Arbeitsschritte erklärt. Zunächst wird die beschädigte Stelle angefast, um die Verbindungs-Oberfläche zu vergrößern, anschließend die Bruchstelle fixiert, verschalt und mit Pro-Resin-Flüssigkeit benetzt. Dann werden Pulver und Flüssigkeit im angegebenen Mischungsverhältnis angerührt und in die Bruchstelle gegossen. Der Einsatz eines Föns verkürzt die Aushärtungszeit auf etwa zehn Minuten. Nach dieser Zeit läßt sich der Werkstoff bereits mit Feile, Bohrer, Raspel oder Fräser bearbeiten. Nicht nur gerissene oder gesplitterte Verkleidungen, sondern auch ausgebrochene Teile oder abgebrochene Haltenasen lassen sich auf diese Weise reparieren beziehungsweise nachformen. Somit hätten unzählige Verkleidungen, Seitendeckel, Kotflügel, Sitzbankrahmen, Lampenhalterungen und viele weitere Kunststoffteile sturzgeschädigter Motorräder vor der Müllhalde gerettet werden können.Kunststoff-Reparatursets gibt’s übrigens nicht nur bei Technoplast, sondern auch bei anderen Anbietern. Beispielsweise hat Hein Gericke, Telefon 0211/98989, für 68,95 Mark ein ähnliches Produkt im Programm, das sich bereits in der MOTORRAD-Werkstatt bewährt hat. Darüber hinaus finden sich in nahezu jedem Baumarkt, Kfz-Zubehör-Handel oder Bastelbedarf Zwei-Komponenten-Kleber verschiedener Hersteller - ein Vergleichstest der einzelnen Produkte in MOTORRAD drängt sich geradezu auf.

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