Das Wort zum Sonntag - Die Redakteure

Wenn der Chefredakteur persönlich zum Schreibgerät greift, dann muss es wichtig sein. So wichtig, dass den Werken der Schriftleiter stets ein prominenter Platz im Heft reserviert ist, da macht auch MOTORRAD keine Ausnahme.

Die Seite drei bietet sich an, der erste Ort in der Zeitschrift, wo sich der geneigte Leser nach dem Betrachten der von Schlagzeilen geprägten Titelseite mit vollständigen Sätzen konfrontiert sieht. So war es 100 Jahre lang bei MOTORRAD, lediglich der etwas unkonventionelle Hans-Joachim Nowitzki durchbrach diese Regel und meldete sich mit seinem »Thema 1« auf Seite fünf zu Wort – da, wo er sich der MOTORRAD-Gemeinde besonders nahe fühlte, in direkter Nachbarschft zu den Leserbriefen nämlich. Seine Vorgänger und Nachfolger blieben lieber beim Bewährten: auf Seite drei gab Siegfried Rauch seinen »Kommentar« ab, schrieb Helmut Luckner »Mein Tagebuch«, sagte Karl Mauer, was für ihn das »Thema eins« war, tat Friedhelm Fiedler seine »Meinung« kund, nahmen und nehmen Walter Gottschick und Michael Pfeiffer Stellung »zum Thema«. Im redaktionsinternen Gebrauch dagegen hieß der Artikel des Chefs lange Zeit nur – halb achtungsvoll, halb spöttisch –»das Wort zum Sonntag«.

Die MOTORRAD-Redakteure Michael Orth und Norbert Sorg haben im Archiv versucht, sich in die Welt der MOTORRAD-Chefredakteure vergangener Tage hineinzudenken – ihr Bericht steht in der aktuellen Ausgabe 6/2003 (ab 28. Februar am Kiosk). Ihre auf vier Seiten dargelegte Historie der MOTORRAD-Editorials wird an dieser Stelle durch Originaltexte in voller Länge ergänzt. So rundet sich das Bild ab – und zeigt deutlich, dass Leitartikel bisweilen alles andere als Sonntagsreden waren.

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