Die Ring-Renngeschichte (Archivversion) Zeit-Genossen

Von den Gladiatoren der Frühzeit bis zum hochmodernen Grand Prix-Kurs: 70 Jahre Motorradrennen am Nürburgring. Ein Bilderbogen und die wichtigsten Daten der Sportgeschichte.

Die Pioniere des Nürburgrings waren nicht zu beneiden. Beim ersten Motorrad-Grand Prix im Juli 1927 ging der 500er Lauf über eine Distanz von sage und schreibe 508,7 Kilometern - angesichts der damaligen Fahrwerkstechnik und der schlechten Qualität des Streckenbelags bei mehr als fünf Stunden Fahrzeit sicher eine wahre Tortour. Heute spulen die Halbliter-Stars auf dem neuen Ring ihr Rennen in einer Dreiviertelstunde ab. 15 Grand Prix wurden zwischen 1927 und 1980 auf dem alten Ring gestartet, wobei die Strecke mehrmals wechselte. Zuerst ging´s über den fast 30 Kilometer langen Gesamtkurs aus Nord- und Südschleife, dann kam die Nordschleife dran, und in den 60er Jahren war die rund sieben Kilometer lange Streckenvariante im Süden der Nürburg Schauplatz des deutschen Motorrad-Grand Prix. Der Kurs vom Start hinab nach Müllenbach und wieder zurück ist längst Geschichte. In diesem Bereich befindet sich die heutige Grand Prix-Strecke. Die legendäre Nordschleife besteht noch immer und ist für die testende Industrie oder ambitionierte Sportfahrer die Herausforderung schlechthin - wie vor 70 Jahren, als die spannende Rennhistorie des Rings begann.192527. September: Grundsteinlegung.192718. Juni: Eifelrennen zur Eröffnung auf der 28,265 Kilometer langen Gesamtstrecke. Toni Bauhofer auf BMW 500 fährt den schnellsten Schnitt mit 89,6 km/h.3. Juli: Grand Prix Europa. 500er Sieger Graham Walker (GB) erreicht über 18 Runden oder 508,7 Kilometer einen Schnitt von 91,5 km/h.192928. Juli: GP Deutschland. Tyrell Smith (GB) auf Rudge 500 knackt erstmals die Schallmauer von 100 km/h: Über 424 Kilometer schafft er einen Schnitt von 102,9 km/h. BMW macht Versuche mit Kompressor-Maschinen.193029. Juni: GP Deutschland. Graham Walker auf seiner Vierventil-Rudge 500 erreicht einen Schnitt von 106,2 km/h. Die 750er Kompressor-BMW fallen aus.20. Juli: Eifelrennen. Tom Bullus gewinnt auf der Königswellen-NSU 500 mit 105,9 km/h Schnitt.19343. Juni: Eifelrennen. Erster Lauf auf der 22,810 Kilometer langen Nordschleife vor geschätzten 250 000 Zuschauern.193614.Juni: Das zehnte Eifelrennen wird gestartet. 193713. Juni: Eifelrennen. Das Durchschnittstempo steigt über die 110-km/h-Marke. Karl Gall auf BMW 500 erreicht im Mittel 117,8 km/h.193921. Mai: Eifelrennen. Ludwig Kraus auf BMW 500 schraubt den Schnitt auf 121,1 km/h.194717. August: Eifelrennen auf der 7,747 Kilometer langen Südschleife. Die Sieger fahren Vorkriegsmaschinen: H.P.Müller (DKW 250), Heiner Fleischmann (NSU 350), Schorsch Meier (BMW 500).194922. Mai: Schorsch Meier fährt beim Eifelrennen auf der Südschleife mit der 500er Kompressor-BMW 124,4 km/h Schnitt.195113. September: Eifelrennen, jetzt wieder auf der Nordschleife. Kompressormotoren sind verboten, mit der Saugmotor-BMW markiert Schorsch Meier einen 125er Schnitt.195225. Mai: Eifelrennen. Neue DKW- und NSU-Werks-maschinen rollen an den Start.195331. Mai: Eifelrennen. Die Dreizylinder-DKW 350 und die Zweizylinder-Horex 500 tauchen auf.195526. Juni: Erster Motorrad-Grand Prix nach dem Krieg. Geoff Duke (Gilera) gewinnt das 500er Rennen auf der Nordschleife mit einem Schnitt von 130,9 km/h vor Walter Zeller (BMW).195629. Mai: Eifelrennen. Helmut Fath setzt erstmals ein Kneeler-Gespann ein.195820. Juli: Grand Prix Deutschland. Doppelsieg für John Surtees und MV Agusta in der 350er und 500er Klasse.196130. April: Eifelrennen auf der Südschleife. In den Fahrzeugpulks der Zuschauer tauchen die ersten japanischen Motorräder auf, meist Honda.196229. April: Auf der Südschleife wird das 25. Eifelrennen gestartet. Hans-Georg Anscheidt gewinnt mit der neuen 50er Kreidler. Ernst Degner markiert mit der 250er Suzuki neuen Rekord: 129,7 km/h.196328. April: Eifelrennen. Über 100 000 Zuschauer bewundern die ersten Vierzylinder-Honda.196525. April: Grand Prix Deutschland auf der Südschleife. In der 350er Klasse gewinnt Giacomo Agostini auf der MV Agusta seinen ersten Grand Prix.196821. April: Grand Prix Deutschland, Südschleife. Giacomo Agostini (MV Agusta) siegt bei den 500ern mit einer Runde Vorsprung, im 250er Rennen hat der Brite Billy Ivy (Yamaha) die Nase vorn.196927. April: Eifelrennen wieder auf der Nordschleife, die von 250 000 Fans umlagert ist.19703. Mai: Grand Prix Deutschland. Erneuter 500er Sieg von Giacomo Agostini, bei den 250ern triumphiert der Australier Kel Carruthers auf Yamaha. Erste Diskussionen um die Sicherheit der Nordschleife flammen auf.19712. Mai: Eifelrennen auf der renovierten und entschärften Nordschleife. Die Strecke ist nun durch Leitplanken gesichert - gut für Autorennen, nicht aber für die Motorradler. Der Ungar Laszlo Szabo fährt auf Yamaha 350 erstmals eine Runde unter zehn Minuten (9:59,2 min = 137,2 km/h).197230. April: Grand Prix Deutschland. Im 350er Rennen schlägt der Finne Jarno Saarinen mit der Zweitakt-Yamaha den Weltmeister Giacomo Agostini auf der Viertakt-MV Agusta. Ago dominiert weiterhin die 500er Klasse.197428. April: Grand Prix Deutschland. Ein Großteil der Fahrer bestreikt den deutschen WM-Lauf wegen mangelnder Streckensicherheit. Nur die Gespannfahrer treten komplett an. Da das Rennen eine kombinierte Motorrad- und Auto-Veranstaltung war, sehen die enttäuschten Zweirad-Fans immerhin noch zwei Rennen zur deutschen Rennsport-Meisterschaft der Tourenwagen und der Formel Super Vau.197629. August: GP Deutschland. Die Sicherheitsdiskussionen gehen weiter, aber die Stars kommen zurück. Giacomo Agostini gewinnt auf MV Agusta das 500er Rennen - der letzte Sieg einer Viertakt-Maschine in der Halbliter-WM. Toni Mang startet erstmals am Ring und siegt mit der Morbidelli bei den 125ern.197820. August: Grand Prix Deutschland. Kork Ballington und Greg Hansford feiern einen Kawasaki-Doppelsieg bei den 250ern, Virginio Ferrari gewinnt das 500er Rennen auf der Suzuki.198024. August: Letzter Grand Prix auf der Nordschleife. Jon Ekerold gewinnt bei den 350ern ein legendäres Duell um den WM-Titel gegen Toni Mang. 500er Sieger Marco Lucchinelli (Suzuki) fährt mit 8.22,23 Minuten (Schnitt 163,682 km/h) Rundenrekord.198213. Juni: Der letzte Langstrecken-WM-Lauf auf der Nordschleife. Die Sieger: Chemarin/Cornu (F/CH) auf Kawasaki.198412. Mai: Der neue Nürburgring wird eingeweiht. Seine wichtigsten Daten: 4,54 Kilometer Länge, sechs Links- und acht Rechtskurven, 80 Millionen Mark Baukosten. Die Nordschleife ist jetzt auf 20,832 Kilometer verkürzt.27. Mai: Grand Prix Deutschland. Der Franzose Christian Sarron trickst beim 250er Rennen in einem spannenden Dreikampf die deutschen Asse Martin Wimmer und Manfred Herweh aus. Der 500er Sieger heißt Freddie Spencer (Honda).19858. September: Acht-Stunden-Rennen auf dem neuen Grand Prix-Kurs. Die Franzosen Coudray/Igoa gewinnen auf der Werks-Honda.198625. Mai: Grand Prix Deutschland. Hinter 250er Sieger Carlos Lavado liefern sich Toni Mang und Martin Wimmer ein heißes Duell um Platz zwei - Mang behält knapp die Oberhand. Eddie Lawson (Yamaha) vor Wayne Gardner (Honda) heißt der Zieleinlauf bei den 500ern.198829. Mai: Grand Prix Deutschland. Kevin Schwantz (Suzuki) triumphiert im Regen bei den 500ern. Luca Cadalora gewinnt das 250er Rennen, Toni Mang wird bei seinem letzten Grand Prix am Ring Achter.199027. Mai: Grand Prix Deutschland. Newcomer Dirk Raudies übernimmt durch seinen zweiten Platz bei den 125ern die WM-Führung, der Holländer Wilco Zeelenberg schlägt in einem Herzschlagfinale den 250er Favoriten John Kocinski, und im 500er Rennen ist Kevin Schwantz erneut an der Spitze. Der Schnitt seiner schnellsten Runde: 165,084 km/h. Danach wandert der deutsche GP für vier Jahre ins Motodrom von Hockenheim.199521. Mai: Grand Prix Deutschland. Beim WM-Comeback in der Eifel sorgt das kalte Wetter für zahlreiche Stürze. Auch 250er Favorit Ralf Waldmann erwischt es bei seinem Heimspiel, während Max Biaggi auf der Aprilia souverän gewinnt. Die anderen Sieger heißen Haruchika Aoki (125 cm³), Daryl Beattie (500 cm³) und Dixon/Hetherington (Gespanne). Keinem Fahrer gelingt es, die 500er Rekordmarke von Kevin Schwantz vom GP 1990 zu unterbieten.19967. Juli: Grand Prix Deutschland. Ralf Waldmann gewinnt als erster deutscher Fahrer auf der 250er Werks-Honda einen WM-Lauf auf dem neuen Ring. Olivier Jacque wird Zweiter. Jürgen Fuchs prescht in der Schikane kurz vor dem Ziel geradeaus über den Schotter und drückt sich noch an Weltmeister Biaggi vorbei - Platz drei. Masaki Tokudome vom deutschen Ditter-Team triumphiert im 125er Rennen, während Luca Cadalora bei den 500ern siegt. Der Rundenrekord von Kevin Schwantz bleibt weiter bestehen.

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