Die treuesten Nürburgring-Fans (Archivversion)

Souvenirs, Souvenirs

Historische Plakate, Programmhefte, Eintrittskarten, Autogramme und Plaketten: die Erinnerungsstücke der eingeschworenen Nürburgring-Fans.

Wer eines der großen Rennen auf dem alten Nürburgring miterlebt hat, erinnert sich gern. Schon freitags rollten die Auto- und Motorradkolonnen heran, bei den markanten Streckenpunkten wie Hatzenbach, Adenauer Forst, Breidscheid, Karussell, Brünnchen oder Schwalbenschwanz wuchsen riesige Zeltstädte aus dem Boden. Äxte krachten, schon bald roch es auf den riesigen Naturtribünen nach Lagerfeuer, Grillwürsten und Steaks. Die ganz robusten reihten ihre Bierflaschen wie Trophäen aneinander oder hängten die Pullen an langen Schnüren von Zelt zu Zelt.Daß sich die Eifel oft von ihrer regnerischen Seite zeigte und die Fans entlang der 22,8 Kilometer langen Nordschleife nur alle sieben, acht Minuten die Rennfahrzeuge bewundern konnten, tat der Begeisterung keinen Abbruch. Man feierte unter freiem Himmel einfach eine große Sause. Und wer die Strecke entlangwanderte, um die verschiedenen Kurvenkombinationen zu studieren, hatte garantiert keine Langeweile. So kamen noch in den sechziger und siebziger Jahren mehr als 100 000 Zuschauer zu den großen Events wie dem Motorrad-Grand Prix - rund viermal so viele wie heute.Die Erinnerungen an die goldenen Zeiten des mittlerweile 70 Jahre alten Nürburgrings sind aber bei vielen damaligen Besuchern nicht nur in den Köpfen präsent, sondern auch in Form von unzähligen Souvenirs. Das zeigten die MOTORRAD-Leser, die sich auf unseren Aufruf hin als treue Ring-Fans gemeldet hatten. Plakate, Programmhefte, Eintrittskarten, Plaketten, Anstecknadeln, Autogramme und Fotos en masse brachten sie zu einem Treffen an die Eifelpiste mit. Dabei stand auch eine Diskussion mit prominenten Rennfahrern auf dem Programm, die ein Stückchen Ring-Geschichte mitgeschrieben haben: die Ex-Weltmeister Dieter Braun und Rolf Steinhausen, Nordschleifen-Rekordhalter Helmut Dähne sowie Martin Wimmer, der erste deutsche Yamaha-Cup-Sieger und spätere Grand Prix-Star.Für Leser Louis Schneider war das Treffen eine Reise in die eigene sportliche Vergangenheit. Zwischen 1963 und 1966 hatte der Münchner mit seiner BMW auf der kürzeren Südschleife an den Rennen zum 500er Juniorenpokal teilgenommen. In den damaligen Starterlisten, die der heute 68jährige nebst Fotos archiviert hat, tauchen interessante Namen auf. Klaus Enders zum Beispiel, später sechsfacher Gespann-Weltmeister, oder eben Dieter Braun, der 1970 die 125er WM gewann und 1973 den 250er Titel holte. Auch Gespann-Star Rolf Steinhausen war zu Schneiders Zeiten noch als Solofahrer aktiv - klar, daß die beiden bei dem Treff einiges zu schnacken hatten.In den sechziger und siebziger Jahren war der Grand Prix-Besuch am Ring auch für damalige Verhältnisse eine preiswerte Angelegenheit. Beim WM-Lauf im August 1976 kostete die Start- und Zielplatzkarte 15 Mark. Wer das Doppelte hinlegte, konnte auch auf die Haupttribüne rauf. »Da war was los, als die Motorräder nur wenige Meter von den Zuschauerplätzen entfernt losgedonnert sind«, beschreibt Hans Eling, Besitzer der beiden 1976er Tickets, die hautnahe Ring-Atmosphäre jener Tage. Für ein paar Mark mehr kam man zudem ins Fahrerlager, erzählt der Polizeibeamte aus Mülheim/Ruhr, und ärgert sich, daß es heute keinen Zugang mehr ins Camp der GP-Profis gibt: »Es ist zum Kotzen.«Für Rudolf Ohlenhard, in einem Eifeldorf in der Nähe des Rings geboren, ist der legendäre Rennkurs quasi zur zweiten Heimat geworden. 1947 war er als achtjährige Steppke zum ersten Mal mit seinem Vater an der Strecke gewesen, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat. Fast alle großen Rennen am Nürburgring hat der 59jährige Großhandelskaufmann im Lauf der Zeit gesehen, am meisten haben ihn dabei die Motorräder fasziniert. Stolz ist Ohlenhard auf seine Sammlung historischer Rennplakate, beginnend mit dem Eröffnungsrennen von 1927. Ferner besitzt er sämtliche Plaketten, die jemals vom Nürburgring geprägt wurden.Auch Oliver Knospe, einer der jüngsten im Kreis der von MOTORRAD eingeladenen Ring-Fans, kennt den Kurs dank seinem Motorsport-begeisterten Vater von Kindesbeinen an. Viele Rennbesuche seit 1967 kann der 36jährige Installateur aus Gelsenkirchen mit Rennprogrammen, Plakaten und einem dicken Fotoalbum dokumentieren.Erwin Schäfer ist mit 77 nicht nur der Senior der Runde, sondern er nennt auch ein ganz besonderes Souvenir sein eigen: eine Mutter vom Zylinderkopf des berühmten Auto Union-Grand Prix-Wagens der dreißiger Jahre. Vom Eifelrennen 1936 bis zum Motorrad-Grand Prix 1976 , als Giacomo Agostini mit der MV Agusta den letzten Sieg einer Viertaktmaschine in der 500er WM schaffte und Toni Mang bei den 125ern seinen ersten WM-Lauf gewann, war Schäfer häufiger Nürburgring-Gast. Da mangelt es nicht an Anekdoten wie dieser: »Beim ersten Rennen nach dem Krieg reisten wir mit dem Lkw an. Auf die Eintrittskarte gab es eine Flasche Wein, eine Wurst mit Kartoffelsalat und eine Menge Betrunkene.« Mit solchen Angeboten lassen sich natürlich heute keine Fans mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Die Zeiten und der Ring haben sich geändert. An dem neuen, 1984 eröffneten Kurs scheiden sich die Geister: Für die Fahrer ist er anspruchsvoll und sicher, das Motorradpublikum kritisiert die sterile Atmosphäre und die große Distanz zwischen den Tribünen und der Strecke. Für die treuesten Fans ist der Ring aber nach wie vor Pflicht. Vielleicht auch deshalb, weil sich ein Rennbesuch auf dem neuen Kurs prima mit einer Nostalgietour verbinden läßt: Die gute alte Nordschleife liegt ja gleich nebenan.
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Nürburgring-Fans, treue, im Porträt (Archivversion) - Louis Schneider, Rolf Steinhausen

Alte Liebe rostet nicht: Für Louis Schneider (links und im Hintergrund auf seiner BMW beim Eifelpokalrennen 1966) ist der Nürburgring noch heute aktuell. So oft es geht, dreht der Münchner auf der Nordschleife bei Lehrgängen seine Runden. Über mangelnde Zeit kann er nicht klagen: vor zehn Jahren hat sich der ehemalige Konstrukteur bei BMW in den Ruhestand verabschiedet. Wie Schneider fuhr auch Rolf Steinhausen früher mit einer BMW Solorennen, bevor er ins Gespann wechselte und 1975 und 1976 zwei Weltmeisterschaften gewann. Der erste Versuch mit der BMW 1963 am Nürburgring endete für ihn aber sehr schmerzhaft: Sturz am Brünnchen und schwere Kopfverletzungen. Heute leitet Rolf Steinhausen ein Busunternehmen und kümmert sich um die Karriere von Sprößling Jörg, der 1997 auf Anhieb deutscher Gespann-Meister wurde.

Nürburgring-Fans, treue, im Porträt (Archivversion) - Rudolf Ohlenhard

Der Ring ist sein Ding: Rudolf Ohlenhard besucht nahezu jedes Rennen und sammelt Nürburgring-Souvenirs, was das Zeug hält. Besonders stolz ist er auf seine Plaketten. Ob Nürburgring-Eröffnung 1927, Einweihung des neuen Grand Prix-Kurses und des Rennsport-Museums 1984 oder diverse Jubiläen - alle wichtigen Stationen aus der reichen Historie seiner Lieblingsstrecke kann der Ring-Fan aus der Eifel mit entsprechenden Plaketten dokumentieren. Ohlenhards Exemplare sind heute nicht mehr käuflich und in Sammlerkreisen wohl entsprechend wertvoll. Alte Rennplakate, unter anderem aus den zwanziger und dreißiger Jahren, sowie Fotos und Bücher komplettieren sein umfangreiches Archiv zum Thema Nürburgring.

Nürburgring-Fans, treue, im Porträt (Archivversion) - Oliver und Falko Knospe

Ring-Fans von klein auf: Oliver Knospe (rechts) aus Gelsenkirchen war 1967 als sechsjähriger Steppke zum ersten Mal beim Eifelrennen und hat die vom Vater gesammelten Erinnerungsstücke mittlerweile mit eigenen Souvenirs komplettiert. So kann er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Falko inzwischen eine sehenswerte Kollektion an Rennprogrammen und ein Plakat vom Grand Prix 1978, dem vorletzten WM-Lauf am alten Ring, präsentieren. Dazu gibt´s natürlich ein dickes Fotoalbum. Früher genossen die Knospes die tolle Nürburgring-Lagerfeuer-Atmosphäre beim Camping an ihrem Stammplatz im Brünnchen, die Brüder kommen aber auch zu den Rennen am neuen Ring. »Wir mußten uns umgewöhnen«, so Oliver Knospe, »aber jetzt schätzen wir die gute Infrastruktur und die sauberen Wege an der neuen Strecke.“

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