Die TT Legende (2)

Foto: Masters
In den Zwanziger Jahren gab es die ersten TT-Superstars, Alec Bennett war einer von ihnen. Zu seinen fünf Siegen zählte auch jener bei der Junior-TT 1926, wo ihn die neue Königswellen-Maschine mit Fußschaltung derart überzeugte, dass er seinen Vertrag mit der Firma Velocette rein auf das Erfolgshonorar abschloss. Walter Handley sorgte für das erste „Doppel“ als er 1925 sowohl die Junior-TT als auch die Ultra Lightweight-TT (175 cm³) gewinnen konnte. Freddie Dixon gewann als Einziger TT-Rennen auf zwei, drei und vier Rädern.

Die erste Seitenwagen-TT wurde 1923 gefahren, Dixon siegte auf Douglas. Doch nach drei Jahren verzichtete man wieder auf diesen spektakulären Programmpunkt, die Hersteller befürchteten, dass die akrobatische Fahrweise mit den Gespannen dem Image des braven Familien-Fahrzeugs schaden könnte.
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Foto: Snelling
Dixons TT-Sieg für Riley folgte 1935 nachdem die Tourist Trophy für Automobile nach Irland verlegt worden war. Mitte der Zwanziger Jahre begannen sich auch die italienischen Motorradhersteller für die TT zu interessieren. Pietro Ghersi auf Moto Guzzi wurde 1926 nach seinem zweiten Platz im 250 cm³-Rennen disqualifiziert, da er eine andere Zündkerzen-Marke als bei der Abnahme eingetragen, verwendet hatte. Immerhin blieb ihm als Genugtuung mit 101 km/h die schnellste Runde. In den 30er-Jahren war die Strecke dann durchgehend mit einer Teerdecke versehen und im Hochland durch Weidezäune vor streunenden Schafen gesichert.

Die Motorräder hatten sich zu reinrassigen Rennmaschinen weiterentwickelt, von immer zahlreicheren Zuschauern ehrfürchtig bestaunt. Die meisten Besucher kamen per Bahn und Fähre für einen Tagesausflug zur Senior-TT. Die Manx-Regierung sorgte mit Reisekosten-Zuschüssen für mehr ausländischen Zuspruch vor allem von Fahrern aus den britischen Commonwealth-Ländern.

Der erste japanische Teilnehmer war 1930 Kenzo Tada auf Velocette. Rudge-Whitworth feierte mit seinen Vierventil-Einzylindern 1930 den Einstieg ins neue Jahrzehnt durch einen Doppelschlag bei Junior- und Senior-TT, aber die Firma wurde bald durch die Wirtschaftskrise empfindlich getroffen.

Norton hatte mehr Glück und dominierte in den folgenden Jahren nicht nur die TT sondern die internationalen Rennen überhaupt. Zu den drei Senior-TT-Erfolgen in den 20er-Jahren kamen im nächsten Jahrzehnt folgende Resultate hinzu: sieben Siege, fünf zweite und acht dritte Plätze bei den 500ern sowie sieben Siege, sieben zweite und vier dritte Plätze bei den 350ern. Die Königswellen-Einzylinder warteten 1936 mit Geradweg-Hinterradfederung und 1937 mit zwei obenliegenden Nockenwellen auf. Die Norton-Werksfahrer genossen ein Ansehen wie Fußball- oder Box-Stars, angefangen vom Playboy Percy „Tim“ Hunt aus Lancashire über den harten Schotten Jimmy Guthrie und den Steinmetz Freddie Frith, den unerschütterlichen Jimmy Simpson, Harold Daniell aus London mit seinen dicken Brillengläsern und dem legendären Stanley Woods.

Simpson siegte nur ein einziges Mal bei der TT, zum Abschluss seiner Karriere 1934 auf der Rudge 250, doch er war einer der Allerschnellsten und fuhr zahlreiche Rundenrekorde – fiel aber ebenso oft aus. Er war jeweils der erste Fahrer, der die Rekordmarken von 60, 70 und 80 Meilen pro Stunde als Rundendurchschnit setzte.

Der Dubliner Stanley Woods war ein talentierter Fahrer und gewitzter Taktiker, dazu noch mit einem Gespür für Publicity. Als Norton-Werksfahrer nützte er erstmals Telefon-Verbindungen um über den ganzen Kurs hinweg durch Helfer mit Anzeigetafeln über den Verlauf des Rennens informiert zu sein. Er bestach dazu die Leute in den Telefonvermittlungsstellen mit Süßigkeiten aus seiner eigenen Herstellung. 1934 fuhr Stanley Woods für Husqvarna, der schwedische V-Zweizylinder blieb allerdings – an zweiter Stelle liegend – mit leerem Tank stehen. Änderungen an der Vergaser-Bestückung hatten den Verbrauch zu stark erhöht.

Im Jahr darauf fuhr er Moto Guzzi und dieses Mal passte die Taktik. Jimmy Guthrie hatte seinen Boxenstopp bereits absolviert und die Norton nachgetankt, der Vorsprung war groß. Als sich die Guzzi-Mechaniker zum Boxenstopp bereit machten, ließ Norton-Rennleiter Joe Craig seinem Fahrer signalisieren, dass er seine Geschwindigkeit zurücknehmen könne. Aber Woods hielt nicht an, die Vorbereitungen war nur gespielt, denn er hatte nach dem Abschlusstraining unbemerkt einen größeren Tank montieren lassen.
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Foto: Woollett
Auf seiner siebten und letzten Runde fuhr er mit 139,25 km/h neuen Rekord und schlug den 15 Minuten vor ihm gestarteten Guthrie noch um vier Sekunden. Unter den Ehrengästen befand sich 1935 auch der NSU-Chef Baron von Falkenhayn, er sah seinen Werksfahrer Oskar Steinbach bei der Senior-TT auf Platz Fünf ins Ziel kommen.

Drei Jahre später gab es den ersten deutschen Erfolg zu feiern, als Ewald Kluge mit der DKW ULD 250 die Lightweight-TT für sich entschied. Der Ladepumpen-Zweitakter war so laut, dass man ihn in Cumbria, 55 km entfernt auf dem englischen Festland noch hören konnte. Jock West fuhr zum zweiten Mal die Kompressor-BMW ins Ziel, im Vorjahr auf Platz Sechs, jetzt als Fünfter.

Schorsch Meier wurde 1939 extra für die TT vom Auto Union-Rennwagenteam freigestellt. Er gewann als erster Nicht-Engländer (oder Ire) die Senior-TT vor seinem BMW-Mannschaftskameraden Jock West. In die Freude über diesen großartigen Erfolg für Deutschland mischte sich allerdings auch die Trauer über den in der Trainingswoche tödlich verunglückten dritten BMW-Werksfahrer Karl Gall.

Erneut unterbrach ein Weltkrieg das Renngeschehen, erst 1947 gab es die nächste TT. Harold Daniell gewann das Senior-Rennen mit der Vorkriegs-Werks-Norton, er konnte aufgrund des niederoktanigen Kraftstoffs nicht an seinen fabelhaften Rundenrekord von 146,45 km/h anschließen, den er 1938 mit Benzin-Benzol-Gemisch erzielt hatte.

Neu im Programm war die Clubmans-TT für Privatfahrer auf straßenzugelassenen Serienmotorrädern. Das Interesse richtete sich zunächst auf die 1000 cm³-Vincent, aber als später fast nur noch BSA Gold Star die Rennen bestritten, verloren sie schnell wieder an Bedeutung. 1949 wurde die TT Bestandteil der neu geschaffenen Weltmeisterschaft des internationalen Motorradsportverbands FIM.

Les Graham – im Krieg als Bomberpilot unterwegs – war der Sieg mit dem sensationellen neuen AJS-Twin „Porcupine“ nicht vergönnt, als auf der letzten Runde der Magnetzünder versagte und Harold Daniell erneut mit der alten Norton gewinnen konnte. Vorkriegsfahrer und Vorkriegs-Modell waren auch bei der Junior-TT die erfolgreiche Kombination: Freddie Frith auf Velocette.

Mit dem neuen Fahrwerk namens „Federbett“ und dem aufstrebenden Jung-Star Geoff Duke im Sattel holte Norton 1950 die nächste Senior-TT und mit 150,2 km/h einen neuen Rundenrekord. Dukes große Erfolge ließen ihn zum englischen Nationalhelden werden, umso enttäuschter zeigten sich seine Landsleute als er 1953 auf die Vierzylinder-Gilera wechselte.

Er führte auch damit wieder bei der Senior-TT bis er in der langsamen Kurve bei Quarterbridge das Gas zu früh aufriss und stürzte. Nortons wilder Rhodesier Ray Amm gewann das Rennen obwohl auch er später noch einen Ausrutscher gehabt hatte. Das Ergebnis überschattete der Todessturz von Les Grahams, den kurz nach dem Start auf dem Vollgas-Bergab-Abschnitt bei Bray Hill seine MV Agusta abgeworfen hatte.

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