Die TT Legende (3)

Fotos: Masters, Snelling, Woollett
Moto Guzzi dominierte seit 1947 die Lightweight-TT, nur unterbrochen von Dario Ambrosini 1950 mit der Benelli, aber 1953 machten Werner Haas und NSU mit zweiten Plätzen bei den 250ern und der im Vorjahr eingeführten 125 cm³-TT auf sich aufmerksam. Die NSU-Mannschaft war in großem Stil aufgetreten und tat dies auch im Jahr darauf, als Werner Haas mit der NSU Rennmax einen 250 cm³-Dreifacherfolg anführte und Rupert Hollaus mit der NSU Rennfox die 125er-MV Agustas besiegte.
Ein aufmerksamer Fahrerlagergast war Soichiro Honda, von dessen Firma zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand in Europa gehört hatte. Die Rennen waren aufgrund der tödlichen Unfälle erneut in die Kritik geraten. 1954 fuhren die 125er und die erstmals wieder teilnehmenden Seitenwagenmaschinen von Douglas aus auf dem 17,4 km langen Clypse-Kurs, der sehr schmale, kurvenreiche und holprige Streckenabschnitte bereithielt.

Der Weltmeister Eric Oliver gewann mit seinem vollverkleideten Norton-Gespann. Auf dem „Mountain-Circuit“ wurde das Überschreiten der 100 Meilen-Grenze erwartet, doch das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung. Ebenso ist es auch Geoff Duke ergangen, ein vorzeitiger Rennabbruch nach vier Runden verhalf Ray Amm (Norton) zum Sieg. Im dritten Anlauf holte sich Duke dann 1955 die Senior-TT mit der Gilera. Walter Schneider/ Hans Strauss gewannen mit dem BMW-Gespann als Auftakt zur großartigen TT-Geschichte der RS-Boxer aus München. Carlo Ubbiali holte mit der MV Agusta 125 den ersten seiner fünf TT-Siege. Als „Silver Jubilee“-Rennen wurde die TT 1957 zum 50-jährigen Jubiläum ausgetragen.

Bob McIntyre trug sich in die Geschichtsbücher ein, als er mit der Gilera endlich den lang ersehnten Rundenrekord (162,7 km/h) fuhr. Im Verlauf der auf acht Runden (485,75 km!) verlängerten Senior-TT fuhr er vier Mal Rundenschnitte von über 161 km/h. Die Junior-TT gewann er ebenfalls, mit dem 350 ccm-Vierzylinder von Gilera. Auch Graf Boselli konnte zwei TT-Siege seiner Mondials feiern: 125-Tarquinio Provini, 250-Cecil Sandford. Der Clypse-Kurs wurde 1960 nicht mehr befahren, alle fünf Rennen fanden auf der langen Strecke, dem Mountain-Circuit, statt.

MV Agusta betrieb als einziger italienischer Hersteller auch nach 1957 noch einen Werksrennstall und dominierte in diesem Jahr die Solo-Klassen bei der TT. Gesprächsthema Nummer Eins war jedoch Honda, bei ihrem ersten Auftreten im Vorjahr hatten die Japaner bei der 125 ccm-TT die Team-Wertung gewonnen. 1960 starteten die die Australier Bob Brown und Tom Phillis als Honda-Werksfahrer zusätzlich zu den 125er-Zweizylindern auf unheimlich lauten 250er-Vierzylindern.

Hondas endgültiger Durchbruch bei der TT folgte 1961, als Mike Hailwood durch die guten Beziehungen seines Vaters zu Werksmaschinen kam. Die japanische Marke konnte in beiden Klassen Dreifachsiege feiern und zeigte sich für künftige Grand Prix-Einsätze bestens vorbereitet. Von 1962 an gab es analog zur Weltmeisterschaft bei der TT auch eine 50 cm³-Klasse. Das Renngeschehen profitierte zusätzlich durch den Einstieg von Suzuki und Yamaha, denn die drei kleinsten Hubraumklassen waren damit so hart umkämpft wie nie zuvor.

Honda weitete sein Engagement noch aus, Jim Redman gewann 1963 die Junior-TT und dreimal in Folge jeweils das Doppel – 250 und 350. Ernst Degner brachte 1962 Suzuki den ersten Sieg in der 50 cm³-Klasse. Für Yamaha war Phil Read erstmals 1965 bei den 125ern erfolgreich. Mike Hailwood ließ 1965 einmal mehr sein überragendes Talent aufblitzen, er gewann die Senior-TT trotz Sturzschäden an seiner Maschine. Sein MV-Teamkamerad Giacomo Agostini war in der selben Kurve zu Boden gegangen, musste allerdings danach aufgeben.

"Mike the Bike“ war zu Honda gewechselt und kämpfte nach seinem Sieg mit der 250 cm³-Sechszylinder-Honda (Durchschnittsgeschwindigkeit für sechs Runden: 167,84 km/h) wild entschlossen mit der störrischen Vierzylinder-500er RC 181 um in der Senior-TT Agostini zu schlagen. Zum 60-jährigen Jubiläum wurde 1967 die Production-TT für Serienmaschinen in den Klassen 250, 500 und 750 ccm neu ins Programm genommen. Nach dem Doppelsieg durch die Bultaco Metralla mit ungedämpften Zweitakt-Rennauspuffanlagen gab es Diskussionsbedarf über die Zulassungs-Kriterien. Bei herrlichem Sonnenschein richtete sich auch diesem Jahr wieder das Hauptaugenmerk auf das Duell Hailwood gegen Agostini. Sie drehten eine Rekordrunde nach der anderen bis ein gelockerter Gasgriff an der Honda Hailwood stark behinderte. Agostini sah wie der sichere Sieger aus – doch dann riss an der MV Agusta die Kette. Der Italiener war untröstlich, Hailwood sagte jedoch, dass er seinen 12. TT-Sieg nicht auf diese Weise holen wollte.

Während Hailwood in den Automobilsport wechselte, gewann „Ago“ bis 1972 noch fünf Senior- und vier Junior-TTs. Er kehrte danach der Isle of Man den Rücken, denn 1972 war sein Freund und Landsmann Gilberto Parlotti im 125 cm³-Rennen im Hochmoor von der nassen Fahrbahn abgekommen und tödlich verunglückt. Der Morbidelli-Fahrer war zum ersten Mal bei der TT am Start und das nur um wertvolle Punkte für die Weltmeisterschaft zu sammeln.
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Fotos: Masters, Snelling, Woollett
Phil Read und der neue englische Star Barry Sheene sprachen sich auch deutlich gegen die TT aus.Die aufwendigen V-Vierzylinder-Yamahas waren 1968 noch einmal zu sehen, Bill Ivy fuhr mit der 125er-Ausführung eine sensationelle 100 Meilen-Runde, das Rennen gewann jedoch Phil Read, während Ivy sich bei den 250ern schadlos halten konnte.

Die käuflichen Yamaha-Rennmaschinen traten die Nachfolge an, sie lösten die alten englischen Viertakter bei den Privatfahrern ab. Auf 354 cm³ Hubraum aufgebohrt waren damit sogar Siege in den Klassen bis 750 oder 1000 cm³ möglich.

Die Werksfahrer und Grand Prix-Stars kamen kaum mehr auf die Isle of Man. Doch englische Spitzenfahrer feierten dort weiter große Erfolge mit ihren Yamahas, wie etwa Chas Mortimer (8 Siege) und Charlie Williams (9 Siege). Peter Williams war der letzte erfolgreiche TT-Fahrer auf AJS- und Matchless-Einzylindern, doch Agostini hatte er sich stets beugen müssen. Sein längst verdienter TT-Sieg kam 1973 mit der John Player-Norton in der Formel 750 zustande, deren Monocoque-Rahmen er selbst konstruiert hatte.

Von 1968 an gab es eine zweite Seitenwagen-Klasse mit 750 cm³ um den englischen Fahrern mit BSA- und Triumph-Twins die Teilnahme zu ermöglichen. Zum neuen TT-Star am Gespann-Lenker wurde jedoch Siegfried Schauzu aus Deutschland, er gewann bis 1975 neun Seitenwagen-TTs. Seine Erfolge und jene durch Klaus Enders, Schorsch Auerbacher, Heinz Luthringhauser und Rolf Steinhausen zogen in den 70er-Jahren immer mehr Zuschauer aus Deutschland an.

Sie konnten auch den BMW-Solofahrern Helmut Dähne und Hans-Otto Butenuth zujubeln. Sie galten 1975 als Favoriten der auf zehn Runden (607 km) verlängerten Production-TT, doch die ex-Werks Triumph Trident „Slippery Sam“ gewann zum fünften Mal, Dave Croxford und Alex George waren die Fahrer. Die TT entwickelte sich zu regelrechten Motorrad-Festwochen nachdem Sprintrennen, Motocross und Trials sowie viele Club- und Markentreffen als umfangreiches Rahmenprogramm aufgeboten wurden.

Ab 1977 entfiel die Isle of Man als Veranstaltungsort für WM-Läufe aus dem Kalender, als eine Übergangslösung rief die FIM eine eigene TT Formel-Weltmeisterschaft ins Leben. Zunächst nur im Rahmen der TT ausgetragen, sollten die drei Klassen für modifizierte Serienmotorräder später auch in Dundrod in Nordirland und Villa Real in Spanien an den Start gehen.

In der TT-Formel 2 konnte Ducati einige Jahre mit der Pantah 600 brillieren, überlebt hat aber schließlich nur die TT-Formel 1. Sie wurde bis 2004 auf der Isle of Man gefahren und bot unabhängig davon 1988 die Ausgangsbasis für die Superbike-WM. Phil Read, bisher als einer der lautesten Kritiker der TT hervorgetreten, kehrte 1977 zurück. Ein fürstliches Startgeld und eine Honda-Werksmaschine stellten überzeugende Argumente dar. Mit einem 820 cm³-Motor im RCB-Fahrwerk gewann er vor Roger Nicholls auf einer Ducati und fügte damit seinen bisherigen sieben WM-Titeln noch einen weiteren hinzu.
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Fotos: Masters, Snelling, Woollett
Ein noch wesentlich sensationelleres Comeback sollte sich im Jahr darauf abspielen. Nach 12 Jahren Pause stand Mike Hailwood wieder am Start. Diese Ankündigung allein hatte für einen bisher nie gekannten Zuschauerandrang gesorgt. Und „Mike the Bike“ schrieb in der Tat Motorradgeschichte mit seinem TT-Formel 1-Sieg auf der werksunterstützten Ducati 900 von Sports Motor Cycles aus Manchester. Er war damit schneller unterwegs als Phil Read auf der 888 cm³-Werksmaschine von Honda, der schließlich mit einem geborstenen Ölkühlerschlauch aufgeben musste.

In den anderen Klassen hatte Hailwood kein Glück, doch schlimmer erging es dem Amerikaner Pat Hennen, der die erste TT-Runde in weniger als 20 Minuten schaffte (183,19 km/h) aber mit seiner Suzuki 500 später einen schweren Unfall hatte, der seine Rennkarriere beendete. Mike Hailwood ging auch 1979 noch einmal an den Start.

Das seit der Wikinger-Zeit bestehende Parlament der Isle of Man namens „Tynwald“ feierte das 1000-jährige Jubiläum, die Millenium-TT war deshalb finanziell bestens ausgestattet. Auf einer Suzuki 500 gewann Hailwood seine 14. TT. Um viel Geld ging es auch in den Achtziger Jahren als sich die Werksteams von Suzuki und Honda auf der Isle of Man um die Vorherrschaft bei den Publikums wirksamen Viertaktrennen in der TT-Formel 1 und der Classic-TT duellierten.

Ein talentierter Ire namens Joey Dunlop machte ihnen allerdings 1980 einen Strich durch die Rechnung, er besiegte Mick Grant und Ron Haslam mit einer eigentlich schon ausgedienten Yamaha TZ 750 und kam dabei als erster Fahrer auf einen Rundenschnitt von über 115 mph (185,06 km/h). Honda sicherte sich seine Dienste für 1981.

In diesem Jahr gewann allerdings Graeme Crosby beide Rennen für Suzuki. Ron Haslam sollte 1982 den Reigen von 17 TT-F 1-Siegen in Folge für Honda eröffnen. Die Mehrzahl davon.-. allein sieben. - erzielte er mit Vierzylinder-V-Motoren. Umstritten war die Rückkehr der nach 1976 eingestellten Serienmaschinen-Rennen, nach vier Austragungen blieben ab 1990 nur die 600 und 400 cm³-Supersport-Klassen im Programm. Die Leistungsexplosion in der 1000er-Klasse ließ sich auf dem anspruchsvollen TT-Kurs mit Standard-Fahrwerken und Straßenreifen nicht mehr bewältigen, Todesstürze von Spitzenfahrern bewirkten schließlich ein Umdenken.

Unter den ausländischen Teilnehmern errangen zwei Deutsche einen besonderen Status. Zum Einen war dies Klaus Klein, der von 1981 bis 1987 TT-Rennen bestritt und dann beim Ulster Grand Prix ums Leben kam. Margret Lingen sorgte 1984 für Aufsehen als bis dahin schnellste weibliche Teilnehmerin.

Von 1989 an entwickelte sich wieder ein harter Zweikampf um Siege und Rundenrekorden zwischen dem Schotten Steve Hislop und Carl Fogarty aus Lancashire, zeitweilig hatte beide das gleiche Material von Honda zur Verfügung. Den Höhepunkt lieferten sie allerdings 1992 auf höchst unterschiedlichen Motorrädern.

Hislop gewann die Senior-TT auf der Wankel-Norton, Fogarty fuhr mit der Yamaha FZR 750 einen neuen Rundenrekord von 198,93 km/h, der sieben Jahre Bestand haben sollte. Die 125 cm³-TT wurde ab 1989 wieder ins Programm genommen und zur Dunlop-Familiensache, Joey gewann fünf Mal, sein jüngerer Bruder Robert vier Mal. Allerdings war die TT in den Neunziger Jahren doch recht weit vom internationalen Spitzensport entrückt.

Die Veranstalter machten das Beste daraus und bezeichneten die Isle of Man als „World Capital of Road Racing“. Damit unterstrich man den Charakter der traditionellen Straßenrennen, wie sie heute ansonsten nur noch in Irland ausgetragen werden. 1998 feierte Honda bei der TT das 50-jährige Firmenjubiläum.

Schlechtes Wetter und verletzte Stars wie der junge Ire Phillip McCallen und die Dunlop-Brüder ließen nichts Gutes ahnen. Doch Hondas siegten trotzdem in fast allen Rennen, unter anderem auch bei den beiden Rennen der Seitenwagen-TT, wo Dave Molyneux und Rob Fisher CBR 600-Motoren fuhren.

Die Gespanne fahren seit 1990 nach dem F 2-Reglement: keine Achsschenkellenkung, Serienmotoren mit 350 ccm (Zweitakt) oder 600 ccm (Viertakt). Jim Moodie aus Schottland präsentierte Honda den 100. TT-Sieg mit einer CBR 900 Fireblade.

Joey Dunlop trumpfte 2000 wieder einmal groß auf, der 48-Jährige war bereits zur Legende geworden, gewann aber wiedrum die Formel 1-TT mit der Honda VTR SP1-Werksmaschine, die Lightweight-TT auf einer Honda RS 250R und die Ultra-Lighweight-TT auf einer Honda RS 125R. In der Senior-TT wurde er Zweiter, aber mit einem neuen Rundenrekord von 199,34 km/h. Es war dies nicht nur die letzte Runde im Rennen sondern zugleich auch seine letzte Runde auf der Isle of Man. Joey Dunlop verunglückte nur wenige Wochen später bei einem Straßenrennen in Estland tödlich.

Im Jahr 2001 fand keine TT statt, sie wurde aufgrund der in Englands Rinderställen herrschenden Maul-und-Klauen-Seuche abgesagt. Die Rennen 2002 hatten mit David Jefferies einen neuen Star. Der bullige und joviale junge Mann aus der Rennfahrerfamilie in Yorkshire hatte zwei Jahre zuvor Joey Dunlop besiegt und ließ seine weiteren Erfolge spielerisch aussehen, so locker schien er zur Sache zu gehen.

Umso tiefer saß der Schock als er 2004 bei einem schrecklichen Trainingssturz mit über 250 km/h in der Ortschaft Crosby sein Leben lassen musste. In diesem Jahr hatte erstmals der Manx Motor Cycle Club die Organisation der TT von der britischen Auto Cycle Union übernommen. In allen Klassen gehen seither nun seriennahe Motorräder an den Start (wie 1907) und fast alle weisen dohc-Vierzylindermotoren auf.

Gleichzeitig wurden Anstrengungen unternommen, mehr Fahrer über England und Irland hinaus zu bekommen damit der internationale Charakter der TT nicht allein auf die so zahlreich aus aller Welt anreisenden Zuschauer beschränkt bleibt. Die Zukunft der TT ist ungewiss, das war sie in den vergangenen 100 Jahren aber schon des öfteren!

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