Die Zeit des Zahnes (Archivversion) Die Zeit des Zahnes

Bis zum spektakulären Sporttourer-Eigenbau des Kollegen »Mini« Koch, der auf der INTERMOT Premiere feierte, herrschte bei MOTORRAD der Eindruck, Motorradfahrerinnen und -fahrer seien in bezug auf die Antriebsart ihrer Maschinen eher Traditionalisten. Beim Image schien die Kette eindeutig vor dem Kardan zu liegen - und ein müdes Lächeln blieb für den Zahnriemen, dem insgeheim Warmduscher-Apeal anzuhaften schien. Aber die Flut von Leseranfragen per Brief, Fax und E-Mail, vor allem aber der Hilfeschrei der auf Zahnriemen spezialisierten Firma VH in Oldenburg beweisen eine erstaunliche Trendwende. Während die Männer am anderen Ende der Republik wegen der an Telefonblockade grenzenden Nachfrage um Auszeit baten, damit sie einbaufertige Zahnriemenkits entwickeln können, griff Koch in die Tasten des Computers: Die Story über die Weiterentwicklung und mögliche Weiterverbreitung des Zahnriemens ist nach dem Praxistest des Eigenbaus ab Seite 28 zu lesen.Obwohl die Zeiten der gesprengten Ketten durch die Entwicklungsstufen O- und X-Ring längst Vergangenheit sind, bleiben beim Bauartprinzip der Kette trotz der Verzehnfachung der Laufleistung auf 30.000 Kilometer einige Nachteile. Am wichtigsten sind dabei neben lästigen Lastwechselreaktionen der ständige Wartungsaufwand durch Spannen und Schmieren sowie die Umweltbelastung. Letztere aber nicht nur durch Auswaschen und Abschleudern der Schmiermittel, sondern besonders wegen der Emissionen. Der Zahnriemen auf dem MOTORRAD-Eigenbau lief bei einer Nahfeld-Messung um satte acht dBA leiser als das Kettenpendant.Weil Motorräder neben Auspuff- und Abrollgeräuschen vornehmlich durch den Antrieb lärmen, scheint hier nicht zuletzt auf Grund künftiger Lärmgrenzwerte auch die Motorradindustrie umzudenken. Das weltweit führende Unternehmen in Sachen Zahnriemenantrieb bekundete gegenüber MOTORRAD denn auch, bereits für mehrere Zweiradmarken zu entwickeln. Kein Wunder, schließlich sind Zahnriemen nicht nur in Antriebs- und Bearbeitungsmaschinen präsent, sondern auch im Automobilbau: zum Beispiel beim Nockenwellen-Antrieb, bei dem Saunatemperaturen herrschen. Laufleistungen von über 80.000 Kilometern sind dabei schon Standard.Wenn neben Harleys und dem neuen Yamaha-Supercruiser auch die von BMW für die Saison 2000 angekündigte Neuauflage der F 650, die nach dem Ende der Kooperation mit Aprilia in Eigenregie in Berlin gebaut werden soll, am (Zahn-)Riemen reißt, dann wir der Zahn der Zeit auch bei uns sicher an der Kette nagen.Es grüßt herzlich

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