Drei Deutsche bei der Dakar (Archivversion)

Rads-Herren

Im gegenseitigen Windschatten zum Erfolg? Die drei besten deutschen Rallye-Piloten, Dirk von Zitzewitz, Norbert Schilcher und Jürgen Mayer, wollen bei der nächsten Rallye Granada-Dakar gemeinsam zur Spitze.

Trivial Pursuit für Stollenfreaks. Welches Land stellte bei der 1998er Ausgabe der Rallye Paris-Dakar die meisten Fahrer unter den Top-ten? Und welches das größte Kontingent unter den besten 15? Gut, 30 Sekunden für die Antworten. Frankreich, Spanien, Italien? Von wegen. Südafrika, Amerika, Australien? Falsch getippt. Nur für die Lösung Deutschland gibt´s die nächste Karte. Gibt´s nicht? Gibt´s doch. Ein Blick auf die Ergebnislisten beweist: Platz sieben für Dirk von Zitzewitz, Rang neun für Jürgen Mayer sowie Position 14 für Norbert Schilcher ließen Schwarz-Rot-Gold - rein quantitativ gesehen - im vergangenen Jahr in der Tat zu den erfolgreichsten Farben im Rallye-Metier avancieren.Ein Erfolg, der hierzulande, gemeinsam mit dem Comeback von BMW (siehe Kasten Seite 142) in den Rallye-Sport, für ein wiedererstarktes Interesse an der legendären Wüstenhatz sorgte - und das famose Trio zu einem Team, dem sogenannten Shell Advance-KTM-Team Germany, für die kommende Dakar zusammenzuschweißen vermochte. Denn während Norbert Schilcher und Jürgen Mayer den Rallye-Sport gewissermaßen von der Pike auf gelernt haben, fand Dirk von Zitzewitz quasi erst als Seiteneinsteiger den Weg in die Wüste. »Atlas-Rallye 1993. Mein Horror-Trip«, erinnert sich der 30jährige. Eine Irrfahrt, die ihn ohne Benzin eine Nacht mutterseelenallein in der Wüste ausharren ließ, trieb das Nordlicht aus dem holsteinischen Ahrensbök zurück auf die gewohnten Pfade der Enduro-WM. Nicht ohne Erfolg. WM-Rang drei in der großen Viertaktklasse 1996 sowie insgesamt neun nationale Enduro-Titel sprechzen für sich. Erst als Arbeitgeber KTM nach vier Jahren Bedenkpause nochmals anklopfte, ließ sich der besonnene Dirk zu einem zweiten Versuch überreden. Zum Glück. Die persönliche Dakar-Premiere 1997 wurde mit Rang fünf einen Volltreffer - und lieferten die bittere Erkenntnis, wie matt letztlich seine glänzenden Enduro-Resultate im Vergleich zum Dakar-Erfolg außerhalb der Fachwelt wirkten. »Alle meine Enduro-Meisterschaften zusammengenommen entfachten nicht soviel Medienrummel wie dieser einzige Dakar-Auftritt. Selbst in der Gegend bei mir zu Hause kennen mich die Leute nur als den Rallye-Fahrer. Und das nach zwölf Jahren Endurosport«, blickt Dirk beinahe wehmütig auf die medienbestimmte Realität. Wobei er seinen Enduro-Resultaten mit Gratis-Material und freiem Service wenigstens den kostenlosen Rallye-Einstieg zu verdanken hat.Mit einer anderen Wirklichkeit haben Jürgen Mayer und Norbert Schilcher leben gelernt. Schon seit beinahe einem Jahrzehnt im Rallyegeschäft, wissen die beiden, was es heißt, Jahr für Jahr Sponsoren abzuklappern, um die 50 000 Mark, welche die Dakar einen Privatfahrer insgesamt kostet, aufzutreiben. Seit 1997 spannen die beiden Süddeutschen zusammen. Jürgen, als KTM-Händler im schwäbischen Ditzingen ansässig, organisiert Material, der gelernte Agraringenieur und praktizierende EDV-Spezialist Norbert aus Landsberg sucht Geld und rührt die Werbetrommel. Nach den letztjährigen Resultaten mit Erfolg. »Zum ersten Mal in unserer Karriere sind die Kosten für die nächste Dakar gedeckt«, freut sich der drahtige 39jährige Norbert, legt darüber hinaus aber wenig Wert auf die pekuniäre Seite der Wüstentrips. »Ich weiß noch genau wie der Entschluß reifte, daß ich einmal bei der Dakar dabei sein will. Nur einen Freund weihte ich in meine Pläne ein. Jahrelang erzählte ich niemandem etwas, um nicht für verrückt gehalten zu werden. Bis ich dann 1991 in Paris am Start stand«, lodert die Flamme der Begeisterung bis heute in dem Bayern. Obwohl er bei seiner Premiere zwar Dakar erreichte - allerdings ohne Motorrad und drei Tage zu spät.Wobei sich der ehemalige Moto Crosser trotz seiner späteren Rallye-Erfolge (siehe Kasten Seite 143) bewußt ist, daß der große sportliche Auftritt wohl eher Kollege Mayer vorbehalten bleibt. Hinter der permanent guten Laune des 34jährigen verbirgt sich ein findiger Geist, der den in jüngeren Jahren mit Enduro-DM-Lorbeer dekorierten Routinier zu einem der besten Navigatoren der gesamten Rallye-Szene werden läßt. Zumal der agile Schwabe in der KTM-internen Hackordnung endlich einen Platz an der Sonne ergattern möchte. Trotz zwei Siegen in der Serienmaschinen vorbehaltenen Marathon-Wertung blieb für Jürgen die Türe bei den drei KTM-Werksteams auch in diesem Jahr verschlossen. KTM 1 startet mit Heinz Kinigadner (A), Thierry Magnaldi (F), Fabrizio Meoni (I) und Giovanni Sala (I). KTM 2 bietet Jordi Arcarons (E), Alfie Cox (ZA), Joan Roma (E) sowie Rodolphe Roucourt (F) auf. Zum KTM Support-Team gehören Eric Bernard (F), Jürgen Fink (A) samt Kari Tiainen (SF). Dennoch hofft der knitze KTM-Mann nicht zu Unrecht: »Wenn alles paßt, könnte diesmal ein Platz unter den ersten Fünf drin sein. Vor Dirk und Norbert.«Insofern unterscheidet sich die neue Equipe nicht von anderen Crews im Rennsport. Auf der Piste ist sich vom Dreigestirn jeder selbst der nächste. Und wenn drei Deutsche unter den Top-ten der nächsten Dakar sowohl wünschenswert als auch realistisch sind, zum ersten Drittel der teutonischen Abordnung rechnet sich eben doch jeder gern selbst.
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Rallye Granada-Dakar: Vorschau (Archivversion) - Der zweite Anlauf: BMW bei der Dakar

Ihr Rallye-Comeback im vergangenen Jahr hätten sich die BMW-Mannen sicherlich etwas erfolgreicher vorgestellt. Von den insgesamt vier Werksfahrern sah letztlich gerade mal einer, der Franzose Jean Brucy, das Ziel - und das auch nur auf Rang 35.Kein Wunder, daß sich die bajuwarische Dakar-Armada nun mit Hochdruck auf Erfolgskurs trimmt. In technischer Hinsicht steht ein verbessertes Handling der einzylindrigen, mit Brückenrahmen ausgestatteten und von der Equipe des BMW-Teamchefs Richard Schalber aufgebauten F 650 ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch auch was das Bedienungspersonal angeht, ist Leistung gefordert. Gesundheitschecks, Konditionstests samt persönlichen Trainingsplänen stählten die weißblaue Truppe gegen den 18tägigen Streß auf Stollenrädern.Wobei die größten Hoffnungen auf den Schultern des Neuzugangs Richard Sainct liegen. Der 28jährige Franzose gilt mit zwei Siegen bei der Atlas-Rallye durchaus als Mann für den Gesamtsieg, dem wiederum Jean Brucy und vor allem der smarte Spanier Oscar Gallardo im Kampf um die Spitze zur Seite stehen sollen. Während die 30jährige Andrea Mayer aller Voraussicht nach ohnehin als Siegerin der Damenwertung feststehen dürfte, wirbelt Edi Orioli, seines Zeichens vierfacher Dakar-Sieger, nach pekuniären Differenzen mit BMW ab 1. Januar 1999 mit einer KTM den Wüstenstaub auf.

Rallye Granada-Dakar: Vorschau (Archivversion) - Die Dakar im TV und Internet

Bewegte Bilder von der Dakar werden schon traditionell vom TV-Sender Eurosport geliefert. Allabendlich flimmert auf dem internationalen Sportkanal die Etappe des jeweiligen Tages über die Mattscheibe. Der Sendetermin: 22.30 Uhr. Wiederholungen werden um Mitternacht und am folgenden Morgen um 9.30 Uhr ausgestrahlt. Für noch Eiligere steht das Internet parat. MOTORRAD richtet rechtzeitig zum Rallye-Start auf der eigenen Homepage Motorradonline.de unter der Rubrik Nachrichten die Links zu den attraktivsten Internet-Seiten von Dakar-Veranstalter TSO sowie diversen beteiligten Herstellern und Sponsoren ein.

Rallye Granada-Dakar: Vorschau (Archivversion)

Jahr Platz Fahrer Marke1984 21. Herbert Schek BMW1985 21. Herbert Schek KTM1986 8. Eddy Hau BMW1988 12.25. Eddy HauRichard Schalber BMWBMW1989 32. Patricia Wolf Honda1990 45. Patricia Schek BMW1991 19.41.42. Eddy HauHerbert SchekPatricia Schek HondaSuzukiSuzuki1992 23.24. Jutta KleinschmidtPatricia Schek BMWSuzuki1994 18.22.37.46. Michael GriepJutta KleinschmidtHerbert SchekJürgen Mayer KTMKTMHondaKTM1995 7. Jürgen Mayer KTM1996 9.39.45. Norbert SchilcherLaurenz BiegeAndrea Mayer KTMKTMKTM1997 5.6.9.49. Dirk von ZitzewitzJürgen MayerNorbert SchilcherOlaf Urbach KTMKTMKTMHonda1998 7.9.14.21. Dirk von ZitzewitzJürgen MayerNorbert SchilcherStefan Schweizer KTMKTMKTMKTM1999 Teilnehmer Jens FritzschJürgen MayerAndrea MayerBernd NutowtNorbert SchilcherBengt WimmerDirk von Zitzewitz MuZKTMBMWBMWKTMKTMKTM

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