Drohende Insolvenz der Hockenheim-Ring-GmbH vorerst abgewendet (Archivversion) Stadt Springt ein

Die Freunde des Hockenheimrings können aufatmen: Mitte Februar beschloss der Gemeinderat der Stadt Hockenheim, bis zu diesem Zeitpunkt schon mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter der finanziell schwer angeschlagenen und verschuldeten Hockenheim-Ring-GmbH, dem Mitgesellschafter Badischer Motorsport Club (BMC) seine Anteile an der Rennstrecke und dem Fahrsicherheitszentrum für 5,2 Millionen Euro abzukaufen und
darüber hinaus für Kreditaufnahmen bis
zu 35 Millionen Euro zu bürgen. Das Geld braucht die Ring-GmbH dringend, um
die laufenden Betriebskosten der nächsten Monate zu decken, unter anderem das
auf drei bis vier Millionen kalkulierte Defizit des Formel-1-Rennens Ende Juli.
Die Stadt Hockenheim hatte freilich kaum eine Wahl, als dieses Wagnis trotz drückender Schulden nach dem 65-Millionen-Umbau für die Formel 1 vor vier Jahren und zurückgehender Zuschauerzah-
len einzugehen. Oberbürgermeister Dieter Gummer, bereits bisher als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung oberster Ring-Chef: »Bei einer Insolvenz wäre die Stadt mit dem schon bestehenden Bürgschaftsvolumen von 18,4 Millionen Euro in die Pflicht genommen worden. Das wollten wir natürlich nicht.« Mit dem Abwenden der Pleite können außerdem die 60 Arbeitsplätze am Ring erhalten werden, alle
geplanten Veranstaltungen sollen im vorgesehenen Umfang stattfinden.
Jetzt sucht Gummer nach einem Geschäftsführer, der die Ring-GmbH wieder in die schwarzen Zahlen führen kann, bevor die 35 Millionen verbraucht sind.
Zusätzlich fahndet er nach einem Investor, der bereit ist, für die Namensrechte an der Strecke einen namhaften Betrag zu zahlen.
Noch im Juli 2005 hatten Baden-
Württembergs Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Finanzminister Ger-
hard Stratthaus gemeinsam erklärt: »Der
Hockenheimring ist ein Aushängeschild
des Wirtschafts- und Automobilstandorts Baden-Württemberg. (...) Der Landesregierung ist es daher ein großes Anliegen, dass das Unternehmen auf eine wirtschaft-
lich zukunftsfähige Basis gestellt werden kann.« Doch zuletzt gab es nicht mehr
als ein vages Versprechen über einen so genannten Schlussbaustein, den das Land beisteuern könnte – das angesichts der jetzt angestrebten Lösung zurückgezogen wurde – und ein ergebnisloses Telefonat Oettingers mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone: Oettinger glaubte tatsächlich, fernmündlich einen Rabatt auf die 16-Millionen-Gebühr für den Stop des F1-Zirkus im Badischen heraushandeln zu können.
Fühlt sich OB Gummer von der
Landesregierung im Stich gelassen? »Vom Wirtschaftsminister schon«, so Gummer. Der heißt Ernst Pfister. Über den Regierungschef sagt Gummer: »Der Herr Oettinger hat ja versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas beizutragen.« Wer diese Formulierung in seinem Arbeitszeugnis stehen hat, braucht sich eigentlich
nirgendwo mehr zu bewerben. abs

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote