Ducati an der Börse (Archivversion) New York, New York

Ducati ist jetzt zu 50 Prozent eine amerikanische Firma. Am 20. Dezember 1995 verkauften die Brüder Claudio und Gianfranco Castiglioni die Hälfte der Nobelmarke an den US-Milliardär Sam Zell aus Chicago. Der 54jährige Zell, der selbst 30 Ducati sein eigen nennt und sich als Rennsport-Fan bezeichnet, ist Präsident der Gruppe »Zell Chillmark Equity Fond«, die Investitionskapital in der Größenordnung von zehn Milliarden Dollar verwaltet. Zell ist vertraglich verpflichtet, seinen 50-Prozent-Anteil an Ducati innerhalb von 18 Monaten an die New Yorker Börse zu bringen - über die Geschäftsbank Meryll Lynch in London. Wieviel die Italiener von Zell für diesen Deal bekommen, war offiziell nicht zu erfahren. Es wird vermutet, daß der Ami etwa 400 Millionen Mark bezahlt hat. »Das ist ein historischer Schritt«, gab sich Claudio Castiglioni nach seiner Rückkehr aus Chicago sehr zufrieden. »Wir sind der erste europäische Motorradhersteller, der an die Wall Street geht, und wir sind stolz darauf.« Nachdrücklich verweist man bei Cagiva darauf, daß die restlichen 50 Prozent von Ducati in Händen der Castiglionis bleiben. »Cagiva bleibt der entscheidende Teilhaber in der AG.« Die Ducati-Mitarbeiter brauchten sich keine Sorgen zu machen, so Castiglioni, im Gegenteil: »Wir werden bald erweitern müssen.« Ducati fertigte 1995 insgesamt 28 000 Motorräder und wird mit einem Umsatz von zirka 450 Milliarden Lire - knapp 450 Millionen Mark - abschließen. 1996 soll die Produktion auf 35 000 Stück, 1997 gar auf 50 000 gesteigert werden.Das Geld aus dem Ducati-Verkauf solle nicht etwa zur Entschuldung der Cagiva-Gruppe genutzt, sondern vielmehr ins Ducati-Werk investiert werden. Die Cagiva-Gruppe hatte wegen verfehlter Modellpolitik 1995 einen schweren Einbruch beim Verkauf erlitten. Auch das GP-Engagement hatte eine Menge Geld gekostet. Wie man aus der Misere rauskommen will, weiß Castiglioni bereits: »Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, werden wir auch mit Cagiva an die Wall Street gehen.« Das wird allerdings Probleme machen, denn Cagiva soll Insidern zufolge mit umgerechnet knapp einer Milliarde Mark verschuldet sein. Da dürfte wohl die strenge amerikanische Börsenaufsicht einen Strich durch die Rechnung machen. br

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