Ducati-Pläne (Archivversion) Manhattan Transfer

Neue Modelle, mehr Service und modernes Marketing: Die Amis bei Ducati mischen den Laden auf. Erstes Zeichen: In Manhattan wird ein großer Showroom eröffnet.

Grande Festa: Vom 13. bis 15. Juni steigt in der Emilia-Romagna das erste Welt-Ducati-Treffen, organisiert von der Firma selbst. In Bologna, Misano und Rimini werden Tausende von Ducatisti aus der ganzen Welt erwartet, das Programm ist mannigfaltig: Werksführungen, Konzerte, ein Teilemarkt für Oldtimer, sogar Rennen. Die große Sause im Juni ist nur ein Teil der hochfliegenden Pläne, die Ducati schmiedet. »Näher zum Kunden«, lautet das Motto, das die Amerikaner in Bologna ausgerufen haben. Seit Ende 1996 halten US-Investoren der Texas Pacific Group (TPG) bekanntlich 51 Prozent von Ducati; die restlichen 49 gehören nach wie vor der Cagiva-Gruppe. Und die branchenfremden Amis, von eingefleischten Ducati-Fahrern zunächst mißtrauisch beäugt, haben frischen Wind in die ehrwürdigen Werkshallen geblasen. Über 200 Leute wurden neu eingestellt, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit jetzt 90 Angestellten fast verdoppelt, High-Tech-Computer und die dazugehörigen Software-Programme angeschafft. An Modellen mangelt es nicht: Im April soll die neue 900 SS bei den Händlern stehen, Ende 1998 kommt die ST 4, die Vierventilversion des Sporttourers ST 2 mit neuen Zylinderköpfen, die einen kürzeren Radstand zulassen, 1999 wird sodann die Straßenversion des Einzylinders Supermono in Produktion gehen. Mitte 1998 dürfen Ducati-Fans bereits mit der Vorstellung der 916 - ebenfalls mit neuen Zylinderköpfen - rechnen, und an einem komplett neuen 1000-cm³-Motor arbeiten die Ingenieure mit Volldampf (MOTORRAD 1/1998). »Wir haben im Moment vier Modellreihen«, erläutert Generaldirektor Massimo Bordi. »Die Supersport, die Hypersport, die Monster und die ST; dazu kommt später als fünfte die Mono. Für jede dieser Modellreihen stellen wir eine Gruppe aus der Technik, der Produktion und der Qualitätskontrolle zusammen, die sich in Abstimmung mit dem Marketing nur um dieses Produkt kümmert.« So hofft Bordi, Mängel früher ausmerzen und schneller auf die Wünsche der Kundschaft reagieren zu können. Die Finanzspritze durch den Verkauf von 51 Prozent an die Amis hat Ducati sichtlich gut getan: Im mageren Jahr 1996 fertigte das Werk aus Geldmangel nur 12600 Motorräder, 1997 dagegen kann Ducati auf exakt 27041 produzierte Motorräder und auf steigende Zulassungszahlen in den meisten Ländern verweisen. Referenzjahr ist dabei immer 1995, denn die Mini-Produktion von 1996 kann nicht als Maßstab gelten. In Italien legten die Neuzulassungen im Vergleich zu 1995 mit 5000 Einheiten um 56 Prozent zu, in den USA (3200) um 68 Prozent, in Großbritannien (3800) um glatte 104 Prozent. Aus der Reihe tanzt der deutsche Markt: Dort wurden 1997 nur 2790 Ducati zugelassen, kaum mehr als 1996 (2703) und fast 39 Prozent weniger als 1995 (3872). Da muß was passieren: »1998 wollen wir in Deutschland rund 3500 Motorräder verkaufen«, kündigt der Italo-Amerikaner und Ducati-Geschäftsführer Federico Minoli an (siehe Interview). Generaldirektor Bordi tut Buße: »Wir müssen uns für die mangelnde Qualität 1996 wirklich entschuldigen. Damals hatten wir kein Geld, die Zulieferer sprachen nicht mal mit uns.« Jetzt sieht die Sache ganz anders aus: »Ein Zulieferer, der unsere Qualitätsstandards nicht einhält, zahlt hohe Strafen.«Die Deutschen will man, genauso wie die anderen Kunden weltweit, mit mehr Qualität, Zuverlässigkeit und kontinuierlicher Modellpflege überzeugen. »Verglichen mit den Japanern sind wir mit rund 400 Millionen Mark Jahresumsatz nur eine kleine Firma«, rückt Minoli die Maßstäbe zurecht. »In einer riesigen Modellpalette würden wir uns verheddern.« Und Massimo Bordi ergänzt: »Unsere Philosophie und auch unsere Stärke ist es, daß wir mit unseren Modellen keine Ex-und-hopp-Politik betreiben und sie nach wenigen Jahren auf den Schrott werfen, sondern sie kontinuierlich verbessern und auf den neuesten Stand bringen.« Doch damit nicht genug: Für die amerikanischen Manager heißt das Zauberwort Image. Das muß dringend aufpoliert werden. Zuallerst im Sport: Neben den beiden Superbike-Teams, die dieses Jahr möglichst die WM gewinnen sollen, werden die Bologneser in der Langstrecke mit einem Werksteam an die ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen. Und dann ist da noch die vielbeschworene Corporate Identity. Das alte Logo erschien den Amerikanern zu altmodisch, kurzerhand wurde ein neues kreiert. Zum Zeichen, daß neue Zeiten angebrochen sind. Das Logo knüpft an das D im Firmennamen an und soll zugleich zwei Räder symbolisieren als Zeichen von Dynamik sozusagen. Spötter dagegen vermögen in dem neuen Symbol nur eine leicht verzerrte Kaffeebohne zu erkennen.Die Vertriebsstruktur mit den vielen kleinen Läden ist Minoli ein Dorn im Auge. Da geht er ran. Neben den normalen autorisierten Händlern wird es bald die ganz feinen Adressen geben: die sogenannten Flagship-Stores. »Die kriegen Sonderkonditionen, dafür müssen sie aber auch einen gewissen Bestand an Modellen ständig auf Lager haben und zudem Testmotorräder für Probefahrten bereitstellen.« Im Innern dieses Super-Ducati-Stores werden verschiedene Bereiche eingerichtet; mit Infos zur Firmengeschichte, zum Rennsport und zur Technik. Der Showroom bietet neben den Modellen Lederkombis mit exklusivem Design, über die Ducati mit der italienischen Edelmarke Dainese einen Vertrag geschlossen hat. Vorgesehen ist außerdem eine einsehbare Werkstatt und ein Biker-Café als Treffpunkt für Ducatisten. Das erste dieser Flaggschiffe dürfte bereits im Januar eingeweiht werden: in New York/Manhattan, Ecke 11. Avenue und 42. Straße. Was läge näher: Immerhin ist Ducati ein bißchen auch eine amerikanische Marke - wenn das man nicht den Nationalstolz der Italiener beleidigt.

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