Ducati Speed Week (Archivversion) Zwangsgesteuert

Es ist alles Kopfsache, so oder so. Wenn der Ducati Club Austria zur Speed Week auf den A1-Ring lädt, zieht es die Freunde der Desmodromik zwingend in die Steiermark.

Das linke Verkleidungsteil der 900 SL gleicht einem Puzzle. Peter Westermayer und Jürgen Hinke sitzen da und brühten. Dabei sind die Anforderungen mehr handwerklicher als intelektueller Natur. Das Ding muß wieder zusammen, mittels Glasfasermatten und Epoxydharz, und zwar bis morgen. Bis morgen muß auch eine vordere Felge her, da die alte den Sturz in der Remus-Kurve krumm genommen hat. Der Renneinsatz steht in Frage.Westermayer, Hinke und Jutta Schlier: Zusammen sind sie das »Low Budget Racing Team« aus Salzgitter bei Braunschweig und zum wiederholten Mal bei der Speed Week dabei. Nicht um zu gewinnen, sondern einfach nur aus Spaß.Diese Ambitionen sieht man den Motorrädern an. »Der TX 23 auf dem Hinterrad der 600er Pantah hält bei mir die ganze Saison.« Jutta Schlier ist die einzige Frau unter den 320 Startern. Ihr Rennen ist bereits gelaufen, Platz 27. Kein Wunder, den die Pantah ist serienmäßig. »Dafür war der Motor aber auch 1996 das letzte Mal auf.« Low Budget eben.Westermayers 900 SL und Hinkes 888 SP 5 sind da schon ein bißchen teurer. Im Vergleich zu jenen, die hier gewinnen wollen, ist der Aufwand aber gleich null. Während auf dem Parkplatz hinter den Boxen Vorzelte zu Werkstätten werden und der rauhe Asphalt manches Schrauberknie wundscheuert, herrscht drinnen Professionalität. Reifenwärmer, externe Anlasser, Slicks, Ruheliegen und jede Menge Ersatzteile - auch in der großen Ducati-Familie herrscht ein extremes Wohlstandsgefälle.Daß die Solidargemeinschaft der abendlich Feiernden nur bei den Rennen zur Konfliktgruppe wird, dafür sorgt Organisator Jürgen Kaufmann. »Hier soll jeder seinen Spaß haben. Da Spaß in erster Linie Fahren bedeutet, sind die Trainingszeiten für alle gleich. Ob es dann im Rennen um Platz eins oder 23 geht, ist egal«, beschreibt er das Konzept. Toleranz wird großgeschrieben, nicht nur unter den Ducatisti. So kommt es, daß neben dem dominanten Bollern der V2 ab und zu auch ein Vierzylinderfauchen oder Dreizylindergrollen zu hören ist. In zehn Klassen findet jeder seinen Startplatz.Voraussetzung ist, daß das Nenngeld bezahlt wurde und die technische Abnahme bestanden wird. Eine Nennung kostet 400 Mark, jede weitere wird billiger. »Da viele Starter bei verschiedenen Läufen mitfahren, ergibt sich bei 320 Piloten ein Starterfeld von 420 Teilnehmern«, rechnet Kaufmann vor. »Im Schnitt bezahlt jeder 350 Mark.« Dafür bekommt er neben der umsichtigen Organisation mit Können und Glück einen Platz auf jenem »Stockerl« geboten, auf dem vor einer Woche die Formel 1-Cracks standen. Ein erhebendes Gefühl, auch wenn Sekt statt Champagner fließt und die Pokale kleiner ausfallen (alle Ergebnisse unter http://www.motorradonline.de).Bei der Siegerehrung der »Sound of Thunder«-Serie, erstmals bei der Speed Week dabei, ist das »Low Budget Team« längst wieder bester Laune. Peter ist bei den »Pro Twins Open« als 24. ins Ziel gekommen, und - noch wichtiger - die SL hat gehalten. Da Jürgen außerdem bester 888-Fahrer in seiner Klasse wurde, verfolgen die drei zufrieden die Pokalübergabe. Daß ausgerechnet hier Ex-Superbiker Michael Galinski mit seiner pfeilschnellen Wellbrock-Honda VTR 1000 der Ducati-Armada um die Ohren fuhr, stört niemanden. Sie werden alle wiederkommen, garantiert. Oder besser zwangsgesteuert.

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