Ducati-Werksmuseum (Archivversion) Denominazione di Origine Controllata

Diese Ducs sind DOC: Beim italienischen Wein bezeugt das Qualitätssiegel DOC die Herkunft, für die Renner im Werksmuseum garantiert das Ducati selbst, kredenzt die Besten aus allen Jahrgängen.

Radios, Röhren, Rasierapparate, hübsch hinter einem Schauglas angeordnet – so empfängt das Ducati-Museum den Besucher. Nicht weglaufen, der Fan ist hier schon richtig, diese Sächelchen gehören dazu. Denn die Brüder Ducati, die anno 1926 die Firma gründeten, wollten eigentlich in die Fußstapfen von Philips oder AEG treten und einen Elektrokonzern in Bologna aufbauen. Mit dem Lizenzbau des Mofas Cucciolo kam Ducati 1945 zur Zweiradproduktion wie die Jungfrau. Es ergab sich eben so. »Was für ein Glück«, seufzt Museumskurator Marco Montemaggi. Motorräder liegen dem 27jährigen am Herzen, Rasierer lediglich in der Hand. Das Werksmuseum, das er aufbaute, dreht sich vor allem um die Rennsportgeschichte von Ducati. Entlang eines imaginären Rundkurses stehen 26 der wichtigsten Rennmaschinen des Hauses, vom Einzylinder Marianna 100/125 aus den 50er Jahren bis hin zur 996, mit der Carl Fogarty 1998 seinen dritten Superbike-Titel holte. Besonders stolz ist Montemaggi auf zwei Leihgaben, wahre Meilensteine der Ducati-Geschichte: die SS 750, der erste Zweizylinder-Sportler mit Königswelle und Desmodromik, mit dem Paul Smart 1972 überraschend die 200 Meilen von Imola gewann und dabei so namhaften Konkurrenten wie Giacomo Agostini auf MV und Walter Villa auf Triumph das Nachsehen gab. Und zweitens natürlich die SS 900, mit der Mike Hailwood 1978 zum Rennsport zurückkehrte und sensationell die Tourist Trophy auf der Isle of Man dominierte. »Diese beiden Motorräder müssen wir allerdings wieder zurückgeben«, bedauert Marco Montemaggi. Ersatz wird der umtriebige Kurator schnell finden, denn in seiner Schatzkammer – sprich: der Werkstatt nebenan – hütet er jede Menge unrestaurierter Ducati-Schätze. Und Platz für die Technik braucht er schließlich auch. Wer sich seiner Königswelle nie zu nähern wagte, der kann im Museum ein Prachtexemplar bewundern, ebenso die desmodromische Ventilsteuerung, Kolben, Zylinder und Zahnriemen. Der alte Zeichentisch des berühmten Ducati-Ingenieurs Fabio Taglioni prunkt hier, außerdem Ducati-Motoren aller Zeiten, vom ersten Cucciolo mit 48 cm³ über den nie gebauten Vierzylinder Apollo von 1962 und den Supermono-Motor von 1993 bis zum modernen Vierventiler. Daß das Ducati-Museum irgendwann einmal verstauben könnte, scheint unwahrscheinlich, denn Marco Montemaggi quillt schier über vor Projekten. So geht er mit dem Museum auch auf Reisen: An mehreren Universitäten hat die Ducati-Crew schon kurzweilige Vorträge zum Thema Rennsport-Technik vor Maschinenbaustudenten gehalten. Interessenten aus Deutschland sind willkommen (e-mail: marco.montemaggi@ducati.com). Im fortgeschrittenen Planungsstadium befinden sich außerdem ein Wettbewerb für Modellbauer sowie der Museumskatalog. Der Wein in der nahegelegenen Werkskantine ist in Bologna natürlich rot und trägt das Siegel DOC.Infos: Öffnungszeiten montags bis freitags 9-17 Uhr, samstags 9.30 - 13 Uhr; Voranmeldung nötig, Telefon 0039/051/6413-111 oder -259, Fax -342). Kombination mit Werksbesichtigung möglich. Der Eintritt ist frei.

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