Ducatis 30-Millionen-Dollar-Projekt (Archivversion) Desmodromik und Ovalkolben

Ducati kehrt zu den Motorrad-Grand-Prix zurück. Nach 30 Jahren Pause in der höchsten Spielklasse wagt sich das italienische Traditionswerk an die Konstruktion eines Prototyps für die GP1-WM, ohne sich deshalb aus der Superbike-WM zu verabschieden. »Superbike-Einsätze als Testfeld für die Serie, der Grand-Prix-Wettbewerb für technische Pionierleistungen«, schwärmte FIM-Präsident Francesco Zerbi, und verbuchte die Neuigkeit als Bestätigung seiner Sportpolitik. Freilich hatte sich die Firma aus Bologna erst einmal mit einem Internet-Referendum bei der Kundschaft vergewissert, bevor die Entscheidung getroffen wurde. Denn das Ducati-Werk, vor vier Jahren noch nahe dem Bankrott und von einer amerikanischen Holding aufgefangen, lässt sich das Grand-Prix-Engagement einiges Kosten: 30 Millionen Dollar, rund 66 Millionen Mark, werden als Entwicklungsbudget abgezweigt, weitere 10 Millionen Dollar oder rund 22 Millionen Mark sind als jährliche Betriebskosten für ein Zwei-Mann-Team veranschlagt, das 2003 in die WM eingreifen soll. Trotz der vergleichsweise gewaltigen Summen wird die neue GP1-Maschine eine Ducati bleiben, äußerlich ebenso wie in vielen markanten technischen Details. »Wir haben am Computer alle möglichen Motorvarianten von zwei bis acht Zylindern durchgespielt und analysiert, sind dabei aber auf keine wesentlichen Vorteile für eine bestimmte Anzahl gestoßen. Deshalb haben wir uns entschieden, beim traditionellen L-Zweizylindermotor zu bleiben«, erklärte Claudio Domenicali, Chef der Rennabteilung Ducati Corse. »Auch der Rahmen wird wieder aus einem Stahlrohrgitter bestehen.« Auch die Ventilsteuerung soll ebenso nach klassischem Ducati-Muster erfolgen und von einer Desmodromik übernommen werden. Theoretisch könnte der neue Ducati-Motor bei 50 Kilogramm Eigengewicht bis zu 240 PS leisten, wird in der Rennversion wohl aber auf benutzerfreundliche 200 PS mit viel Durchzug getrimmt. »Die große Herausforderung für uns wird sein, den typischen Charakter unseres großen V-Twins beizubehalten, gleichzeitig jedoch für genügend Topspeed und Power beim Beschleunigen zu sorgen, um in dieser Klasse mithalten zu können«, ist sich Domenicali im Klaren. Bei aller Liebe zur Tradition dürften solche Extreme nur mit extremen technischen Lösungen zu erreichen sein: Ducati plant als bislang einziger Wettbewerber einen Ovalkolbenmotor, um bei den gigantischen Einzelhubräumen auf die erforderlichen Drehzahlen zu kommen.

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