Editorial Runtergewirtschaftete Marken

Von MZ und anderen Tragödien.

Wenn ich mir so die Entwicklung von MZ in den vergangenen Monaten ansehe, dann muss ich sagen: Das zieht sich aber. Immer noch haben die neuen Eigentümer keine Bank gefunden, die sich bereit erklärt, der Firma im Falle einer Landesbürgschaft Kredit zu gewähren. Und noch immer ging kein vollständiger Antrag auf Landesbürgschaft beim Land Sachsen ein. Wobei das eine wohl Bedingung für das jeweils andere ist. Das riecht nach klassischer Tragödie. Vernünftigerweise montiert man in Hohndorf ein paar Charly-Elektro-Mofas pro Tag und kümmert sich ums Ersatzteilwesen. Kleine Brötchen backen also, ganz, ganz kleine.

Wie das geht, wissen die Leute von Sachs, Kreidler & Co. (siehe Reportage ab Seite 86) schon länger: Auslagerung der Produktion nach China, den Import organisieren, Handel be-liefern. Aber es gibt auch ehemals große internationale Marken mit klingenden Namen, die ums Überleben kämpfen. Indian beispielsweise, Norton oder Moto Guzzi. Das ist besonders schade, denn sie alle stehen für besonders emotionale Maschinen. Speziell für Moto Guzzi dürfte es eigentlich kein Problem sein, mit gestraffter Modellpalette die italienische Alternative zu BMW zu werden. Hier muss es endlich ein solides Management in die Hand nehmen, das sich mit Motorrad bauen auskennt und eine klare Richtung vorgibt. Schlechte Manager können selbst die beste Marke auf Sicht ruinieren.

Eine klare Linie wünsche ich auch den inzwischen ziemlich desillusionierten MZlern. Statt sich mit großen Rennsportplänen zu beschäftigen, wäre eine Konzentration auf die Weiterent-wicklung des Charly, eines Minirollers für die Stadt, und eine effiziente Planung für die 125er erforderlich. Die technische Basis stimmt hier nämlich - der MZ-Motor ist noch immer einer der besten 125er-Antriebe der Welt.

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