Editorial Wie viel bedeutet das Motorrad

Seit einigen Monaten macht sich die EU Gedanken über geänderteZulassungsregularien für Motorräder. Immer wieder sickern dabei aus Brüssel neue Gerüchte in die Öffentlichkeit. Von ABS-Pflicht für alle Maschinen, der Limitierung auf 250 km/h bis hin zur Leistungsbegrenzung auf 100 PS oder noch weniger ist da die Rede.

Klar scheint: Die Freiheit auf zwei Rädern ist den EU-Bürokraten ein ziemlicher Dorn im Auge, weil es eben - und das ist die Kehrseite der Medaille - zu viele Unfälle gibt. Ein Argument, gegen das sich wenig sagen lässt. Richtig ist: Während in den deutschsprachigen Ländern die Unfallzahlen so niedrig wie noch nie sind, steigen die Unfallraten in den Boomländern im Süden Europas deutlich. Logisch, wo mehr gefahren wird, passieren auch mehr Unfälle.

Aber jetzt will die EU alles über einen Kamm scheren. Das kann böse enden und muss vermieden werden. Die Motorradindustrie und -szene kann alles brauchen, nur keine harte Regulierung. Den Herstellern, Händlern und Werkstätten geht es nach dem Krisenjahr 2009 schon schlecht genug. Jetzt noch vom Gesetzgeber eins drauf zu kriegen wäre für viele kleine und mittlere Unternehmen fatal.

MOTORRAD hat recherchiert, wie viele Arbeitsplätze eigentlich von unserer Szene europaweit abhängen. Und wie wichtig inzwischen die Zweiradwelt als Wirtschaftsfaktor geworden ist. Über 38000 Unternehmen (siehe Seite 100) leben EU-weit vom motorisierten Zweirad. Und nicht zuletzt zahlreiche Hersteller, von Aprilia bis Vespa, von BMW bis Yamaha, die (wie Honda und Suzuki) längst auch in der EU produzieren. Ihnen allen und uns Motorradfahrern natürlich wünsche ich, dass die EU-Politiker mit Augenmaß vorgehen.
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