Editorial (Archivversion) Ende des Leistungswahns?

Die neue Yamaha YZF-R1 ist schwächer, schwerer und teurer als die alte.

Was mögen sich die Entwickler dieser Maschine gedacht haben, als sie das Lastenheft schrieben? Vielleicht Folgendes: Schon lange merkt doch kein Mensch mehr, ob eine 1000er fünf PS mehr oder weniger hat, ob es nun 175, 180 oder gar 185 sind. Und auf öffentlichen Straßen ist der Fahrer damit eh ganz schnell zu schnell. Auch wird niemand merken, ob eine Maschine vier Kilogramm mehr oder weniger wiegt. Einmal nicht ganz voll tanken bringt genauso viel oder wenig.

Was unmittelbar spürbar ist, ist der Preis. Und mit 15000 Euro, die Yamaha für die R1, Honda für die Fireblade ABS und BMW für die S 1000 RR aufrufen, erreichen die neuen Tausender für viele die Schmerzgrenze. Die neue Yamaha bietet dafür nun ein völlig neues Vierzylinder-Gefühl. Mit eigenständigem Sound und kerniger Charakteristik. Sie verabschiedet sich von der immer gleichen Werbebotschaft „zwei PS mehr und zwei Kilogramm weniger“, die bald zwei Jahrzehnte die Supersport-Szene beherrschte. Und setzt ganz auf Emotionen und Originalität.

Übrigens: Mit einem solchen Motorenkonzept wurde Valentino Rossi für Yamaha schon mehrmals Weltmeister in der MotoGP-Klasse. Und dort zählen natürlich nur handfeste Vorteile, die sich auf der Stoppuhr bemerkbar machen. Also irgendetwas scheint für ihn dran zu sein an der Big-Bang-Technik, die jetzt in der neuen R1 zum ersten Mal auf die Straße kommt. Ob und wie sehr sich die Neue von der Alten absetzen kann, testete MOTORRAD in den letzten Tagen.

Herzlichst Ihr
Michael Pfeiffer

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