Editorial (Archivversion) Design-Offensive

Über das Design von Motorrädern kann man trefflich streiten. Was ist schön, was ist gutes Design, was schreckt eher ab? MOTORRAD lässt in seinen Tests diese auch vom persönlichen Geschmack abhängenden Fragen außen vor.
Doch selbst das beste Motorrad wird kein Renner, wenn es beim Publikum optisch floppt. Was nützt Platz eins in der MOTORRAD-Bestenliste, wenn die Kiste hässlich ist? Lange setzten deshalb die Hersteller, vor allem aus Japan, auf
die Strategie: »Was nicht auffällt, tut auch keinem weh.«
Braves Alltagsdesign zog in die Showrooms der Händler ein.
Wird jetzt alles anders? Die neuen Kawasaki und Honda
versprechen viel. Die Z 1000 gelang sehr mutig, die neue Versys kühn. Und die einst biedere CBR 600 wandelte sich in einen
extrem aggressiv gestylten Renner.
Man darf gespannt sein, ob die anderen Hersteller bei
dieser Design-Offensive mitziehen. Es wäre zu wünschen, denn
Motorradfahrer sind Individualisten, wollen sich mit der Wahl
ihres Freizeitobjekts ausdrücken. Und das gelingt noch immer
am besten mit einer toll gestylten Maschine.
Seltsam ruhig ist es seit einiger Zeit im Land der Mode,
Italien. Nach umstrittenen Experimenten à la Ducati 999 ist man
dort offensichtlich ziemlich unsicher geworden. Und Design-Guru Massimo Tamburini, mit Ducati 916 und MV Agusta F4 Stilbildner einer ganzen Supersportler-Generation, scheint eine schöpferische Pause eingelegt zu haben. Aber vielleicht entsteht ja gerade irgendwo in Italien ein Nachfolger dieser unbestrittenen Ikonen. Zuzutrauen ist es den Designern südlich der Alpen. Die großen Messen der nächsten Monate werden es zeigen.

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