Editorial (Archivversion) AU weia

Jetzt haben wir den Salat: Motorräder müssen demnächst zur Abgasuntersuchung. Die Bundesregierung verspricht sich von der Überprüfung der Abgaswerte »eine weitere Absenkung der Ozonwerte«.
Ich kann es kaum glauben: Motorradfahrer sollen eine relevante Größe bei der Luftverschmutzung sein? Die Zahlen:
3,9 Millionen Motorräder fahren im Jahr durchschnittlich je 5000 Kilometer. Dabei werden ungefähr 1,17 Milliarden Liter Sprit verbrannt. Allein die 40 Millionen Pkw in Deutschland verbrauchen über das 30fache. Schwerlastverkehr, Kraftwerke, Heizungen – nein, da sind wir wirklich das kleinste Rad am Wagen.
Für wie blöd halten uns die Politiker denn? Der Grund für die Abgasuntersuchung ist doch ganz einfach: Es wird fleißig Kasse gemacht. Die 20 bis 35 Euro pro Bike nimmt man gerne mit, so fließen pro Jahr erkleckliche 40 bis 50 Millionen Euro in die Kassen von TÜV & Co. Da macht sich gute Lobbyarbeit bezahlt.
Was wird gemessen? Der CO-Gehalt im Abgas bei Standgas oder bei Kat-Maschinen bei leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl.
Die Erstzulassung der Maschine muss dabei nach dem 1. Januar 1989 erfolgt sein. Wenn zuviel CO gemessen wird, was bei
einem einstelligen Prozentsatz der Zweiräder der Fall sein dürfte, muss das Leerlaufgemisch korrigiert werden. Wahnsinn. Das
wird – daran glaube ich ganz fest – so manchen Baum retten,
so manchen Ozon-Alarm verhindern.
Wenigstens konnten die Damen und Herren Politiker in Berlin sich dazu durchringen, die AUK (Abgasuntersuchung Kraft-
räder) nur alle zwei Jahre verbunden mit der Hauptuntersuchung vorzuschreiben. Dann braucht man nicht auch noch eine
zweite Plakette. Ansonsten wiehert mal wieder der deutsche Amtsschimmel. AU weia!

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