Editorial (Archivversion) Renaissance der Reihen-Twins

MZ machte mit der 1000 S den Anfang, Kawasaki
folgte mit der fantastischen ER-6n, und demnächst präsentiert BMW mit der F 800 S ebenfalls ein Motorrad mit einem neu
entwickelten Zweizylinder-Reihenmotor.
Dabei schien bis vor zwei Jahren diese Bauart bei den
Herstellern äußerst unbeliebt. Lange Zeit hielt allein Yamaha
mit der TDM die Fahne hoch, von den Uralt-Konzepten à la
Suzuki GS 500 E einmal abgesehen. Und jetzt?
Vielleicht haben sich die Entwickler an den Beginn des
Motorradbooms erinnert. Mit den Zweizylindern Honda
CB 400 N, Yamaha XS 400 und Suzuki GS 400 E wurden Ende der 70er Jahre die Massen motorisiert. Der Reihen-Twin – ein
V-Motor ist in der Herstellung wesentlich aufwendiger – war
eben deutlich leichter und günstiger als ein Vierzylinder und dennoch ausreichend leistungsstark. Eigenschaften, die heutzutage wieder ein gutes Verkaufsargument sind. Nur mit einem Reihen-Zweizylinder wird die Kawasaki ER-6n zum Preisbrecher in der 78-PS-Klasse.
Wobei sich die Maßstäbe deutlich geändert haben. Denn
leistungsmäßig bieten aktuelle Twins genügend, um wirklich
angemessenen Vortrieb zu gewährleisten. Auch die Dreh-
momententfaltung begeistert. Die Urväter wirken selbst in der Verklärung der Jahre wie lahme Gurken. Viel Hubraum,
modernes Motorenlayout, Wasserkühlung und neueste Ein-
spritztechnik erlauben eine Leistungsausbeute von 70 bis
120 PS. Gegen diese frei atmenden wilden Gesellen tut sich so mancher älterer Reihenvierzylinder schwer. Und verbraucht zudem meist deutlich mehr.
Die zwei Zylinder in Reihe haben also wieder eine Zukunft. Und werden es ihren bisher so erfolgreichen Konkurrenten von der V2-Front zunehmend schwerer machen.

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