Edwards, Colin: Standpunkt zum Tod auf der Rennstrecke (Archivversion)

Kato

Der Tod auf der Rennstrecke – wäre das nicht eine Gnade? Eine ganz eigene Meinung zu den Risiken des Rennsports hat Colin Edwards, der MotoGP-Pilot von Aprilia.

Klar, es war ein trauriger Tag. Alles war überschattet von Katos Verletzungen. Ich erzähle euch, was ich weiß oder was ich hörte. Ich traf Max Biaggi nach dem Rennen am Flughafen, und er erzählte mir, was Dr. Costa ihm erklärt hatte. »Es ist, wie wenn du eine Tasche mit Glas in der Hand hast und sie fallen lässt. Die Tasche ist noch in Ordnung, aber ihr Inhalt ist zerstört.« Ich als Rennfahrer möchte an Katos Stelle nicht mehr aufwachen. Für manche ist diese Sache ein sehr bewegendes Thema, für andere ist es eben ein Teil des Risikos, das man eingeht. Und doch möchte ich Euch meinen eigenen Standpunkt erklären. Ich habe erlebt, wie insgesamt drei meiner Freunde bei Motorradrennen starben. Bereits der erste hat gereicht, um zu verstehen, welchen Preis wir möglicherweise für diesen Sport bezahlen müssen. Mein Freund Larry Schwarzbach starb 1992, und ich weinte wie ein Baby. Lange Zeit musste ich mich daran erinnern, besonders wenn ich die Nachrichten anschaute. Dort waren die schrecklichsten Dinge zu sehen: ein Verkehrsunfall, bei dem eine ganze Familie getötet wurde, eine Frau, die beim Rad fahren von einem Lkw überrollt wurde, oder Tausende von Menschen, die starben, weil ein paar Idioten ein Flugzeug in ihr Büro lenkten. Da erkannte ich: Wir müssen alle sterben! Früher oder später! Und seither habe ich eine andere Einstellung: Wenn ich schon sterben muss, warum denn nicht auf einer Rennstrecke? Wäre das nicht eine Gnade? Ich würde bei der Sache sterben, die ich am liebsten tue. Nicht umgelegt von einem Heckenschützen oder überfahren von einem Besoffenen. Versteht ihr nun, was ich meine? Und deshalb schließe ich mit den Worten: Kato war ein guter Kerl, ein prima Ehemann und ein toller Vater – und ein unglaublich schneller Motorradrennfahrer.
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Tod nach Koma - Trauer um Daijiro Kato

Honda-Werksfahrer Daijiro Kato ist seinen schweren Verletzungen an Kopf, Wirbelsäule und Brustkorb erlegen, die er Anfang April beim Grand Prix Japan erlitten hatte. Kato war in Suzuka mit hoher Geschwindigkeit in eine wenige Meter neben der Strecke stehende Betonmauer gekracht. Nach zweiwöchigen Koma starb der 27-jährige Japaner am Ostersonntag. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Seinen ersten Grand Prix hatte Kato 1996 bei den 250ern bestritten. 2001 gewann er überlegen den Titel in dieser Klasse. Im vergangenen Jahr folgte der Wechsel in die MotoGP-WM. Nach wie vor Rätselraten herrscht über die Ursache des verhängnisvollen Sturzes auf Katos Lieblingsstrecke, der sich in der dritten Runde des MotoGP-Rennens eingangs der Schikane vor Start und Ziel ereignet hatte. Es gibt weder TV-Bilder noch Videoaufnahmen der Streckenüberwachung, welche die Unfallursache erklären könnten. Die Überprüfung der Unfallmaschine sowie die Analyse der Datarecording-Aufzeichnungen hätten laut Honda keinen Hinweis auf einen technischen Defekt ergeben.

Yamaha-Werksfahrer Carlos Checa, der kurz vor dem Unfall hinter Kato lag, will an dessen Honda aber ein blockierendes Hinterrad beobachtet haben. Katos Unfall sowie weitere Crashs beim WM-Auftakt haben heftige Kritik an der Sicherheit der Suzuka-Piste ausgelöst. Aprilia-Werkspilot Colin Edwards hat mit offenen, sehr persönlichen Worten Stellung genommen.

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