EG-Typgenehmigung statt ABE: Report zur Homologation ab 17.6.2003 (Archivversion) Die fallen raus

Welche Motorräder mit allgemeiner deutscher Betriebserlaubnis sollten bis 16. Juni 2003 erstmals neu zugelassen werden?

Die Homologation neuer Motorräder nach EG-Vorschriften, die in allen zwölf Mitgliedsländern der Europäischen Union gleich sind, ist seit 17. Juni 1997 möglich und seit 17. Juni 1999 Pflicht. Dabei besteht die EG-Typgenehmigung aus Einzelrichtlinien, die nach und nach in Kraft treten. Seit 1. April 2003 gilt die verschärfte Emissionsnorm, die Euro 2, für die Homologation neuer Motorräder. Bikes über 150 cm3 dürfen dann nur noch 5,5 g/km Kohlenmonoxid, 1,2 g/km Kohlenwasserstoffe und 0,3 g/km Stickoxide emittieren. Soweit geht das zwar nur Hersteller und Importeure an. Aber in den Verordnungen sind auch Übergangsfristen genannt, die festlegen, ab wann neue Normen für neue Motorräder Voraussetzung zur erstmaligen Zulassung sind. Die allgemeine deutsche Betriebserlaubnis (ABE) für noch nie zugelassene Motorräder erlischt am 17. Juni 2003. »Aber nicht zwingend«, sagt Suzuki-Marketingchef Bert Poensgen. Stimmt. Die Europäische Union hat den Herstellern auf besonderen Antrag, mit einigem Begründungs-Brimbamborium und unter bestimmten Voraussetzungen, die Möglichkeit gelassen, noch mal zwölf Monate rauszuschinden. Davon machen manche Importeure Gebrauch. Bis zum 30. Juni 2004 sind beispielsweise die Yamaha XJ 600 N/S, die XJ 900 S, die FZS 600 Fazer, die XV 535 DX und die XT 600 E zulassungsfähig. Auf der unten stehenden Liste haben die Hersteller also nicht alle Modelle genannt, die keine EG-Typgenehmigung haben. Schon weil dazu viele Motorräder gehören, die vor 1997 erstmals homologiert worden sind. Die Liste der Motorräder mit ABE umfasst bei BMW, Ducati, Harley-Davidson, Buell, Moto Guzzi und MZ – nach Angaben dieser Hersteller - jedoch keine aktuellen Modelle des Jahres 2003, zum Teil jedoch noch Motorräder, die bei einzelnen Händlern vorrätig sind. Wer keine Bikes sammelt, ohne sie zuzulassen, und keine alten Möhren neu kauft, braucht sich bei diesen Marken keinen Kopf zu machen. Neben Kawasaki mit der KMX 125 haben Honda und Suzuki aktuelle 2003er-Modelle mit ABE im Programm. »Das ist kein Problem für den Kunden. Wir verkaufen nur zulassungsfähige oder bereits zugelassene Motorräder«, verspricht Bert Poensgen, Marketing-Chef von Suzuki. »Klar, dass die vier Suzuki nicht die absoluten Bestseller bei uns sind. Aber 2000 Stück davon kann ich in den ersten sechs Monaten 2003 noch verkaufen. Wenn nicht, ist das mein Problem, aber nicht das des Kunden.« Auch der Honda-Pressesprecher bleibt ruhig: »Die Händler sind informiert«, sagt Klaus Wilkniss. »Wir planen keine Verkaufsaktionen.« Genau wie Honda lehnen alle dazu befragten Hersteller und Importeure verbilligte Angebote der Modelle mit ABE ab. »Der Übergang verläuft nach unseren Umfragen reibungslos«, glaubt Christoph Gatzweiler, Ressortleiter Technik beim Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM). Größere Reibungsverluste könnte das Ende der nächsten Übergangsregelung verursachen. Denn ab 1. Juli 2004 muss außer Enduro- und Trialbikes jedes neue, noch nie zugelassene Motorrad die Euro-2-Emissionsnorm erfüllen. Neben der Ducati 748 und 998 werden massenweise Motorräder vom Markt der Neumaschinen verschwinden, darunter langjährige Bekannte, viele davon mit Vergasermotoren, hinweggefegt von neuen EU-Besen.

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