Eine Qual (Archivversion) vor der Wahl

Alle zwei Jahre hat das Motorrad auch bei Politikern mehr Konjunktur als sonst. Wie seine Vorgänger zu IFMA-Zeiten hat denn auch Verkehrsminister Matthias Wissmann zugesagt, bei der Eröffnung der neuen Motorrad- und Roller Weltmesse INTERMOT in München (siehe auch Beihefter in dieser Ausgabe) aufzutreten. Ein Schelm, der dabei Böses denkt. Daß kurz danach zufällig auch die Bundestagswahl steigt, für die der CDU-Mann aus dem Schwäbischen auch sonst gehörig trommelt, sei dennoch angemerkt...Eine Schicksalswahl fürs mit Motorrädern und Roller fahrende Volk wird´s nach Erkenntnissen der Redaktion MOTORRAD allerdings kaum werden: die in Bonn vertretenen Parteien zeig(t)en eher weniger Motorrad-Profil. Unsere Einladung zu einer Podiumsdiskussion, mit der wir die womöglich vielschichtigen Standpunkte zu den vielen brennenden Biker-Fragen ergründen wollten, mußte mangels Interesse der Mehrheit der Parteien gar abgeblasen werden.Doch damit nicht genug: Das Zusammentragen von Partei-Antworten auf schriftliche MOTORRAD-Fragen (siehe Artikel »Kraduelle Unterschiede, Seiten 60 bis 64) ließ Magazin-Redakteurin Berit Horenburg noch einmal schier verzweifeln. Die MOTORRAD-Produktionsabteilung drohte gar mit erstmals weißen Seiten im Heft, weil sämtiche Redaktiosschlußtermine überzogen waren.Daß die CSU beim Thema Motorrad gar keine (eigene) Meinung hat, ändert nichts daran, daß selbst die sie mitvertretende CDU auf einen Parteifreund im Bundesverkehrsministerium zurückgreifen mußte. Lediglich SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen konnten mit Vertretern dienen, die mehr wissen, als daß man mit dem Gesicht zur Lampe aufs Motorrad steigt. Dem PDS-Mann sei zur Vertiefung der Einblicke ins Einspurleben hiermit eine Runde als Sozius versprochen.Zwischen Förderung des Individualverkehrs und dessen Reduzierung, einer Gleichstellung des Motorrads mit dem Auto auch bei Verbrauchs- und Emissionswerten sowie beim Parken, zwischen Lärm- und Leitplankenproblematik kam zwar mancher Unterschied heraus, vieles ist aber wenig erhellend. 2,7 Millionen Motorrad- und Rollerfahrern als potentielle Wähler bleibt die Qual vor der Wahl. Deshalb hier ein besonderes MOTORRAD-Wahlversprechen: Wenn die künftige Abgeordneten-Riege feststeht, werden wir jeden einzelnen Volksvertreter auf seine Motorrad- und Rolleraktivität und -affinität prüfen. Sollte die Regierung wechseln, auch diese. Schließlich wollen sie und ich auch in Zukunft auf zwei Rädern mobil bleiben. Dafür braucht´s neben Straßen auch einen passenden politischen Rahmen.Es grüßt herzlich

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